Datum02.01.2026 15:47
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Kohleverstromung in Deutschland erreichte 2025 mit 106 Terawattstunden den niedrigsten Wert seit 1956, wobei der Anteil am Strommix auf 22,4 Prozent fiel. Dank gestiegener Preise für Emissionsrechte wurde Kohleverstromung immer unwirtschaftlicher. Erneuerbare Energien erzeugten hingegen einen Rekordwert von 282,2 Terawattstunden und machten 59 Prozent der Nettostromerzeugung aus. Windkraft bleibt die wichtigste Quelle, während die Braunkohlenförderung auf einem historischen Tiefstand ist. Ein beschlossener Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 steht bevor.
InhaltDeutschland hat 2025 so wenig Kohlestrom erzeugt wie seit 69 Jahren nicht mehr. Laut einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE), die dem SPIEGEL vorliegt, betrug die Bruttostromerzeugung aus Braun- und Steinkohle… Deutschland hat 2025 so wenig Kohlestrom erzeugt wie seit 69 Jahren nicht mehr. Laut einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE), die dem SPIEGEL vorliegt, betrug die Bruttostromerzeugung aus Braun- und Steinkohle im abgelaufenen Jahr nur noch 106 Terawattstunden (TWh). Das war rund eine Terawattstunde (oder eine Milliarde Kilowattstunden) weniger als 2024: der niedrigste Wert seit 1956. Der Anteil der Kohle am gesamten deutschen Strommix fiel auf 22,4 Prozent. Vor zwanzig Jahren war er noch etwa doppelt so hoch. Im Gegenzug wurde 2025 hierzulande mehr Elektrizität denn je aus erneuerbaren Energien erzeugt. Erstmals lieferten Solaranlagen mehr Strom als Braunkohlekraftwerke. Die mit Abstand wichtigste Quelle bleibt die Windkraft. "Die Kohleverstromung lohnt sich ökonomisch oft nicht mehr", sagte Bruno Burger, Professor am Fraunhofer ISE, dem SPIEGEL. "Durch die hohen Preise für Emissionsrechte ist der Kohlestrom sehr teuer geworden." So kostete ein Zertifikat, das Industriebetriebe und Stromerzeuger in der EU zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) berechtigt, zuletzt fast 90 Euro je Tonne CO2. Bei der Gewinnung von einer Megawattstunde Elektrizität aus Braunkohle werden im Schnitt ungefähr 1100 Kilogramm CO2 frei. Im Gegenzug waren Erdgaskraftwerke stärker ausgelastet, unter anderem wegen gesunkener Großhandelspreise für den Rohstoff. Zugleich stieg die Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien um gut zwei Prozent auf den neuen historischen Höchstwert von 282,2 Terawattstunden. Insgesamt stammten 2025 rund 59 Prozent der deutschen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die Nettostromerzeugung errechnet sich aus der gesamten Stromerzeugung eines Kraftwerks minus dessen Eigenverbrauch, etwa für den Betrieb von Kohlemühlen. Für den historischen Vergleich bei der Stromgewinnung aus Braun- und Steinkohle setzte das Institut die Bruttostromerzeugung (also ohne Abzug von Eigenverbrauch) an, da das Statistische Bundesamt bis 1988 nur diese Daten erhob. Der Abbau von Braunkohle dürfte 2025 nach Einschätzung Burgers sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert gefallen sein. Schon im Jahr zuvor wurde landesweit so wenig Braunkohle wie seit 1916 nicht mehr gefördert. Bundestag und Bundesrat haben den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen. Kontakt: Claus.Hecking@spiegel.de