Datum04.01.2026 11:53
Quellewww.zeit.de
TLDRNach der völkerrechtswidrigen Gefangennahme von Nicolás Maduro durch US-Truppen wurde Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin Venezuelas ernannt. Sie erklärt ihre Loyalität zu Maduro und fordert dessen Freilassung. Der US-Angriff wird als Bruch des Völkerrechts betrachtet, da keine UN-Vollmacht oder US-Kongressgenehmigung vorlag. Neben Maduro wurden auch seine Frau entführt. Die USA planen, Kontrolle über Venezuela zu übernehmen, während Rodríguez betont, dass Venezuela niemals wieder eine Kolonie werden werde.
InhaltNach der Gefangennahme Maduros durch die USA hat das oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin zur Interimspräsidentin ernannt. Wofür steht sie? Nach der völkerrechtswidrigen Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte hat das oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin ernannt. Rodríguez werde "vorübergehend alle mit dem Amt des Präsidenten verbundenen Eigenschaften, Pflichten und Befugnisse übernehmen", entschied das Gericht in Caracas am späten Samstagabend (Ortszeit). Mit der Ernennung solle die Kontinuität der Verwaltung und Verteidigung des Landes gewährleistet werden. Nach Angaben der Richter wurde Maduro nicht für dauerhaft aus dem Präsidentenamt ausgeschieden erklärt. Ein solcher Schritt hätte Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen erforderlich gemacht. In einer live im venezolanischen Fernsehen übertragenen Ansprache unterstrich Rodríguez ihre Loyalität gegenüber Maduro: Dieser sei "der einzige Präsident Venezuelas". Sie forderte die "sofortige Freilassung" Maduros und seiner Frau Cilia Flores. Behauptungen von Trump, sie sei zu einer Zusammenarbeit mit den USA bereit, widersprach sie: "Wir werden nie wieder eine Kolonie, egal von welchem Imperium." Bei einem groß angelegten Militäreinsatz hatten die USA in der Nacht zum Samstag Ziele in Venezuela angegriffen, Maduro und dessen Frau entführt und nach New York gebracht. Der Angriff auf einen souveränen Staat ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats stellt einen klaren Bruch des Völkerrechts dar. Auch die nach US-Recht notwendige Genehmigung durch den US-Kongress hatte US-Präsident Donald Trump nicht eingeholt. Die USA würden die Kontrolle über Venezuela "auf unbestimmte Zeit" übernehmen, hieß es. Hierfür wolle er Personen aus seinem Kabinett benennen. Zudem sollten US-Ölkonzerne in dem Land aktiv werden. Maduro wurde nach seiner Gefangennahme in die USA gebracht. Inzwischen befindet er sich im Hauptsitz der US-Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) im New Yorker Stadtteil Manhattan. US-Justizministerin Pam Bondi kündigte eine Anklage wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus", Kokainimport und weiterer Vorwürfe an. Belege dafür liegen nicht vor. Laut dem jüngsten Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen spielt Venezuela beim Handel mit illegalen Substanzen keine bedeutende Rolle. Entgegen seiner Ankündigung, gegen den organisierten Drogenhandel vorzugehen, begnadigte US-Präsident Donald Trump erst im Dezember den ehemaligen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández, der wegen Drogenhandels und Waffendelikten zu 45 Jahren Haft verurteilt worden war. Dem Angriff auf Venezuela ging eine monatelange Eskalation durch die USA voraus. Seit August des vergangenen Jahres drohte die US-Regierung wiederholt mit militärischem Vorgehen gegen Venezuela und zog Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen in der Region zusammen. Ab September begannen US-Streitkräfte, Boote in der Karibik und im Ostpazifik anzugreifen, die nach US-Angaben zum Drogenschmuggel genutzt wurden. Bei mehr als 30 solcher Angriffe wurden nach offiziellen Angaben mindestens 115 Menschen getötet. Beweise, dass sich auf den Booten tatsächlich Drogen befunden haben, legte die US-Regierung nicht vor. Alle Entwicklungen nach dem US-Angriff auf Venezuela lesen Sie in unserem Liveblog.