Datum03.01.2026 01:10
Quellewww.zeit.de
TLDRIm Jahr 2025 mussten Hunderte Jugendliche in Deutschland wegen Schulschwänzens in Jugendarrest. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert dies als "pädagogische Bankrotterklärung" und fordert präventive Maßnahmen anstelle von Strafe. Experten warnen, dass die Zahl der Schulverweigerer steigt, insbesondere bei Kindern aus benachteiligten Familien. Während die GEW eine individuelle Ursachenanalyse und ein Präventionskonzept fordert, verteidigt das niedersächsische Justizministerium den Jugendarrest als effektives Mittel zur Durchsetzung der Schulpflicht.
InhaltDie Zahl der Schulverweigerer hat zugenommen. Die Lehrergewerkschaft nennt den Jugendarrest als Strafe eine "schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung". Mehrere hundert Jugendliche mussten im vergangenen Jahr in Arrest, weil sie die Schule geschwänzt haben. Das geht aus einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) hervor. In Niedersachsen und Bremen etwa seien es im ersten Halbjahr insgesamt 241 männliche und 114 weibliche Jugendliche gewesen. Hessen zählte demnach bis zum Oktober 48 Betroffene. Baden-Württemberg, Thüringen, Schleswig-Holstein und Sachsen meldeten geringere Zahlen. Die übrigen Länder haben demnach entweder keine aktuellen Fälle oder erheben deren Anzahl nicht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Praxis. "Dass Jugendliche wegen wiederholten Schulschwänzens für ein paar Tage ins Gefängnis müssen, ist im Prinzip eine schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung und außerdem, wie oft zu hören ist, weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv", sagte Gewerkschaftschefin Anja Bensinger-Stolze dem RND. Der Fokus müsse auf Prävention statt Intervention liegen und auf Pädagogik statt Strafe, forderte sie. "Um Schulabsentismus vorzubeugen, ist dreierlei notwendig: ein schulisches Präventionskonzept, eine Art ‚Frühwarnsystem‘ und eine individuelle Betrachtung der Ursachen", sagte die GEW-Vorsitzende. Das niedersächsische Justizministerium verteidigte die Praxis. Der Arrest für Schulverweigerer sei ein "grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken". Grundsätzliche fachliche Bedenken gegen das derzeitige Sanktionierungssystem bestünden nicht. In Deutschland kann Jugendarrest als letztes Mittel gegen notorische Schulschwänzer verhängt werden, um die Schulpflicht durchzusetzen. Diese Maßnahme kommt unter bestimmten Bedingungen zum Einsatz und ist zeitlich begrenzt ausgestaltet. Ein Jugendarrest liegt eine Stufe unter einer Jugendstrafe. Die Zahl der Schulverweigerer hat in den vergangenen Jahren Experten zufolge zugenommen. Besonders betroffen sind demnach Kinder aus bildungsfernen und benachteiligten Familien.