Datum03.01.2026 11:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Artikel beleuchtet finanzielle Herausforderungen und Möglichkeiten zum Sparen im Jahr 2026, besonders durch steigende Kosten für Strom, Gas und Krankenversicherungen. Gutverdiener werden stärker belastet, während Durchschnittsverdiener mehr von Steuererleichterungen profitieren können. Tipps zum Sparen umfassen das Wechseln von Stromanbietern und das Nutzen von Steuervorteilen sowie der erhöhten Pendlerpauschale. Auch die Aktivrente für Rentner in Beschäftigung und die Erhöhung des Mindestlohns werden angesprochen. Veränderungen in der Gesetzgebung sollen weitere finanzielle Auswirkungen haben.
InhaltOb Strom, Gas oder Krankenversicherung: Was wird im neuen Jahr teurer und wo können Sie vielleicht noch was rausholen? Die besten Tipps im Überblick. 2026 wird kein einfaches Jahr für Ihre Finanzen. Selbst wenn Sie sich keine Sorgen um Ihren Job machen müssen. Hier finden Sie Tipps und Hinweise, wie Sie mit einigen finanziellen Entscheidungen besser durchs Jahr 2026 kommen – so gut, wie es Ihre Umstände eben zulassen. Tatsächlich werden Durchschnittsverdiener es in diesem Jahr etwas einfacher haben als Gutverdiener. Wenn Sie ganz gut verdienen und 2025 womöglich noch eine ordentliche Lohnerhöhung bekommen haben, kann es Ihnen trotzdem passieren, dass Sie im Januar 2026 plötzlich weniger Gehalt ausgezahlt bekommen. Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von "Finanztip" und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken "Finanztip" bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "taz". Dort war er jahrelang ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld. Wie kann das sein? Die Regierung hat doch den Grundfreibetrag auf 12.348 Euro erhöht, für den Teil des Einkommens müssen Sie gar keine Steuern mehr zahlen. Und auch der Spitzensteuersatz greift 2026 erst bei knapp 70.000 Euro (69.879 Euro). Wenn Sie Kinder haben und gut verdienen, profitieren Sie zusätzlich vom erhöhten jährlichen Kinderfreibetrag (9756 Euro). Eigentlich könnten Sie also mehr herausbekommen . Aber: Gerade als Gutverdiener müssen Sie 2026 deutlich mehr Krankenkassenbeiträge, Beiträge für die Pflegeversicherung zahlen. Und wenn Sie wirklich gut verdienen, womöglich auch für die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung – in beiden Feldern steigt die Beitragsbemessungsgrenze. Bei Krankenkassen und Pflege um 300 Euro im Monat auf 5812 Euro. Heißt für Sie gut 30 Euro mehr an Beiträgen im Monat. Und bei Renten- und Arbeitslosenversicherung um 400 Euro auf 8450 Euro . Bedeutet bei einem Einkommen von 8500 Euro im Monat noch mal knapp 40 Euro mehr Beiträge. Zusammen 70 Euro im Monat. Wenn Sie verhindern wollen, dass Sie so viel weniger netto herausbekommen, haben Sie mindestens zwei Möglichkeiten: Wenn Sie als Durchschnittsverdiener 5500 Euro oder weniger brutto verdienen, greifen Steuervorteile natürlich auch. Parallel können Sie die gestiegene Pendlerpauschale und den Kassenwechsel nutzen, um wirklich mehr Netto in der Tasche zu haben. Manche werden denken, Beamte, Pensionäre und andere Privatversicherte werden wieder mal von steigenden Kosten verschont. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Auch 60 Prozent der Privatversicherten werden 2026 höhere Krankenversicherungsbeiträge zahlen müssen, im Schnitt 13 Prozent mehr . Auch im vergangenen Jahr sind die Beiträge bei den Privaten deutlich gestiegen. Im ARD-"Morgenmagazin" hatte ich diese Woche einen Zuschauer, dessen private Krankenversicherung den monatlichen Beitrag nach seinen Angaben im neuen Jahr von 600 auf 900 Euro im Monat erhöht hat. Wenn Sie für Ihre Arbeit bisher nur den Mindestlohn bekommen, sollten Sie eigentlich nichts zusätzlich tun müssen und sich trotzdem freuen. Der Mindestlohn steigt nämlich 2026 deutlich von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde. Wenn Sie 40 Stunden pro Woche arbeiten, bedeutet das für jede Woche gut 40 Euro mehr. Macht im Monat schnell 170 Euro. Der Monatslohn für Vollzeit steigt auf mehr als 2350 Euro brutto. Krankenkasse und Rentenkasse müssen Sie zwar auch bezahlen, aber zumindest die Steuern sollten bei diesem Gehalt auch noch niedrig sein. Wenn Sie 2026 klassisch in Rente gehen oder schon in Rente sind und noch angestellt arbeiten wollen oder können, hilft Ihnen ab diesem Jahr die sogenannte Aktivrente. Mit dem passenden Arbeitsvertrag (Sie müssen angestellt sein!) können Sie die ersten 2000 Euro Einkommen im Monat zusätzlich