Datum03.01.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Jahr 2025 verzeichnete Deutschland mit 99.930 Erdblitzen eine extreme Blitzarmut, die weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr ausmachte. Hauptgrund dafür waren die trockenen Wetterbedingungen in gewitterträchtigen Monaten, was zu einem Mangel an feuchten, energiereichen Luftmassen führte. Bayern hatte die meisten Blitze, gefolgt von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Auch andere europäische Länder erlebten einen blitzarmen Sommer, was 2025 zum blitzärmsten Jahr in den veröffentlichten Daten machte.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wetter“. Lesen Sie jetzt „Meistens zu trocken: 2025 war extrem blitzarm“. 2025 hat es in Deutschland ungewöhnlich selten geblitzt. 99.930 Erdblitze zählte der Informationsdienst Aldis/Blids im Jahresverlauf. Das waren nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr, als das Sensornetzwerk der in Österreich ansässigen Experten 209.619 Einschläge registrierte. Auch in bis 2005 zurückreichenden Daten von Aldis/Blids findet sich kein Jahr, in dem es auch nur annähernd so wenige Blitze gab, wie im vergangenen. Noch am nächsten kommt 2022 mit 148.664. In den Jahren 2021 und früher sind Überschätzung der Blitzzahlen möglich und Vergleiche daher schwierig, sie weisen allerdings ebenfalls sehr viel höhere Werte zwischen 208.845 und mehr als einer halben Million Blitzen auf. Doch warum war 2025 so blitzarm? Wetter ist komplex, die Antwort also vielschichtig, doch ein wichtiger Effekt ist relativ klar: in den meisten der gewitterträchtigen Monate war es diesmal schlicht zu trocken. Hohe Blitzzahlen gibt es typischerweise von Mai bis September, die allermeisten im Juni, Juli und August. Und laut Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war es - abgesehen vom Juli und September - deutlich trockener als sonst. Und ausgerechnet im Juli war es zwischenzeitlich eher kalt. Damit fehlte also relativ oft eine der zentralen Zutaten für Blitze: Für Gewitter brauche man feuchte und energiereiche Luftmassen, erklärt Tanja Egerer vom DWD, zudem große Temperaturunterschiede zwischen oben und unten und einen Hebungsimpuls, der dafür sorgt, dass die Luft vom Boden nach oben kommt. Letzteres kann beispielsweise ein Gebirge, Hitze am Boden oder auch ein Impuls aus höheren Luftschichten sein. "Oft geht es um die Mittagszeit im Bergland mit Gewittern los, die dann abhängig von den Strömungsverhältnissen ins Umland ziehen", erklärt die Meteorologin. Da wundert es kaum, dass in der Vergangenheit oft Landkreise am Alpenrand besonders hohe Blitzdichten aufwiesen. Für das gerade vergangene Jahr gibt es zwar noch keine Zahlen auf Basis von Landkreisen, Kreisen oder kreisfreien Städten, doch im Vergleich der Bundesländer sticht Bayern mit 30.096 Blitzen klar heraus. Dass der Freistaat seit 2005 noch jedes Jahr an der Spitze lag, verdankt er dabei allerdings nicht nur seiner Nähe zu den Alpen, sondern auch der größten Fläche unter den Bundesländern. Auf Platz zwei der Blitzstatistik folgt Baden-Württemberg mit etwas weniger als 14.813 Blitzen vor Nordrhein-Westfalen mit 11.057. Hamburg kam dagegen nur auf 77, Bremen auf 101 und Berlin auf 105. Blitzärmste Flächenländer waren das Saarland mit 718 und Schleswig-Holstein mit 1.824. Auch bei der zeitlichen Verteilung hielten sich die Blitze weitgehend an den üblichen Ablauf - nur eben auf niedrigerem Niveau: Der blitzreichste Monat war mit 29.453 Einschlägen der Juni, gefolgt vom Juli mit 23.986 und dem Mai mit 18.837. Am anderen Ende liegt der Dezember, in dem nur ein einziger Blitz gemessen wurde. Im November waren es 43, im Februar 44. Mit der ungewöhnlich niedrigen Zahl an Blitzen im abgelaufenen Jahr ist Deutschland übrigens nicht alleine. Aldis/Blids zählt auch in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Frankreich. Überall ist 2025 das bisher blitzärmste Jahr in den veröffentlichten Daten. Die von Aldis/Blids erhobenen Zahlen unterscheiden sich von anderen Blitzstatistiken, die daher teilweise zu deutlich anderen Ergebnissen kommen. In der hier genannten Statistik zählen nur Erdblitze - also Einschläge und keine Entladungen in den Wolken - und jeder Blitz nur einmal. Häufig kommt es nämlich vor, dass durch einen Blitzkanal in kürzester Zeit mehrere Entladungen fließen. Für Beobachter sieht das wie ein Flackern des Blitzes aus. In manchen Statistiken werden dann mehrere Blitze gezählt, in der hier vorliegenden nur einer. © dpa-infocom, dpa:260103-930-492330/1