»Tatort«-Darsteller und schwäbisches Urgestein: Volksschauspieler Walter Schultheiß ist tot

Datum02.01.2026 17:23

Quellewww.spiegel.de

TLDRWalter Schultheiß, der bekannte Volksschauspieler, ist am 22. Dezember im Alter von 101 Jahren gestorben. Bekannt wurde er durch seine Rollen in Serien wie "König von Bärenbach" und "Tatort", wo er als Vermieter Rominger spielte. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv auf der Bühne und im Film. Schultheiß, ein Urgestein des schwäbischen Mundart-Schauspiels, verkörperte Bescheidenheit und Menschlichkeit. Er hinterlässt ein reichhaltiges Erbe in der deutschen Theater- und Filmgeschichte.

InhaltBis ins hohe Alter stand er auf der Bühne, meist gab er den Vorzeigeschwaben: Nun ist der Schauspieler und Komödiant Walter Schultheiß mit 101 Jahren gestorben. Walter Schultheiß war der "König von Bärenbach" in der gleichnamigen Serie, löste als Inspektor Köberle ("Köberle kommt") im Vorabendprogramm Kriminalfälle und spielte in mehr als hundert Folgen den eigenwilligen Weingutbesitzer Eugen Eisele ("Der Eugen"). Bundesweit wurde er nicht zuletzt als der Vermieter Rominger des "Tatort"-Kommissars Bienzle bekannt. Nun starb Schultheiß am 22. Dezember im Alter von 101 Jahren, wie der Südwestrundfunk (SWR) unter Berufung auf seine Familie bestätigte. Er sei in kleinem Kreis beigesetzt worden. Bis zu seinem Tod habe er zu Hause in Wildberg im baden-württembergischen Landkreis Calw gelebt, gemeinsam mit seinem Sohn Götz, dessen Ehefrau und seinen beiden sieben Jahre alten Enkelinnen. SWR-Intendant Kai Gniffke nannte Schultheiß den Idealtyp des sympathisch-bruddeligen Schwaben. "Wir trauern um einen großartigen Schauspieler, Künstler und ein Urgestein des Mundart-Schauspiels." Schultheiß schauspielerte bis ins hohe Alter. Kurz vor seinem 90. Geburtstag gab er noch den Firmen-Patriarchen Paul Bogenschütz, der im Kinofilm "Global Players" um sein Lebenswerk fürchtet. Seine Karriere begann 1947 als Pedro del Vegas in der Operette "Maske in Blau", später trat er auch als Privatgelehrter, Sekretär, Portier und Schmuggler auf. Allein im "Weißen Rössl" stand Schultheiß 360-mal auf der Bühne. Seine Premiere auf der Leinwand feierte Schultheiß 1948 als Russlandheimkehrer Fritz Eder im Film "Heimat ist Arbeit". Der Hörfunk machte Schultheiß dann bekannt und beliebt. Zusammen mit Werner Veidt bildete er mehr als zwei Jahrzehnte lang das Straßenkehrer-Duo Karle und Gottlob. Später trug er als Altpfarrer Merkle in der Serie "Oh Gott, Herr Pfarrer" im Süddeutschen Rundfunk (SDR) zur Verbreitung eines Schwabenbildes bei, das sich in Ansätzen bereits seit seinen ersten Radiorollen durch die Karriere zog. "In jedem Sinne eine schwäbische Jahrhundertgestalt", nannte ihn zum 100. Geburtstag Axel Preuß, Intendant der Stuttgarter Komödie im Marquardt, die für Schultheiß jahrzehntelang so etwas wie das künstlerische Wohnzimmer gewesen sei. Der Schauspieler habe auch in Augenblicken größten Erfolges Werte wie Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Fleiß und Menschlichkeit verkörpert, sagte Preuß. Schultheiß verfasste auch humoristische Dialoge und Gedichte, in denen er die schwäbische Seele sezierte. Mit seiner Frau Trudel Wulle war er mehr als 70 Jahre lang und bis zu ihrem Tod im Jahr 2021 verheiratet.