Antigravity A1: Diese Drohne sieht alles

Datum03.01.2026 18:29

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Antigravity A1-Drohne bietet ein innovatives Flug- und Fotografie-Erlebnis durch ihre 360°-Kameras und Steuerung via Computerbrille im First Person View. Nutzer fühlen sich wie im Cockpit, was das Steuern intuitiv macht. Die Drohne besitzt zahlreiche Sicherheitsfunktionen und ermöglicht nachträgliche Bildanpassungen. Mit einem Preis ab 1399 Euro zielt sie auf Videomaker und Hobbyisten. Während sie weniger für schnelles Fliegen gedacht ist, bietet sie außergewöhnliche Aufnahmemöglichkeiten.

InhaltMit mehr Kameras mehr sehen: Wer die A1-Drohne von Antigravity steuert, soll sich fühlen wie ein Pilot und filmen können wie ein Regisseur. Wir haben mit dem futuristischen Fluggerät ein paar Rundflüge gemacht. Geht es um Drohnen für Privatanwender, ist meist von DJI die Rede. Laut Statista kamen im Jahr 2024 Dreiviertel der weltweit verkauften zivilen Drohnen  aus Fabriken des chinesischen Unternehmens, und die Nachfrage steigt . Um in diesem Markt mehr als eine Randnotiz zu sein, muss man schon etwas Besonderes liefern. Genau das versucht Insta360 jetzt mit seiner Tochterfirma Antigravity und deren Drohne A1. Das Unternehmen hat sein umfangreiches Know-how aus der Kameraherstellung in eine fliegende Plattform verpflanzt. Insta360 ist als Hersteller von Web- und Action-Kameras bekannt, baut seit Jahren aber auch sogenannte 360°-Kameras, die Rundumbilder und -filme aufzeichnen können. Google benutzt professionelle Technik des Unternehmens für seine Streetview-Aufnahmen, Kameras wie die knapp 600 Euro teure Insta360 X5 und die 200 Euro günstigere X4 Air sollen Influencer und Hobbyisten begeistern. Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. Diese Geräte zeichnen bei jedem Schnappschuss und jedem Video die gesamte Umgebung um sie herum auf – also alles, was sich auch hinter, über und unter ihnen befindet. Was später im Bild zu sehen sein soll, wählt man erst nach der Aufnahme aus. Nach demselben Prinzip funktioniert auch die A1-Drohne. Mit zwei Kameras an der Ober- und Unterseite hat sie immer einen 360°-Rundumblick. Das ermöglicht nicht nur eine besondere Art, zu filmen und zu fotografieren, sondern verändert auch grundlegend die Art, wie man die Drohne steuert und was man dabei sieht. Die Flugsteuerung ist erstaunlich einfach und kann Anfängern leichter fallen als bei herkömmlichen Drohnen, die man mit dem Handy als Display und einer von Flugmodellen abgeleiteten Fernsteuerung samt Joysticks manövriert. Bei der A1 setzt man sich stattdessen eine Computerbrille auf, auf deren Bildschirmen das Livebild der Drohnenkameras zu sehen ist. Im Fachjargon nennt man das First Person View, kurz FPV. Der Effekt ist erstaunlich: hat man die Brille aufgesetzt, wirkt es, als säße man im Cockpit der Drohne. Im Marketingsprech der Branche nennt man dieses Erlebnis "immersiv". Um beim Werbegewäsch zu bleiben: Die A1 auf diese Weise zu steuern, fühlt sich tatsächlich an, als wäre man "mittendrin, statt nur dabei". Für mich heißt das auch: lieber hinsetzen, ich bin offenbar schwindelanfällig. Denn, anders als bei anderen FPV-Drohnen, die nur nach vorn schauen, folgt das Bild, das man in der Brille sieht, den Kopfbewegungen. Man kann sich im Flug also in alle Richtungen umschauen. Mein Redakteurshirn hat Probleme damit, diese Bilder mit den Bewegungen, die es wahrnimmt, in Einklang zu bringen. Bei meinen Testflügen hatte ich deshalb immer einen Campingstuhl dabei oder mir eine Parkbank gesucht. So geerdet, ergibt sich ein vollkommen neues Fluggefühl: Statt auf einen brummenden Punkt am Himmel oder auf ein kleines Handydisplay zu starren, erlebt man den Drohnenflug nicht von unten, sondern von oben. So als hätte man eine Dose zu viel von jenem koffeinhaltigen Kaltgetränk zu sich genommen, das von sich behauptet, Flügel zu verleihen. Die eigentliche Steuerung erledigt man mit einem Controller, den man in die Richtung dreht, hebt und drückt, in die man fliegen möchte. In Kombination mit der integrierten Schubsteuerung ist das intuitiv und in den Grundzügen auch für Gelegenheits-Drohnenpiloten wie mich minutenschnell verstanden. Schwieriger ist es, sich die Funktionen und Positionen der vielen Knöpfe auf dem Controller einzuprägen. Ich musste jedenfalls regelmäßig die Brille hochschieben, um nachzuschauen. Das erklärt auch, weshalb die Steuerung per Datenbrille eine besondere Verantwortung mit sich bringt. Wer eine Drohne auf diese Weise steuern will, muss in Deutschland immer eine zweite Person dabeihaben, die die Drohne