Datum19.10.2025 16:16
Quellewww.spiegel.de
TLDRAnnett Kaufmann führte das deutsche Frauen-Tischtennis-Team zum EM-Titel in Kroatien, wo sie im Finale Rumänien mit 3:0 besiegten. Diese Leistung sicherte Deutschland den Rekordsieg mit nun zehn Titeln. Kaufmann, die 19-jährige Nachwuchshoffnung, dominierte das Turnier trotz einer Ellbogen-Verletzung. Auch Nina Mittelham und Sabine Winter trugen mit starken Leistungen zum Erfolg bei. Bundestrainerin Tamara Boros, selbst eine ehemalige Spitzenathletin, feierte ihr erstes großes Turnier als Trainerin vor heimischem Publikum.
InhaltOhne Annett Kaufmann ist das deutsche Frauen-Tischtennis bereits undenkbar: Bei der EM überragte die Nachwuchshoffnung. Doch auch die anderen besonderen Geschichten des Teams verdienen Aufmerksamkeit. Die Jubelschreie von Annett Kaufmann übertönten alles in der großen Sport- und Konzertarena von Zadar. Die deutschen Frauen haben den ersehnten Rekordsieg bei der Tischtennis-Team-EM in Kroatien geschafft. Mit 3:0 gewannen Kaufmann, Sabine Winter und Nina Mittelham das Finale gegen Rumänien. "Ich bin sehr dankbar für dieses Team", sagte Kaufmann danach. Mit zehn Titeln sind die deutschen Frauen jetzt die alleinigen Rekord-Europameisterinnen vor Ungarn. Den EM-Titel hatte das Team der kroatischen Bundestrainerin Tamara Boros bereits 2023 und 2021 geholt. Trotzdem ist dieser Erfolg ein Einschnitt für das deutsche Tischtennis und eine besondere Belohnung für ein leidensfähiges Team. Die 19-jährige Kaufmann gehörte zwar schon 2023 und 2021 zum Kader. Doch dieser Titelgewinn ist der erste, bei dem ohne sie nichts mehr ging. Die selbstbewusste Junioren-Weltmeisterin besiegte im Finale Europas beste Einzelspielerin Bernadette Szöcs. Sie bestreitet meistens das erste Spiel. Und sie ist immer die Erste, die die Interviews gibt. Denn Kaufmann ist mittlerweile diejenige im gesamten deutschen Tischtennis, die nach dem Karriereende von Timo Boll und ihrem eigenen Auftritt bei den Olympischen Spielen das größte Interesse auf sich zieht. Am Ende stand sie in Zadar mit der Goldmedaille auf dem Treppchen. Die Männer hatten schon am Samstag im Halbfinale mit 1:3 gegen Topfavorit Frankreich verloren. "Annett kann für die Asiatinnen wirklich sehr gefährlich werde", lobte Boros. Sechs Spiele, sechs Siege: Das ist Kaufmanns EM-Bilanz in Zadar. Und das, obwohl sie mit einer Ellbogen-Verletzung angereist war und das gesamte Turnier mit einer Bandage bestritt. Bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris wurde Kaufmann fast aus dem Nichts zum heimlichen Star des Tischtennis. Sie wurde als Ersatzspielerin kurzfristig in die deutsche Mannschaft nachnominiert. Obwohl sie zunächst nur als Ersatzspielerin vorgesehen war, führte sie das Team mit entscheidenden Siegen gegen starke Gegnerinnen bis ins Halbfinale. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Für das Team ist das manchmal eine Herausforderung. "Die Mannschaft muss sich daran gewöhnen: Alles dreht sich um Annett, Annett, Annett. Aber das funktioniert bis jetzt ganz gut", sagte die Bundestrainerin. Denn das deutsche Team besteht eben nicht nur aus Kaufmann. Zu den vielen prägenden Erfahrungen zwischen der EM 2023 und der EM 2025 gehört: Bei der europäischen Top-16-Siegerin Han Ying riss innerhalb eines Jahres zweimal die Achillessehne. Sie wurde in Zadar geschont. Nina Mittelham fehlte in diesem Jahr ebenfalls mehrere Monate wegen einer Bandscheiben-Verletzung. Sie kam nahezu ohne Spielpraxis nach Kroatien, fiel dort zunächst wegen eines Infekts aus – und gewann dann trotzdem jedes ihrer vier Spiele. Auch Sabine Winter hat eine besondere Geschichte. Mit 32 Jahren änderte sie noch einmal das Spielsystem und den Schlägerbelag. "Ganz ehrlich: Ich habe nicht erwartet, dass sie so gut sein kann", sagte Boros. Denn auch Winters EM-Bilanz ist beeindruckend: sechs Siege in sechs Spielen. Bleibt am Ende die Bundestrainerin selbst. Zum ersten Mal erlebte die Kroatin als Trainerin ein großes Turnier in ihrem Heimatland. Boros war früher selbst die Nummer zwei der Welt und WM-Zweite im Einzel. Sie wurde in Zadar vom Publikum gefeiert, traf frühere Mitspielerinnen, gab viele Interviews. Jetzt macht Boros erst mal Urlaub in der Heimat – mit dem EM-Titel im Gepäck.