Datum03.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Berliner Polizei verzeichnete 2025 einen Anstieg bei Drogendelikten mit harten Drogen um etwa 15 Prozent, wobei Kokain und Amphetamine besonders stark vertreten sind. Die Zahl der Drogennutzer in Konsumräumen stieg signifikant an, was auf ein hohes Dunkelfeld hinweist. Trotz eines Rückgangs aller Drogendelikte durch die Legalisierung von Cannabis bleibt der illegale Handel, vor allem mit Cannabis, ungebrochen. Die Polizei plant, mit einer Gesetzesänderung zur Beweislastumkehr die Bekämpfung organisierter Kriminalität zu verstärken.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Rauschgiftkriminalität“. Lesen Sie jetzt „Kokain und Amphetamine treiben Zahl der Drogendelikte hoch“. Der Berliner Polizei sind im vergangenen Jahr mehr Straftaten mit harten Drogen aufgefallen. "Bei den harten Drogen wie Kokain, Heroin, Ecstasy und Crack sehen wir einen Anstieg bei den registrierten Taten von insgesamt circa 15 Prozent", sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel der dpa. "Bei Kokain einschließlich Crack waren es ungefähr plus 10 Prozent, bei Amphetaminen plus 20 Prozent." Eine Ausnahme seien nur Delikte mit dem nicht mehr so verbreiteten Heroin mit einem Rückgang von etwa 15 Prozent. Slowik Meisel betonte: "Klarstellen muss man dabei: Das ist lediglich das Hellfeld, das Dunkelfeld ist in diesem Bereich sehr hoch." Wie viel Rauschgift tatsächlich eingeschmuggelt, verkauft und konsumiert wird, weiß auch die Polizei nicht ganz genau. Allerdings fragte sie im vergangenen Jahr bei den Betreibern der Drogenkonsumräume, die den Süchtigen angeboten werden, nach. "Die Zahl der Konsumbesuche ist von 19.000 auf 25.000 gestiegen", sagte die Polizeipräsidentin. "Dabei spielt sich der größte Teil des Konsums natürlich nicht im Konsumraum, sondern woanders ab. Auch das lässt ahnen, wie hoch wohl das Dunkelfeld ist." Die gesamte Zahl der von der Polizei im Jahr 2025 registrierten Drogendelikte war rückläufig, es gab ungefähr ein Minus von 25 Prozent, wie die Polizeipräsidentin sagte. Das liegt weiterhin an der Legalisierung von Cannabis, bei dem der Besitz oft nicht mehr strafbar ist. "Was aber definitiv nicht gelungen ist, ist die Austrocknung des illegalen Cannabismarktes. Der Einfuhrschmuggel und der anschließende illegale Handel halten ungebrochen an." Die Polizei habe in den ersten zehn Monaten 2025 circa 3,6 Tonnen eingeschmuggeltes Cannabis beschlagnahmt. "Das zeigt, welche riesigen Summen in diesem Bereich nach wie vor verdient werden, insbesondere durch die organisierte Kriminalität", sagte Slowik Meisel. "Der Drogenschmuggel und -handel bleibt das zentrale Geschäftsfeld und damit auch eine zentrale Grundlage für die Finanzierung von OK." Um diese Geldflüsse zu reduzieren, müssten Landespolizei, Bundeskriminalamt (BKA) und Zoll weiter die illegale Einfuhr bekämpfen. Das Berliner LKA konzentriere sich dabei auch darauf, Strukturen des illegalen Handels und deren Hintermänner aufzudecken. Slowik Meisel begrüßte die geplante Gesetzesänderung zur sogenannten vollen Beweislastumkehr bei der Geldwäsche. "Ich freue mich sehr, dass dieses Gesetzesvorhaben im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht und nun Fahrt aufnimmt. Das würde uns natürlich die Geldwäsche-Bekämpfung unglaublich erleichtern." Bei entsprechenden Verdachtsfällen müsste die Polizei nur darlegen, dass die Gelder nicht aus legalen Geschäften stammen können, aber dies nicht beweisen, sagte sie. "Vielmehr müsste der Verdächtige nachweisen, wie er legal zu den Geldern gekommen ist. In Italien gibt es diese Beweislastumkehr mit Erfolg schon seit vielen Jahren." Slowik Meisel erklärte weiter: "Bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität geht es im Grunde um eins: Geldflüsse zu unterbinden und auszutrocknen. Von diesen illegalen Geldströmen lebt die OK, insbesondere auch aus dem Drogenhandel." Die Finanztransaktionen, die oft durch verschachtelte Unternehmensstrukturen verschleiert werden, ließen sich aber nur mit riesigem Aufwand erforschen und ermitteln. "Die volle Beweislastumkehr ist daher das entscheidende Element für eine erfolgreiche und nachhaltige Bekämpfung der OK im Drogengeschäft. Haftstrafen alleine zeigen meist nur wenig Wirkung, deshalb müssen wir noch deutlicher an das Vermögen der zentralen Täter heran." © dpa-infocom, dpa:260103-930-492524/1