Datum03.01.2026 15:34
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) zeigt, dass mehr als 530.000 arbeitslose Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erheblich zur Reduzierung des Fachkräftemangels in Deutschland beitragen könnten. Diese Frauen, oft in Engpassberufen wie Pflege und Kinderbetreuung qualifiziert, sind häufig unterbeschäftigt wegen nicht anerkannter Abschlüsse oder familiärer Verpflichtungen. Die Studie empfiehlt Unternehmen, nichtdeutsche Frauen gezielt anzusprechen und flexible Arbeitsmodelle zu bieten, um sie schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren und dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.
InhaltMehr als eine halbe Million Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit haben keinen Job – dabei werden sie in vielen Branchen dringend gebraucht. Was Unternehmen tun könnten. Arbeitslose Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit können wesentlich dazu beitragen, den Fachkräftemangel in Deutschland spürbar zu reduzieren. Unter anderem zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. Die rund 530.000 betroffenen Frauen sollten schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden, sagte Studienautorin Lydia Malin. Die Expertin sieht ein großes Potenzial – auch für Engpassberufe wie die Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Kinderbetreuung und -erziehung. Da die Frauen ohne deutsche Staatsbürgerschaft im Schnitt jünger seien als deutsche Frauen, könnten sie zudem dazu beitragen, die Folgen des demografischen Wandels abzumildern. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 waren hierzulande etwa 1,3 Millionen Frauen arbeitslos, wie das Kofa berichtet. Mehr als 40 Prozent aller Arbeitnehmerinnen in Deutschland waren demnach in Berufen beschäftigt, die vom Fachkräftemangel betroffen sind. Der Untersuchung zufolge suchen ausländische Frauen häufig in Berufen mit Fachkräftemangel nach Stellen – oft jedoch nach Tätigkeiten, für die sie formal überqualifiziert sind. Dabei verfügen sie vielfach über eine abgeschlossene berufliche oder akademische Ausbildung. Gründe seien etwa nicht anerkannte Abschlüsse oder die Schwierigkeit, eine Tätigkeit im erlernten Beruf mit Betreuungspflichten zu vereinbaren. Unternehmen empfiehlt die Studie, nichtdeutsche Frauen gezielt anzusprechen und zu fördern. Allgemein sei es sinnvoll, neben Teilzeitmodellen auch flexible Regelungen für Arbeitszeit und -ort sowie eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung anzubieten. Der Wunsch nach reduzierter Stundenzahl sei unter erwerbslosen Frauen stark ausgeprägt. Etwa ein Drittel strebe dies an – meist wegen familiärer Verpflichtungen. Arbeitgeber könnten zudem prüfen, ob die Qualifikation auch ohne formalen Abschluss für eine Fachkraftstelle reicht – gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Fortbildung oder Nachqualifizierung. "In einigen Berufen könnten die Fachkräftelücken ganz geschlossen oder zumindest deutlich reduziert werden", sagt Malin.