Datum02.01.2026 18:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRMindestens zehn Menschen sind bei den aktuellen Protesten in Iran gestorben, die stärkste Welle seit drei Jahren. Bundeskanzlerin hat die iranische Führung zur Wahrung der Versammlungsfreiheit aufgefordert. Politiker fordern härtere Maßnahmen gegen die iranischen Revolutionsgarden. Die Proteste wurden durch einen deutlichen Devisenverfall ausgelöst und sind Ausdruck wachsender Unzufriedenheit aufgrund wirtschaftlicher Not und politischer Repression. Sicherheitskräfte reagieren mit großer Härte, während internationale Beobachter die Situation aufmerksam verfolgen.
InhaltMindestens zehn Menschen sind bei der jüngsten Protestwelle in Iran schon gestorben. Das Regime geht teils mit großer Härte gegen die Demonstranten vor. Die Bundesregierung zeigt sich besorgt. Die Bundesregierung hat Irans Führung aufgefordert, die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit zu wahren. Seit Tagen protestieren Menschen gegen das Regime der Islamischen Republik, obwohl die Regierungskräfte mit teils großer Härte gegen sie vorgehen. "Die Bundesregierung beobachtet die aktuellen Proteste in Iran sehr aufmerksam", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts der Nachrichtenagentur dpa. "Berichte über exzessive Gewaltanwendung gegenüber Demonstranten nehmen wir sehr ernst." Der Grünenpolitiker Omid Nouripour hatte zuvor in der "Bild"-Zeitung von EU und Bundesregierung gefordert, härter gegen die iranischen Revolutionsgarden vorzugehen: "Diese müssen endlich auf die Terrorliste der EU", sagte der Bundestagsvizepräsident. "Die CDU hat es in der Opposition immer gefordert und so getan, als sei es leicht. Dann sollen sie es endlich machen." Der Sprecher des Auswärtigen Amts betonte, Deutschland engagiere sich seit vielen Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte in Iran. Im Zuge der Niederschlagung der Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini habe sich die Bundesregierung erfolgreich für EU-Sanktionen gegen die Verantwortlichen eingesetzt, darunter auch gegen Mitglieder der Revolutionsgarden und der sogenannten Sittenpolizei. Die Protestwelle in Iran ist die größte seit rund drei Jahren. Bei Konfrontationen zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden sind bisher mindestens zehn Menschen gestorben. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw. Die Organisation hat ihren Sitz in Norwegen und unterhält ein Netzwerk von Kontakten in Iran. US-Präsident Donald Trump hatte gedroht, wenn Iran friedliche Demonstranten töte, "werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen". Eine harsche Reaktion aus Iran folgte prompt. "Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde", schrieb Ali Laridschani, Generalsekretär des Sicherheitsrats, auf der Plattform X. Ali Shamkhani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte ebenfalls mit drastischen Worten: Jede eingreifende Hand, die sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten. Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan zogen vor allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen haben die Demonstrationen andere Landesteile und Bevölkerungsschichten erfasst. Die Unzufriedenheit in Iran wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und politische Repression. Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften, die in die Metropolen einrückten und an wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen. Vor allem aber in ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu dramatischen Szenen und Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.