Datum04.01.2026 11:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach dem US-Angriff auf Venezuela und der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro gibt es weltweit unterschiedliche Reaktionen. China und Brasilien kritisieren die USA scharf als Verletzer der Souveränität, während Argentinien und Israel die militärische Intervention loben. Der UN-Generalsekretär betont die Bedeutung des Völkerrechts. Europäische Staatschefs äußern sich zurückhaltend, fordern jedoch einen friedlichen Übergang in Venezuela. Der deutsche Kanzler Merz und andere erkennen Maduros illegitime Macht an, während Trump Unterstützung für das Vorgehen erhält.
InhaltWie blickt die Welt auf das Vorgehen der USA in Venezuela? Eine "inakzeptable Grenze" sei überschritten, heißt es aus Brasília. In Buenos Aires hingegen spricht man von "exzellenten Nachrichten für die freie Welt". Die Europäer äußern sich zurückhaltend. Nach dem Angriff der USA auf Venezuela und der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Insbesondere China hat die USA scharf kritisiert. Das Land zählt wie Russland und Iran zu wichtigen Verbündeten von Venezuela unter dem Maduro-Regime. Das chinesische Außenministerium zeigte sich in einer Stellungnahme "zutiefst schockiert". China verurteile "aufs Schärfste die Anwendung von Gewalt durch die USA gegen einen souveränen Staat und die Anwendung von Gewalt gegen den Präsidenten eines Landes", heißt es in der Erklärung des Ministeriums. Auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilte die US-Militäraktion mit deutlichen Worten. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Auf der Social-Media-Plattform X schrieb Lula: "Die Bombenangriffe auf venezolanisches Territorium und die Gefangennahme seines Präsidenten überschreiten eine inakzeptable Grenze." Die Handlungen würden eine schwere Verletzung der Souveränität Venezuelas darstellen. Sie seien ein weiterer äußerst gefährlicher Präzedenzfall für die gesamte internationale Gemeinschaft. "Angriffe auf Länder unter offenkundiger Verletzung des Völkerrechts sind der erste Schritt in Richtung einer Welt voller Gewalt, Chaos und Instabilität, in der das Recht des Stärkeren Vorrang vor dem Multilateralismus hat", so Lula auf X. Naturgemäß haben Maduros Verbündete wie Russland und Iran den Angriff verurteilt. Das russische Außenministerium bezeichnete ihn als "zutiefst besorgniserregend und verurteilenswert". Das iranische Außenministerium nannte ihn eine "eindeutige Verletzung der nationalen Souveränität und territorialen Integrität" Venezuelas. Es forderte den Uno-Sicherheitsrat auf, "sofort zu handeln, um die unrechtmäßige Aggression zu stoppen" und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch weitere südamerikanische Länder wie Chile oder Uruguay haben sich der Kritik angeschlossen. Der chilenische Präsident Gabriel Boric schrieb auf X: "Als chilenische Regierung bringen wir unsere Besorgnis und Verurteilung der militärischen Aktionen der Vereinigten Staaten in Venezuela zum Ausdruck und fordern eine friedliche Lösung für die schwere Krise, die das Land derzeit erschüttert." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Ähnlich äußerte sich das uruguayische Außenministerium. Es lehne militärische Interventionen eines Landes auf dem Territorium eines anderen Landes ab, heißt es in einer Stellungnahme. Das Ministerium bekräftigt die Bedeutung der Einhaltung des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen. Dahingegen hat der Präsident von Argentinien, Javier Milei, die militärische Intervention der USA gelobt. In einem Interview sagte er: "Wir müssen verstehen, dass es sich um den Zusammenbruch des Regimes eines Diktators handelt, der Wahlen manipuliert hat, bei den letzten Wahlen eine schwere Niederlage erlitten und sich dennoch an der Macht festgeklammert hat." Milei sagte, daher handele es sich um exzellente Nachrichten für die freie Welt. Er gilt als Verbündeter von US-Präsident Donald Trump in der Region. Ebenfalls lobende Worte für Trump gibt es aus Israel. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der dortige Premierminister Benjamin Netanyahu gratulierte Donald Trump auf X "zu Ihrer mutigen und historischen Führungsrolle im Namen der Freiheit und Gerechtigkeit." Er verneige sich vor Trumps Entschlossenheit und der brillanten Leistung seiner tapferen Soldaten. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (Uno), António Guterres, äußerte sich über eine Sprecherin. Die Entwicklungen in Venezuela stellten einen gefährlichen Präzedenzfall dar. "Der Generalsekretär betont weiterhin, wie wichtig es ist, dass alle das Völkerrecht, einschließlich der UN-Charta, uneingeschränkt achten. Er ist zutiefst besorgt darüber, dass die Regeln des Völkerrechts nicht eingehalten wurden." Die europäischen Staats- und Regierungschefs äußerten sich in ersten Stellungnahmen zurückhaltend. Bundeskanzler Friedrich Merz teilte mit: "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit." Grundsätzlich müssten im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten. "Jetzt darf in Venezuela keine politische Instabilität entstehen. Es gilt, einen geordneten Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung zu gewährleisten." Merz sagte weiter, Nicolás Maduro habe sein Land ins Verderben geführt. "Die letzte Wahl wurde gefälscht. Die Präsidentschaft haben wir – wie viele andere Staaten auf der Welt – daher nicht anerkannt", so der Bundeskanzler. "Maduro spielte in der Region, mit unseligen Allianzen weltweit und durch die Verstrickung Venezuelas in das Drogengeschäft eine problematische Rolle." Auch der Premierminister von Großbritannien, Keir Starmer, vermied eine klare Bewertung. Er brauche mehr Zeit, um sich ein Bild der Lage zu machen. Er wolle mit Trump und mit Verbündeten sprechen, so Starmer. Er könne aber versichern, dass Großbritannien an der Operation nicht beteiligt gewesen sei. Der Regierungschef sei "davon überzeugt, dass wir alle das Völkerrecht einhalten sollten". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte, dass der bevorstehende Übergang friedlich, demokratisch und unter Achtung des Willens des venezolanischen Volkes erfolgen müsse. Er betonte, das venezolanische Volk könne sich freuen, von der Diktatur Maduros befreit worden zu sein. Dieser habe die Würde seines eigenen Volkes schwer verletzt, schrieb Macron auf X. US-Präsident Donald Trump verbreitete Macrons Stellungnahme auf seiner eigenen Plattform Truth Social weiter. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, verkündete, dass sie die Lage in Venezuela sehr aufmerksam verfolge. "Wir stehen an der Seite des venezolanischen Volkes und unterstützen einen friedlichen und demokratischen Übergang. Jede Lösung muss das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen respektieren." Währenddessen zog der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Parallelen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wenn man mit Diktatoren so umgehen kann, dann wissen die Vereinigten Staaten von Amerika, was sie als Nächstes tun müssen", sagte Selenskyj ukrainischen Medien zufolge in Kyjiw vor Journalisten. Zwar hat Selenskyj den Kremlchef Putin nicht namentlich genannt, es ist jedoch davon auszugehen, dass er damit gemeint ist.