ganz normal im Blick behält, sozusagen einen Co-Piloten oder eine Co-Pilotin. Kurios: Die Brille hat ein Außendisplay, auf dem sich Außenstehende anschauen können, was die Drohne gerade sieht. Viel bringt das kleine Bildschirmchen nicht, zumal es bei Sonne kaum ablesbar ist – aber eine knuffige Idee ist es schon. Einen Drohnenführerschein braucht man nur für die Infinity-Variante, weil sie mit ihren besonders ausdauernden Akkus mehr als 250 Gramm wiegt. Die Modelle Standard und Explorer hingegen bleiben unter dieser Gewichtsgrenze. Deshalb genügen für sie eine Versicherung und, wegen der Kameras, eine Registrierung beim Luftfahrtbundesamt . Dass selbst ein Seltenflieger wie ich die A1 ohne Angst, sich oder andere zu verletzen, fliegen lassen kann, liegt an den vielen Sensoren und Automatiken, die das Fliegen erleichtern. Genau wie DJI-Drohnen bremst sie etwa vor Hindernissen ab, um Kollisionen zu vermeiden, und kann per Knopfdruck zur automatischen Rückkehr zum Startpunkt aufgefordert werden. Diesen Rückweg tritt sie auch an, wenn die Verbindung zur Datenbrille abbricht. Im Test konnte ich das vermeiden, doch schon bei Entfernungen von weniger als 100 Metern wurden Hinweise auf einen drohenden Verbindungsabbruch eingeblendet. Ein Langstreckenflieger ist die A1 nicht. Für Videoamateure wie mich ein unschätzbarer Vorteil: Erst nach der Landung legt man fest, was man nach so einem Flug im Film sieht, worauf man fokussiert und welche Kameraschwenks man einbauen möchte, in welche Richtung man fotografiert. Antigravity liefert dafür Smartphone-Apps und Computerprogramme (Mac und Windows), mit denen man im Nachhinein nach Lust und Laune in seinen Aufnahmen herumschwenken, drehen und fokussieren kann. Die Drohne selbst ist dabei nicht zu sehen, wird quasi aus den Aufnahmen gelöscht. Das wirkt, als würde die Kamera von selbst durch die Luft schweben. Besonders spaßig ist das bei Videos, weil man bei denen nachträglich Fixpunkte festlegen kann, auf die sich die Kamera fokussieren soll. Auch dabei helfen Automatikfunktionen, wie etwa die Möglichkeit, ein Objekt auszuwählen, auf das die Kamera beim Vorbeiflug ausgerichtet bleiben soll. Manuell wären die für solche Passagen nötigen Flugmanöver bestenfalls von sehr erfahrenen Drohnenpiloten zu leisten, hier tippt man einfach auf ein paar Punkte auf dem Bildschirm und lässt die Software den Rest erledigen. Fehlerfrei funktioniert das allerdings nicht. Im Test etwa weigerte sich das System, einen herbstlich teilweise entblätterten Baum als Objekt zu erkennen. Das folgende Video zeigt einige der Möglichkeiten, wie man seine Clips auf diese Weise gestalten kann. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Für Highspeed-Fans ist Antigravity A1 das falsche Gefährt. Statt durch die Luft zu rasen, eignet sie sich eher zum entspannten Cruisen in 40 Metern Höhen, zum Genießen ungewohnter Ausblicke. Anders als herkömmliche Videodrohnen bietet sie außerdem den Vorteil, dass man einen mit ihr aufgezeichneten Film nachträglich verändern, anpassen und wieder und wieder verändern kann, bis man zufrieden ist. Für Besitzer einer Vision Pro (hier unser Erfahrungsbericht  ) erlaubt sie es zudem, Aufnahmen in einem besonderen Format abzuspeichern, sodass man sie in Apples Computerbrille als räumliche Fotos oder Videos anschauen kann. Um davon zu profitieren, muss man allerdings erst einmal einen Stapel Geldscheine in die Hand nehmen. Schon in der Standardausführung hat die Antigravity A1 einen Listenpreis von 1399 Euro. Das Explorer-Bundle, mit zwei zusätzlichen Akkus, einer Mehrfach-Ladestation, Ersatzpropellern und einer zusätzlichen Tragetasche kostet 1599 Euro und für das Infinity-Bundle, das sich vor allem durch größere Akkus auszeichnet, werden gar 1699 Euro fällig. Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen. Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen. Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. Wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind, kaufen wir Produkte in einigen Fällen auf eigene Kosten ein. In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und langfristige Leihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen. Oft werden Rezensionsexemplare am Ende eines Jahres zum Beispiel gesammelt und im Rahmen eines firmeninternen Flohmarkts verkauft, wobei die Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden. Teilweise werden sie auch direkt an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt DER SPIEGEL stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt. 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