Datum03.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Zahl der Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern bleibt stabil, trotz demografischer Herausforderungen. Ende 2023 gibt es 1.145 Hausärzte, mit nur 47,5 offenen Stellen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVMV) sieht positive Auswirkungen ihrer Maßnahmen seit 20 Jahren. Allerdings bestehen in ländlichen Regionen und bestimmten Facharztbereichen weiterhin Versorgungsengpässe, insbesondere in der Augenheilkunde und Dermatologie. Der Mangel an medizinischen Fachangestellten (MFA) verstärkt die Situation, weshalb eine Ausbildungsinitiative gestartet wurde, um die Versorgung zu verbessern.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Medizinische Versorgung“. Lesen Sie jetzt „Zahl der Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern konstant“. Die Versorgung mit Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern liegt auf dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte habe sich stabilisiert, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Mitte Dezember weise der Stand der Bedarfsplanung demnach noch 47,5 nicht besetzte Stellen aus, für die Hausärzte zugelassen werden können. Anfang 2025 seien es noch rund 80 offene Stellen gewesen. Der größere Anteil des Rückgangs sei zwar auf eine Anpassung der Einwohnerzahlen zurückzuführen. "Dennoch können wir davon sprechen, dass die verschiedenen Maßnahmen, die die KVMV bereits vor 20 Jahren eingeleitet hat, Wirkung entfalten", sagt Sprecherin Grit Büttner. In Anbetracht der demografischen Entwicklung sei diese Stabilisierung bereits ein Erfolg. Auch das Durchschnittsalter der Hausärzte stabilisiere sich, sagt Büttner. In Bezug auf die Arztdichte bei Hausärzten weise Mecklenburg-Vorpommern einen im Bundesvergleich guten Wert auf. Gleichwohl seien aufgrund der dünnen Besiedelung im Flächenland die Wege zum Arzt weiter. Im Bundesland arbeiten derzeit 1.145 Hausärztinnen und Hausärzte, sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Stefan Zutz, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Diese Zahl liege auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt lägen die Niederlassungszahlen seit über 10 Jahren auf konstantem Niveau. Offene Sitze gebe es, wenn in den Planungsbereichen der Versorgungsgrad unter 110 Prozent liege. Bei einer Versorgung von über 110 Prozent trete eine Sperre in Kraft. "Nach unseren Informationen sind vor allem die städtischen Bereiche gesperrt, also formal überversorgt", sagt Zutz. Dies seien neben den beiden Universitätsstädten Rostock und Greifswald vor allem die Bereiche Stralsund, Güstrow und Schwerin. Demgegenüber gebe es in einigen Bereichen offene hausärztliche Sitze. Dies betreffe in erster Linie ländliche Regionen abseits der Zentren, unter anderem die Regionen Hagenow, Parchim und Neubrandenburg. Dort gibt es jeweils etwa 7 bis 8 freie Sitze. Im Bundesvergleich sei die Zahl der niedergelassenen Hausärzte positiv, sagt der Verbandsvorsitzende. Pro Hausarzt würden rund 1.149 Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern versorgt. Das liege unter dem bundesweiten Durchschnitt von 1.264. Auch für die Jahre 2030 bis 2040 sei keine Unterversorgung in MV prognostiziert. In der fachärztlichen Grundversorgung sind nach Angaben der KVMV vor allem in der Augenheilkunde, der Dermatologie und der HNO-Heilkunde mehrere Sitze unbesetzt. Dies seien auch die typischen Mangelbereiche in anderen Bundesländern. "Hier sehen wir auch zukünftig noch eine weitere Verschärfung der Situation und vor allem Handlungsbedarf in Bezug auf eine bedarfsgerechte Weiterbildung", sagt KVMV-Sprecherin Büttner. Einen spürbaren Mangel an Fachärzten gebe es in vielen Bereichen, insbesondere bei der Versorgung von akuten und komplexen Patienten, erklärt auch der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Stefan Zutz. Dies sei zum Teil regional sehr unterschiedlich. Medizinische Fachangestellte (MFA) seien essenziell wichtig für Arztpraxen, sagt Zutz. Die Ausbildungszahlen im Land hätten in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und in diesem Lehrjahr 2025/26 mit über 200 neuen Auszubildenden einen Höchststand erreicht. Arztpraxen stünden als Arbeitgeber aber in Konkurrenz zu Pflegediensten, Krankenhäusern oder Krankenkassen. Hier sei aber hauptsächlich durch die Lohnsteigerungen ein Ungleichgewicht entstanden. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband baue auf qualifizierte MFA, die mehr Versorgung übernehmen und Hausärztinnen und Hausärzte entlasten können. Auch die KVMV bekommt die Rückmeldung ihrer Mitglieder, dass das Finden und Halten von MFA ein zunehmendes Problem darstelle. Die KVMV hat deshalb auch eine Ausbildungsinitiative ins Leben gerufen. © dpa-infocom, dpa:260103-930-492518/1