Myanmar: Junta in Myanmar begnadigt über 6.000 Gefangene zum Unabhängigkeitstag

Datum04.01.2026 13:50

Quellewww.zeit.de

TLDRAnlässlich des 78. Unabhängigkeitstags Myanmars hat die Militärjunta über 6.000 Gefangene begnadigt, darunter mehr als 50 Ausländer. Diese Freilassungen geschehen aus „Menschlichkeit und Mitgefühl“. Ein bekannter Fall ist das Model Nang Mwe San, die wegen als „schädlich“ erachteter Fotos verhaftet wurde. Parallel finden Wahlen statt, die von Experten als „Scheinwahl“ kritisiert werden, da die Opposition weitgehend ausgeschlossen ist. Der Militärputsch 2021 führte zu einem anhaltenden Bürgerkrieg, der die politische Lage im Land erheblich destabilisiert hat.

InhaltZum Gedenken an Myanmars Unabhängigkeit hat die Militärjunta in Myanmar mehr als 6.000 Häftlinge entlassen. Unter den Begnadigten sind mehr als 50 Ausländer. Die Militärregierung in Myanmar hat angekündigt, mehr als 6.000 Inhaftierte zu begnadigen. Anlass ist der 78. Jahrestag der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien. Solche Begnadigungen sind in Myanmar an wichtigen Feiertagen üblich. Unter den Begnadigten sind demnach auch 52 ausländische Staatsangehörige. Am Morgen verließen viele Busse das bekannte Insein-Gefängnis in der Stadt Yangon. Vor dem Gefängnis warteten Familien und Angehörige auf die Freigelassenen. Die Regierung teilte mit, dass die Freilassungen aus "Menschlichkeit und Mitgefühl" erfolgt seien. Einer der freigelassenen Männer sagte, er habe acht Monate im Gefängnis gesessen, weil er angeblich "herumgelungert" habe. Auch das bekannte Model Nang Mwe San kam frei. Sie war 2022 festgenommen worden, weil die Regierung ihre Fotos als zu freizügig und "schädlich für Kultur und Würde" bezeichnet hatte.  Die Militärregierung in Myanmar lässt derzeit in drei Phasen ein neues Parlament wählen. Nach dem ersten Wahltag am vergangenen Sonntag erklärte die juntanahe Partei USDP, mehr als 90 Prozent der Stimmen bekommen zu haben. Am 11. und 25. Januar wird in dem südostasiatischen Land erneut gewählt. Juntachef Min Aung Hlaing hatte angekündigt, mit den Wahlen in dem Bürgerkriegsland zur Demokratie zurückkehren zu wollen und für nationale Aussöhnung zu sorgen. Experten stufen die USDP jedoch als zivilen Arm des Militärs ein, frühere Armeevertreter bekleiden zahlreiche hohe Posten in der Partei. Beobachter kritisierten den Urnengang bereits im Vorfeld als "Scheinwahl". Die Opposition ist weitestgehend von der Wahl ausgeschlossen. In zahlreichen Gebieten, die von bewaffneten Rebellen kontrolliert werden, findet die Abstimmung zudem gar nicht statt. Die Armee hatte sich 2021 an die Macht geputscht und die im Jahr zuvor mit großer Mehrheit gewählte demokratische Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. In einem von Menschenrechtsgruppen als Schauprozess verurteilten Verfahren wurde Suu Kyi zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Militärputsch löste einen Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert.