Kambodscha wirft Thailand »Annexion« von Territorien vor

Datum02.01.2026 23:01

Quellewww.spiegel.de

TLDRKambodscha hat Thailand wegen einer angeblichen "Annexion" von Territorien an der Grenze beschuldigt, da thailändische Truppen Zivilgebäude beschädigt und Grenzbefestigungen errichtet hätten. Trotz einer brüchigen Waffenruhe, die am 27. Dezember in Kraft trat, flammt der Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern, der auf unklare Grenzziehungen seitens Frankreichs im Jahr 1907 zurückgeht, erneut auf. Beide Seiten haben Anspruch auf verschiedene Gebiete, einschließlich historischer Tempelruinen. Die Situation bleibt angespannt, mit mindestens 47 Toten und einer Million Vertriebenen seit den letzten Gefechten.

InhaltDie Kolonialmacht Frankreich hat die heutige Grenze zwischen Thailand und Kambodscha einst ungenau gezogen. Die Folge: Beide Länder ringen um die 800 Kilometer, die sie trennen. Die aktuell geltende Waffenruhe ist brüchig. Knapp eine Woche nach Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Thailand und Kambodscha hat Phnom Penh der thailändischen Armee die "illegale Annexion" von Territorien auf der kambodschanischen Seite der Grenze vorgeworfen. Der kambodschanische Informationsminister Neth Pheaktra erklärte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, thailändische Truppen hätten in der Gegend des Dorfs Chouk Chey Zivilgebäude beschädigt, Stacheldraht ausgerollt und Container platziert, um eine Grenzbefestigung zu errichten. Die thailändische Armee habe ihren Anspruch auf das Gebiet auch dadurch demonstriert, dass sie die thailändische Flagge hochgezogen habe, teilte Neth Pheaktra mit. "Kambodscha wird keine Veränderung der Grenzlinie anerkennen, die aus der Anwendung von Gewalt resultiert", betonte er. Die thailändische Armee wies die Anschuldigungen zurück: Es habe keine "Invasion oder Besetzung von kambodschanischem Gebiet" gegeben, erklärte sie. Vielmehr hätten die Streitkräfte lediglich die Kontrolle über Gebiete übernommen, die zu Thailand gehörten, aber von Kambodscha in der Vergangenheit "besetzt" worden seien. Die Armee erläuterte nicht, auf welche konkreten Gegenden sie sich damit bezog. Thailand und Kambodscha hatten sich am 27. Dezember nach wochenlangen Gefechten auf eine "sofortige" Waffenruhe geeinigt. Beide Seiten wollten demnach ihre Truppenbewegungen einstellen und geflüchteten Zivilisten eine schnellstmögliche Rückkehr ermöglichen. Der seit vielen Jahren schwelende Grenzkonflikt zwischen den Nachbarländern war im Dezember erneut aufgeflammt. Nach offiziellen Angaben wurden seitdem mindestens 47 Menschen getötet und rund eine Million Menschen vertrieben. Auf ein Ende der Gefechte hatten die USA, China und Malaysia hingewirkt. Die drei Länder hatten bereits nach Grenzgefechten der beiden südostasiatischen Nachbarländer mit Dutzenden Toten im Juli eine Waffenruhe vermittelt, die jedoch brüchig war. US-Präsident Donald Trump verkündete dann im Oktober eine weiterführende Vereinbarung zwischen Thailand und Kambodscha, die allerdings ebenfalls nach wenigen Wochen gebrochen wurde. Der Konflikt ist die Folge einer unklaren Grenzziehung durch Kambodschas ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Jahr 1907. Wie die etwa 800 Kilometer lange Grenze verlaufen soll, ist weiterhin nicht ausgehandelt. Beide Seiten erheben auch Ansprüche auf historische Tempelruinen in dem Gebiet.