Die Grünen: Junge Grüne rechnen mit Grüner Jugend ab

Datum19.10.2025 16:19

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Jungen Grünen fordern einen Kurswechsel, um den Vertrauensverlust bei jungen Wählern zurückzugewinnen. In einem Antrag für den Parteitag kritisieren sie die Grüne Jugend und drängen auf neue Ansätze in der Jugendpolitik. Die Initiatoren, darunter mehrere Bundestagsabgeordnete, betonen, dass die junge Generation nicht nur links sein möchte, sondern auch konkrete politische Maßnahmen fordert, wie eine Reform der Kapitalertragsteuer und ein bundesweites Zentralabitur bis 2030. Ziel ist es, die Generation Z zurückzugewinnen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.

InhaltBei der Bundestagswahl verloren die Grünen besonders bei jungen Wählern. In einem Antrag für den Parteitag fordern junge Grüne einen Kurswechsel und kritisieren den eigenen Jugendverband. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Unter den Jungen bei den Grünen rumort es. Eine Gruppe von 154 jungen Grünen schlägt in einem Antrag mit dem Motto "Holen wir uns die Jugend zurück" zum Parteitag Ende November Maßnahmen vor, mit denen die Bündnisgrünen gegen den rapiden Vertrauensverlust bei der jungen Generation kämpfen sollen. "In den vergangenen Wahlen haben wir es als Bündnis 90/Die Grünen nicht mehr geschafft, glaubwürdig als Stimme der Jugend in der deutschen Politik aufzutreten", heißt es in dem Antrag V-57. "Viele junge Menschen haben sich deshalb von uns abgewandt und ihr Vertrauen an politische Ränder oder extremistische Parteien gegeben." Der Antrag sei der Versuch, die junge Generation als Partei wieder gezielt anzusprechen, heißt es in einem gemeinsamen Statement, dass dem SPIEGEL vorliegt. "Denn wir merken: mit dem jetzigen Kurs holen wir unsere Generation nicht ab." "Wir rufen zu einem neuen Kurs in der Jugendpolitik auf", sagte Helena Schnettler, Sprecherin von CampusGrün, dem Hochschulgruppenverband der Grünen, dem SPIEGEL. Hinter dem Antrag stehe eine Gruppe von Grünen, die inner- und außerhalb der Partei Verantwortung trügen, so Schnettler. Ziel sei es, die so genannte "Gen Z" (Jahrgänge 1995 bis 2010) wieder als Wählerbasis zu gewinnen. Scharfe Kritik üben die Antragsteller, darunter die Bundestagsabgeordneten Jeanne Dillschneider, 29, Chantal Kopf, 30, und Niklas Wagener, 27, an der Nachwuchsorganisation Grüne Jugend. "Mit unserem Antrag appellieren wir an unsere Partei, den Mut zu haben, sich diesem Thema auf dem Parteitag zu stellen und es nicht länger der Grünen Jugend zu überlassen, die junge Generation abzuholen", sagt Mitinitiatorin Schnettler. "Die einzige Antwort der Grünen Jugend auf drängende Fragen lautet bislang: Wir müssen ja nur linker werden", sagt Schnettler. "Das sehen wir anders. Links-sein ist kein Selbstzweck. Jung und grün zu sein bedeutet nicht Marx zu lesen, sondern eine neue Ansprache zu finden, die nicht wie bei der Grünen Jugend darin besteht, alles zu vergesellschaften, was die Wirtschaft in diesem Land trägt." Den grünen Realpolitikern geht es unter anderem um Vermögensaufbau durch Leistung. Junge Menschen wollten sparen und investieren, heißt es in dem Antrag für den Parteitag. Dafür bräuchten sie Anreize. "Immer mehr junge Leute sind an Depots und Investment interessiert", so der Text. Daher müsse die Kapitalertragsteuer reformiert und der Freibetrag erhöht werden. In der Bildungspolitik sprechen sich die Antragsteller für ein bundesweites Zentralabitur bis zum Jahr 2030 aus. Das Bafög soll digitalisiert und reformiert werden, Studierende bis Studien-Ende in der Familienversicherung bleiben dürfen. In dem Antrag für den Parteitag wenden sich die Initiatoren gegen das Vorurteil, die "Gen Z" sei faul. "Wir sind bereit, der jungen Generation etwas zuzumuten – dafür muss sie sich aber auf den Staat verlassen können", heißt es in dem Text. Der Staat müsse soziale Absicherung gewährleisten, eine funktionierende Infrastruktur bereitstellen, bezahlbares Leben ermöglichen und Aufstiegschancen garantieren. "Dafür sind junge Menschen auch bereit, ihren Teil zur Gesellschaft beizutragen."