Datum03.01.2026 16:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Berliner Südwesten kam es zu einem Stromausfall, der 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe betrifft. Auslöser war ein Feuer an einer Kabelbrücke, dessen Ursache nun von der Polizei als möglicher Brandstiftung untersucht wird. Stromnetz Berlin erwartet, die Situation bis Donnerstag zu normalisieren, während Ersatzleitungen gebaut werden. Die winterlichen Bedingungen führen zu weiteren Herausforderungen. Feuerwehr und Hilfsorganisationen haben Informations- und Hilfsstellen eingerichtet, da Heizungen und Mobilfunk in den betroffenen Gebieten ebenfalls gestört sind.
InhaltDer Stromausfall im Südwesten Berlins wird wohl erst nach mehreren Tagen zu beheben sein. Nach dem Feuer an einer Kabelbrücke ermittelt die Polizei, ob es sich um Brandstiftung handelt. 45.400 Haushalte sind betroffen. Ausgerechnet, wenn es schneit und eisig kalt ist: Nach Einschätzung der Betreibergesellschaft Stromnetz Berlin könnte der seit dem frühen Samstagmorgen herrschende Stromausfall im Südwesten Berlins bis kommenden Donnerstag dauern. Grund dafür sei der aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher von Stromnetz Berlin mitteilte. Der Netzbetreiber hofft aber, rund 10.000 der betroffenen Haushalte im Stadtteil Lichterfelde ab Samstagabend aus anderen Netzteilen wieder zu versorgen. "Wir versuchen nach und nach, die Leute wieder mit Strom zu versorgen", so der Sprecher. In den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde war in den frühen Morgenstunden der Strom ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe. Ursache ist das inzwischen gelöschte Feuer an der Kabelbrücke zum Kraftwerk Lichterfelde. Mehrere Hochspannungskabel seien dabei beschädigt worden. "Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern", teilte Stromnetz Berlin am Samstag mit. "Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026)." Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort. Erschwerend kommt hinzu: Wegen des Stromausfalls funktionieren vielerorts auch die Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk und die Festnetztelefonie sind teilweise gestört. Im betroffenen Gebiet haben Läden geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Betroffene sollten prüfen, "ob sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen", mahnte die Polizei in einer Mitteilung. Auch die Bahnhöfe in den betroffenen Stadtteilen sind nach Angaben der S-Bahn Berlin ohne Strom. "Hier gibt es keine Fahrgastinformationen, Automaten und Entwerter funktionieren nicht." Auf den Bahnverkehr wirke sich dies jedoch nicht aus. "Die S-Bahnen fahren." Die Berliner Feuerwehr hat in dem Gebiet des Stromausfalls zunächst drei Anlaufpunkte für die Bevölkerung für Informationen und Hilfe eingerichtet. "Die Möglichkeiten zum Absetzen von Notrufen und Hilfe in Notsituationen erhalten Sie an folgenden Notrufannahmepunkten: Rathaus Wannsee (Chausseestraße / Königstraße), Mexikoplatz, Carl-Schumann-Sportanlage (Osdorfer Straße 52)", teilte die Feuerwehr auf ihrer Internetseite mit. Inzwischen sind mehr als 350 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu das Technische Hilfswerk und weitere Organisationen. Die Hilfsorganisationen könnten an zentralen Punkten für Notstrom und auch geheizte Zelte sorgen, hieß es. Die Lage sei im Januar bei Frost und Dunkelheit eine ganz andere als beim Stromausfall im September, sagte ein Sprecher. Der Bezirk müsse sich darauf einstellen, als zuständige Behörde umfangreiche Hilfe anzubieten. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Brandstiftung. Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen teilte sie zunächst nicht mit. "Unsere Kripo ist vor Ort und ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung", erklärte die Behörde auf X. Die Spurensicherung sei noch vor Ort, die Ermittlungen liefen, sagte eine Sprecherin. Der Stromausfall sei nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin. Ursache war damals ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten. Zu der Frage, ob es sich auch diesmal um politisch motivierte Brandstiftung handeln könnte, äußerte sich die Polizei zunächst nicht und verwies auf laufende Ermittlungen.