Datum04.01.2026 05:30
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Mecklenburg-Vorpommern geben ältere Autofahrer selten freiwillig ihren Führerschein ab; meist erfolgt dies nach Eignungsüberprüfungen, oft ausgelöst durch Polizei-Hinweise. Im Jahr 2025 gab es nur 69 freiwillige Rückgaben, mit vielen Fällen nach Unfällen oder Auffälligkeiten. Experten betonen, dass das Unfallrisiko ab 75 Jahren steigt, und empfehlen Fahrtests zur Beurteilung der Fahrtüchtigkeit. Trotz des Alters gilt jedoch nicht automatisch eine verminderte Fahrtüchtigkeit; viele Senioren fahren verantwortungsvoll.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Fahrsicherheit im Alter“. Lesen Sie jetzt „Kaum freiwillige Führerschein-Abgaben bei Älteren in MV“. Dass ältere Autofahrer freiwillig ihre Fahrerlaubnis abgeben, kommt in Mecklenburg-Vorpommern höchstens vereinzelt vor. Häufiger erfolgt die Rückgabe einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den zuständigen Stellen zufolge, nachdem zuvor schon eine Eignungsüberprüfung eingeleitet wurde. Dies kann etwa nach Hinweisen der Polizei passieren, wenn diese Anhaltspunkte für eine eingeschränkte Fahreignung sieht. "Die Fallzahlen sind sehr gering", heißt es etwa vom Landkreis Vorpommern-Rügen. 2025 habe es 69 Fälle von freiwilligem Verzicht gegeben, davon 31 Fälle bei Menschen ab 67 Jahren. Davon wiederum ging den Angaben zufolge allerdings bei rund der Hälfte Meldungen der Polizei voraus wegen Verkehrsunfällen und körperlicher Auffälligkeiten. Im Nachbarlandkreis Vorpommern-Greifswald liegt nach Angaben der Verwaltung keine genaue Statistik vor. Schätzungsweise hätten etwa 15 Senioren ihre Fahrerlaubnis abgegeben. In etwa zwei Drittel der Fälle gingen dem demnach Eignungsüberprüfungsmaßnahmen voraus. In Neubrandenburg haben laut dortiger Stadtverwaltung 2025 insgesamt 15 vor 1951 geborene Menschen auf Ihre Fahrerlaubnis verzichtet. Dabei seien in mehr als der Hälfte der Fälle zuvor Maßnahmen zur Prüfung der Fahreignung erfolgt. Der umliegende Landkreis Mecklenburgische Seenplatte verzeichnet nach eigener Aussage wenige bis gar keine Fälle ohne vorhergehende Initiative der Fahrerlaubnisbehörde. Die Stadtverwaltung in Wismar berichtet von einem freiwilligen Verzicht im abgelaufenen Jahr ohne zuvor eingeleitete Eignungsüberprüfung in der Altersklasse ab 65 Jahren. Hinzu kämen sieben freiwillige Abgaben nach bereits eingeleiteten Maßnahmen und vier Entziehungen wegen eines negativen oder nicht vorgelegten verkehrsmedizinischen Gutachtens. In Rostock, Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt, gibt es nach dortigen Angaben "praktisch keinen freiwilligen Verzicht auf die Fahrerlaubnis wegen des Alters". Eine genaue Statistik liege nicht vor. Ähnlich äußerte sich die Verwaltung im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die Fallzahlen bewegten sich erfahrungsgemäß im niedrigen zweistelligen Bereich. Der Landkreis Nordwestmecklenburg verfügt nach eigener Aussage nicht über entsprechende Zahlen. Ein Sprecher erklärte aber, ältere Menschen ließen mitunter auch einfach das Auto stehen, etwa auf Initiative von Familienangehörigen. "Viele Betroffene akzeptieren beziehungsweise beschließen eine solche Zäsur auch, ohne dass auf die Fahrerlaubnis verzichtet wird. Sie machen dann einfach keinen Gebrauch mehr von ihrer Fahrerlaubnis." Eine Sprecherin der Stadt Schwerin betonte: "Alter allein sagt nichts über die Fahrtüchtigkeit eines Menschen aus. Ältere Menschen fahren häufig besonders vorsichtig und verantwortungsvoll." Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, sagte allerdings, das Unfallrisiko steige ab 75 Jahren deutlich wegen abnehmender Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit oder Aufmerksamkeit. Sie empfiehlt Praxis-Tests unter Beobachtung von Experten – sogenannte Rückmeldefahrten – zur neutralen Einschätzung der Fahrtüchtigkeit. Die Ergebnisse bleiben dabei vertraulich. © dpa-infocom, dpa:260104-930-495329/1