Iran: Unruhen werden brutaler – mindestens 17 Tote

Datum04.01.2026 18:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Iran eskalieren landesweite Proteste gegen das Regime, infolge von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften sind mindestens 17 Personen ums Leben gekommen. Die Demonstrationen, die ursprünglich gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung gerichtet waren, nehmen nun eine breitere, anti-regime Ausrichtung an, angeheizt durch Ereignisse in Venezuela. Die iranischen Behörden setzen offenbar scharfe Waffen ein und unterdrücken Medienberichterstattung. International wird Solidarität mit den Protestierenden gezeigt, während Khamenei versucht, die Situation zu kontrollieren.

InhaltBei den landesweiten Protesten in Iran kommt es vermehrt zu gewaltsamen, immer öfter auch tödlichen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden. Befeuert werden die Unruhen durch die Ereignisse in Venezuela. Laut Augenzeugen kam es in Irans Hauptstadt Teheran auch am Sonntag wieder zu Konfrontationen zwischen Protestierenden auf der einen sowie Polizei- und Sicherheitskräften auf der anderen Seite. Es seien Parolen wie "Tod dem Diktator" zu hören gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Seit acht Tagen dauern die gegen das Regime Irans gerichteten Unruhen im ganzen Land an. Die Demonstrierenden nahmen am Wochenende aber auch Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Venezuela und die Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro durch die USA. "Ihr seid als Nächste dran", skandierten einige Demonstrierende in Richtung des Regimes und dem geistigen Oberhaupt Ali Khamenei. Mehrere Protestierende seien festgenommen und in Minibussen abtransportiert worden, so die Augenzeugen. Vor dem ehemaligen Stadttheater im Zentrum Teherans kam es laut der Berichte zu dramatischen Szenen. Demonstrierende ignorierten die Aufforderung der Polizei, den Ort unverzüglich zu verlassen. Daraufhin gingen die Beamten mit Schlagstöcken gegen die Menge vor, darunter viele junge Frauen. Einige Teilnehmer der Proteste wurden in Minibusse gezerrt und abtransportiert, andere suchten in Geschäften Schutz. Bei den Unruhen in Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation mindestens 19 Demonstranten getötet worden. Hunderte weitere seien verletzt und festgenommen worden, teilte Iran Human Rights mit Sitz in Oslo in seinem jüngsten Bericht mit. Zudem sollen die Behörden zumindest in einigen Gebieten schwere Waffen eingesetzt haben, um Proteste niederzuschlagen. Die ebenfalls in Norwegen ansässige kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet von 17 getöteten Menschen und 500 verhafteten Personen. Die Angaben stützen sich auf Berichte in den sozialen Medien sowie auf Aussagen von Menschenrechtsaktivisten im Ausland. Sie können nicht unabhängig verifiziert werden. Die iranische Regierung veröffentlicht keine genauen Informationen. Journalisten ist es untersagt, direkt über die Proteste zu berichten, egal, ob sie für iranische oder ausländische Medien arbeiten. Fotografen wurde unmissverständlich klargemacht, dass sie keine Aufnahmen machen dürfen – andernfalls droht ihnen ein Arbeitsverbot. Veröffentlichungen in iranischen Medien unterliegen der Zensur durch Behörden. Auch auf X zogen zahlreiche Iraner Parallelen zu den Entwicklungen in Venezuela. Bilder des festgenommenen Maduro wurden dabei durch Aufnahmen des Ajatollahs Khamenei ersetzt. Nutzer warnten das iranische System, dass ihm ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Das iranische Regime hatte den US-Angriff auf die venezolanische Hauptstadt Caracas am Samstag scharf verurteilt. Neben der massiven Kritik an der gegenwärtigen Führung werden auch Rufe nach einer Rückkehr der Monarchie laut, die durch die islamische Revolution 1979 gestürzt worden war. Auch in der US-Hauptstadt Washington, D.C. sowie in zahlreichen europäischen Städten, darunter Berlin, London und Paris, kam es am Wochenende zu Demonstrationen gegen das Regime und Solidaritätsbekundungen für die Protestierenden in Iran. Begonnen hatten die Unruhen zunächst als Protest von Händlern in Teheran gegen die restriktive Preis- und Wirtschaftspolitik des Regimes, inzwischen sind die Demonstrationen aber auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet und richten sich gegen die Regierung im Allgemeinen. Khamenei zeigte am Samstag Verständnis für die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstranten, richtete zugleich jedoch eine Warnung an "Aufrührer".