zu Ihrer Altersrente steuerfrei kassieren. Drei wichtige Voraussetzungen: Sie haben Ihre Regelaltersgrenze erreicht, Sie werden wirklich angestellt und Ihr Arbeitgeber zahlt für Sie weiter in die Rentenkasse ein. Sie müssen nur noch Ihren Teil der Krankenkasse und Pflegekasse bezahlen, von 2000 Euro sollten bei Ihnen knapp 1800 Euro übrig bleiben. Privatversicherte bekämen die 2000 Euro sogar komplett ausgezahlt . Ich bin gespannt, wie viele Senioren die Arbeitgeber tatsächlich zusätzlich einstellen, wo doch ihre Verbände immer über Fachkräftemangel und das frühe Rentenalter in Deutschland jammern. Wenn Sie nichts tun, werden höhere Energiekosten tatsächlich Ihr Budget belasten. Aber auch hier sind Sie nicht wehrlos, selbst wenn Sie gerade noch keine neue Heizung einbauen können oder wollen. Beim Strom sollten Sie sogar sparen können. Die Regierung übernimmt 2026 für einige Milliarden Euro nämlich einen Teil der Netzentgelte für das Stromnetz. Für einen Durchschnittshaushalt sollte das knapp 70 Euro im Jahr Entlastung bringen, in Berlin sogar über 90 . Wenn Ihr Stromanbieter die gefallenen Kosten nicht an Sie weitergibt, wechseln Sie. Das ist kinderleicht. Und vielleicht stellen Sie an der Stelle sogar fest, dass Sie weit mehr als 50 bis 100 Euro im Jahr sparen können. Ein Beispiel: Bei 3000 Kilowattstunden (kWh) bringt in Hamburg ein Wechsel bis zu rund 500 Euro, in Magdeburg oder Regensburg immer noch rund 300 Euro jährlich, wenn Sie von der Grundversorgung zum preiswertesten seriösen Anbieter wechseln. Meine Kollegen bei Finanztip nutzen zum Vergleich die Datenbank von Check24 und Verivox und sortieren verbraucherunfreundliche Angebote oder Anbieter, die Ärger mit der Aufsicht haben, gleich noch mal aus. Bei Gas, Heizöl und Sprit ist das mit dem Einsparen nicht ganz so einfach. Der Rohölpreis ist zuletzt zwar gesunken, aber das kommt nicht unbedingt bei den Kunden an. Vor Silvester konnte ich im wohlhabenden westfälischen Erle für 1,529 Euro Diesel tanken. In Ducherow, in Vorpommern, rief die Tankstelle ziemlich genau 24 Stunden später 1,729 Euro für Diesel auf. Oft hilft die Tankapp, Spritkosten zu sparen . Die gestiegene CO₂-Abgabe verteuert Benzin, Diesel, Heizöl und Gas 2026 noch einmal ein bisschen. Der eigentliche Kostenhammer kommt wegen der gestiegenen Netzentgelte vor allem für die Hälfte der deutschen Haushalte, die aktuell noch mit Gas heizen . Zum Teil sind die Kostensteigerungen nachvollziehbar, schließlich wollen immer weniger Kunden mit Gas heizen. Die Netzentgelte müssen dann von den verbliebenen Kunden aufgebracht werden. Als Kunde gilt vorläufig: Wechseln Sie die zu teuren Anbieter aus. Von der Grundversorgung für 14 Cent zum günstigen Anbieter für unter zehn Cent können Sie in vielen Kommunen ein Drittel der Heizkosten einsparen. Günstige und kundenfreundliche Anbieter finden Sie mit dem passenden Finanztip-Rechner . In Regensburg zum Beispiel ist bei einem Verbrauch von 15.000 kWh eine Ersparnis von knapp 1000 Euro drin. Im Dezember haben viele Mieterinnen und Mieter noch die Heizkostenabrechnung für 2024 bekommen und nicht schlecht gestaunt. Die Heizkosten waren deutlich gestiegen . Und verantwortlich war neben den Netzentgelten auch die CO₂-Abgabe. Zur Abrechnung sollte aber auch eine Aufstellung gehören, wie viel von der staatlichen CO₂-Abgabe der Vermieter übernimmt. Die klassischen Abrechnungsfirmen stellen solche Aufstellungen zusammen. Grundregel: Je besser gedämmt Ihre Wohnung ist, desto mehr müssen Sie als Mieter zahlen. Bei zugigen Buden übernimmt der Vermieter den Hauptteil der CO₂-Abgabe. Haben Sie keine Aufstellung erhalten, sprechen Sie mit Ihrem Vermieter. Mit dem verlinkten Finanztip-Rechner können Sie selbst den jeweiligen Anteil für die Abgabe ermitteln und beim Vermieter zurückfordern. Das gilt besonders für jene Millionen von Kunden, die eine eigene Gasetagenheizung betreiben. Sie müssen die CO₂-Abgabe zunächst beim Anbieter komplett bezahlen. Aber auch Sie können je nach Zustand des Hauses einen Teil der Abgabe vom Vermieter zurückfordern. Ein Hunderter oder auch mehr ist häufig drin. Rechner und Musterbrief finden Sie hier . Im Laufe des Jahres 2026 will die Regierung noch die eine oder andere Reform durchboxen, die Ihnen finanziell nützen wird – oder auch schaden. Private Altersvorsorge, Pflegereform, Gesundheitsreform, ein neues Heizungsgesetz. Ich bleibe dran – für Sie! Damit Ihr Jahr doch nicht ganz so schwierig wird. Vielleicht sogar ein Erfolg. Ihnen ein frohes neues Jahr.