Datum02.01.2026 12:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn Berlin wurde ein elfjähriger Junge in der Silvesternacht schwer verletzt, vermutlich durch die Explosion einer illegalen Kugelbombe, die zu mehreren Amputationen führte. Die Polizei meldete eine ruhigere Nacht im Vergleich zu 2022, fordert jedoch ein Verbot von Feuerwerk für Privatpersonen. Es gab 35 verletzte Beamte, wobei einige schwer verletzt wurden. Kritiker argumentieren, dass bereits vorhandene Gesetze zur Ahndung von Gewalttaten nicht ausreichend durchgesetzt werden. Ein neuer Gesetzentwurf sieht härtere Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte vor.
InhaltDas Unfallkrankenhaus Berlin versorgt ein Kind, das mutmaßlich durch illegales Feuerwerk mehrere Fingerglieder verloren hat. Die Polizei spricht von einer ruhigeren Silvesternacht als 2025, fordert aber Maßnahmen. Ein elfjähriger Junge hat aus der Silvesternacht schwere Verletzungen davongetragen, mutmaßlich durch die Explosion einer sogenannten Kugelbombe. Das Kind habe Verletzungen im Gesicht, am Bauch und an beiden Händen erlitten. Mehrere Fingerglieder wurden amputiert, ein Daumen sei verloren. Das bestätigt ein Sprecher des Unfallkrankenhaus Berlin, wo das Kind versorgt wird. Zunächst hatte der RBB über den Fall berichtet. Kugelbomben oder auch Feuerwerkskugeln sind in Deutschland ausschließlich für staatlich geprüfte Pyrotechniker zugelassen. Der Name leitet sich von ihrer Form ab. Sie können mehrere Kilogramm wiegen und erzeugen Lichteffekte am Himmel, wenn sie dort explodieren. Bereits im vergangenen Jahr war ein siebenjähriger Junge in Berlin von einer Kugelbombe lebensgefährlich verletzt worden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin fordert nach der Silversternacht ein Böllerverbot. "Wir brauchen ein Pyrotechnikverbot für den Privatgebrauch", sagte Benjamin Jendro, Sprecher der GdP, im RBB-Inforadio. Sonst würde man in einem Jahr erneut über schlimme Ausschreitungen sprechen. Jendro bestätigt, dass es in der vergangenen Silvesternacht ruhiger als noch im Vorjahr war. Dennoch sei man immer noch weit entfernt von einem aus polizeilicher Sicht hinnehmbaren Zustand. "Wir können nicht von einer normalen oder friedlichen Silvesternacht sprechen", sagte er. Es habe zahlreiche Angriffe mit Böllern, Batterien und Raketen auf Einsatzkräfte gegeben. Man erlebe als Polizist im Silvestereinsatz eine Szenerie, wo man von überall beschossen werde, sagte Jendro. "Das macht natürlich auch was mit Menschen." Es fehle an einer wirklichen Handhabe, um Täter hart zu bestrafen und so andere potenzielle Täter abzuschrecken. In Berlin zählte die Polizei in der Silvesternacht 35 verletzte Beamte, zwei davon so schwer, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten. Der Berufsverband Rettungsdienst äußert Zweifel, ob Strafverschärfungen für Angriffe auf Helfer abschreckend wirken. Es gebe bereits entsprechende Gesetze für hohe Strafen, die aber nicht angewendet würden, sagte der Verbandsvorsitzende Frank Flake der Funke Mediengruppe über die schon jetzt geltende Rechtslage. Bis es zu Prozessen komme, dauere es Monate, manchmal Jahre. Das mögliche Strafmaß, das schon jetzt bei bis zu fünf Jahren liege, werde fast nie ausgereizt. "Den Vorschlag, jetzt den Strafrahmen zu erhöhen, halte ich deshalb für wenig zielführend", sagte Flake. "Es würde reichen, wenn wir die existierenden Gesetze anwenden." Kurz vor Silvester hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) den angekündigten Gesetzentwurf zum besseren Schutz von Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften vorgelegt. Er sieht härtere Mindeststrafen für Angriffe auf diese Personengruppen vor. Laut Justizministerium soll es dafür künftig Freiheitsstrafen von mindestens sechs statt wie bisher mindestens drei Monaten geben. In besonders schweren Fällen soll eine Mindeststrafe von einem Jahr statt wie bisher sechs Monaten drohen. Lesen Sie hier die Reportage des SPIEGEL-Reporters Max Polonyi, der die Silvesternacht in der Notaufnahme der Berliner Charité verbrachte: "Ist schon Silvester, Herr Doktor?"