Vorfälle im Gazastreifen: Iraels Armee bestätigt Luftangriff auf Rafah

Datum19.10.2025 14:51

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie israelische Armee hat Luftangriffe auf die Stadt Rafah im Gazastreifen durchgeführt, als Reaktion auf Angriffe von Hamas-Kämpfern, die eine Verletzung der Waffenruhe darstellten. Trotz der israelischen Vorwürfe bestreitet die Hamas, die Waffenruhe verletzt zu haben, und wirft Israel vor, Zivilisten getötet zu haben. Der israelische Polizeiminister fordert eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen gegen die Hamas. Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Übergabe der Leichen von Geiseln. Das US-Außenministerium warnt vor möglichen bevorstehenden Angriffen der Hamas auf Zivilisten.

InhaltDas israelische Militär hat mit Kampfjets und Artilleriebeschuss die Stadt Rafah angegriffen, wie nun offiziell bestätigt wurde. Zuvor hatte Israel der Hamas eine "eklatante Verletzung der Waffenruhe" im Gazastreifen vor. Die israelische Armee hat Luftangriffe auf die im südlichen Gazastreifen gelegene Stadt Rafah bestätigt. Es soll sich um eine Reaktion auf Angriffe militanter Palästinenser handeln. "Heute Morgen haben Terroristen Panzerabwehrraketen abgefeuert und das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet", teilte die Armee. Demnach ereigneten sich die Vorfälle hinter der vereinbarten Linie, bis zu der sich die Armee zurückgezogen hat. Die Armee bezeichnete die Angriffe auf ihre Streitkräfte als "eklatante Verletzung der Waffenruhe", die seit dem 10. Oktober im Gazastreifen gilt. Daraufhin habe das Militär mit Luftangriffen durch Kampfjets und mit Artilleriebeschuss reagiert. Zunächst hatten israelische Medien über den Beginn der Angriffe auf Rafah berichtet. Die Vorwürfe des israelischen Militärs an die Hamas lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Die islamistische Terrororganisation wies sie zurück, man bekenne sich zur Waffenruhe, erklärte ihr Vertreter Isat al-Rischek. Er sprach von "fadenscheinigen Vorwänden" Israels, "um seine Verbrechen zu rechtfertigen". Die Hamas wirft der israelischen Armee wiederum vor, am Samstag in Gaza neun Menschen durch Beschuss eines Busses mit Geflüchteten getötet zu haben. Nach den Berichten von Übergriffen durch die Hamas hat Polizeiminister Itamar Ben-Gvir eine Wiederaufnahme des Kriegs gegen die Hamas gefordert. Er verlange vom Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, die Armee anzuweisen, "die Kampfhandlungen im Gazastreifen vollständig und mit voller Stärke wieder aufzunehmen", schrieb der rechtsextreme Minister auf der Plattform X. "Die trügerischen Vorstellungen, Hamas werde ihre Haltung ändern oder auch nur ein von ihr unterschriebenes Abkommen einhalten, erweisen sich, wie zu erwarten, als gefährlich für unsere Sicherheit", schrieb Ben-Gvir. "Die nazistische Terrororganisation muss restlos vernichtet werden – und zwar möglichst bald." Ben-Gvir hatte die Waffenruhe-Vereinbarung von Anfang an kritisiert und auch dagegen gestimmt. Ein zentraler Streitpunkt zwischen Israel und der Hamas bei der Umsetzung der von den USA vermittelten Waffenruhe ist die Übergabe der Leichen von Geiseln. Israel fordert die Herausgabe der sterblichen Überreste aller 28 getöteten Geiseln. Die Hamas hat alle 20 lebenden Geiseln und die Leichen von zwölf weiteren übergeben. Die Bergung der unter Trümmern begrabenen Leichen erfordere jedoch besondere Anstrengungen und spezielle Ausrüstung, erklärte die palästinensische Gruppierung. Das US-Außenministerium hat am Samstag vor einem "unmittelbar bevorstehenden" geplanten Angriff der Hamas auf palästinensische Zivilisten gewarnt. Die USA hätten die Garantiemächte des Gaza-Friedensplans über "glaubwürdige Berichte" informiert, die auf eine Verletzung der bestehenden Waffenruhe hindeuteten, teilte das Ministerium mit. Die Terrororganisation nennt das "haltlose Behauptungen" und angebliche israelische Propaganda.