Triathlon-WM: Lisa Tertsch krönt sich zur ersten deutschen Weltmeisterin auf der Kurzdistanz

Datum19.10.2025 14:20

Quellewww.spiegel.de

TLDRLisa Tertsch machte Geschichte, indem sie als erste Deutsche die Weltmeisterschaft auf der Kurzdistanz im Triathlon gewann. Beim Saisonfinale in Wollongong übertraf die 26-Jährige ihre Konkurrentinnen, darunter die Titelverteidigerin Cassandre Beaugrand, und siegte in 1:56:50 Stunden. Tertsch, die 2024 fast ihre Karriere beendet hätte, feierte ihr Comeback nach einer dreijährigen Pause und verfolgt einen individuellen Trainingsansatz. Ihr Triumph ist der Höhepunkt ihrer bemerkenswerten Karriere, die gegen alle Widrigkeiten begann.

InhaltVor dem WM-Höhepunkt war sie Vierte, dann absolvierte Lisa Tertsch beim Saisonfinale den Triathlon ihres Lebens. Dabei hätte die erste deutsche Weltmeisterin auf der Kurzdistanz ihre Karriere vor ein paar Jahren fast beendet. Lisa Tertsch breitete weit außer Reichweite der Verfolgerinnen auf der Zielgeraden die Arme aus und reckte fast schon fassungslos das Zielband in die Höhe. "Nicht einmal davon geträumt" habe sie, sagte Tertsch nach ihrem Coup beim Saisonfinale im australischen Wollongong. Und doch wurde es Realität: Als erste deutsche Triathletin krönte sich die 26-Jährige zur Kurzdistanz-Weltmeisterin. "Ich bin absolut überwältigt", sagte Tertsch nach ihrem Weltmeisterstück über die olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen) in 1:56:50 Stunden. Statt zu träumen, habe sie sich "all die Tage nur auf mich konzentriert und darauf, was ich beeinflussen kann", sagte sie: "Natürlich wusste ich, was für Konstellationen möglich wären, aber dass sich das Rennen so entwickelt, hätte ich nie erwartet." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Tertsch, vor dem Saisonfinale Vierte der Gesamtwertung, überflügelte auch die Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Cassandre Beaugrand aus Frankreich und die Britin Beth Potter, die vor dem Rennen in der Gesamtwertung punktgleich an der Spitze gelegen hatten. Um Tertsch eine Titelchance zu ermöglichen, durften beide nicht besser als Rang fünf abschneiden. Potter wurde am Ende nur 16., Beaugrand stieg auf der Laufstrecke gar entkräftet aus. Beide Konkurrentinnen konnten das Tempo der Deutschen auf der anspruchsvollen Laufstrecke ebenso wenig mitgehen, wie die vor dem Saisonfinale noch drittplatzierte Luxemburgerin Jeanne Lehair, die 21. wurde. Tertsch setzte sich dagegen an der Spitze von der Italienerin Bianca Seregni ab und holte sich ihren zweiten Saisonsieg. "Ich habe mitbekommen, was um mich herum passiert ist, aber versucht, ruhig zu bleiben und mein eigenes Rennen zu machen", sagte sie: "Das war hart." Für die deutsche Meisterin über die Sprintdistanz ist es der zweite internationale Erfolg nach dem spektakulären Olympiasieg 2024 mit der Mixed-Staffel.  Dabei hatte Tertsch ihre Karriere beinahe schon beendet, bevor sie richtig anfing. "Ich dachte, ich höre mit dem Triathlon auf. Es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht", hatte Tertsch vor der Saison 2024 in einem Interview gesagt. Nach frühen Erfolgen, darunter der Junioren-Vizeweltmeistertitel 2016, legte sie eine dreijährige Pause ein, um an der amerikanischen Harvard University Wirtschaft und Evolutionsbiologie zu studieren. Im Sommer 2019 entschied sie sich dann aber zum Comeback – das nun in ihrem Sensationstriumph seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Tertsch gilt in der Triathlonszene aufgrund dieses Hintergrunds als eine der bemerkenswertesten Athletinnen. Aber auch, weil sie mit einem ganz eigenen Weg in der Weltspitze unterwegs ist. So erzählte sie 2024 in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung  ", dass sie sich von größeren Stützpunkten unabhängig gemacht habe und sich ihre Trainingspläne selbst schreibt. Bislang einziger Weltmeister über die olympische Distanz war Daniel Hunger. Er hatte 2007 in Hamburg gewonnen. Damals wurde der Titel in nur einem Rennen vergeben. Die WM-Serie wurde 2009 eingeführt.