Genossenschaftswohnungen: Was sie bieten – und was nicht

Datum02.01.2026 11:26

Quellewww.spiegel.de

TLDRGenossenschaftswohnungen bieten Gemeinschaft und bezahlbaren Wohnraum, erfordern jedoch Geduld und bergen Risiken. Mitglieder zahlen Anteile und genießen niedrigere Nutzungsgebühren sowie Kündigungsschutz. Die Genossenschaften investieren Gewinne in neue Wohnungen, bieten aber oft keine oder nur geringe Rückzahlungen auf Anteile. Im Insolvenzfall können Mitglieder ihre Einlagen verlieren. Die Nachfrage ist hoch, dennoch warten Interessenten oft jahrelang. Experten raten zur sorgfältigen Prüfung von Genossenschaften und warnen vor hohen Renditeversprechen. Die Gründung neuer Genossenschaften ist aufgrund hoher Baukosten schwierig.

InhaltGenossenschaften versprechen Gemeinschaft und bezahlbaren Wohnraum. Interessenten müssen aber Geduld mitbringen. Und als Mitglieder können sie im schlimmsten Fall viel Geld verlieren. Bezahlbare Mieten, Sicherheit und die Möglichkeit, mitzubestimmen: Genossenschaften locken mit dem, was viele Menschen auf dem Wohnungsmarkt vermissen. Tatsächlich hat das Wohnen in einem solchen Verband einige Vorteile. Ganz ohne Risiko ist es aber nicht. Weil die Immobilien nicht gewinnorientiert vermarktet werden, sind die Preise für Genossenschaftswohnungen vergleichsweise niedrig. Mitglieder kaufen Anteile und können dafür später eine Wohnung beziehen. Statt einer Miete zahlen sie eine Nutzungsgebühr, die oft unter dem Mietspiegel liegt. Zudem dürfen Genossenschaftsmitglieder lebenslang in ihrer Wohnung bleiben und können nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt werden. Sie werden in Entscheidungen einbezogen und müssen keine erhöhten Zinssätze zahlen. Um die Instandhaltung kümmert sich in der Regel die Genossenschaft, teure Sanierungen sind eher die Ausnahme. Der Gewinn werde stattdessen meist in bestehende oder neue Wohnungen investiert, sagt Wibke Werner, Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins. Dafür müssen die Genossenschaftsmitglieder in Kauf nehmen, dass sich das eingezahlte Kapital – wenn überhaupt – nur gering verzinst. "Es gibt keine oder nur sehr geringe Gewinnausschüttungen an die Mitglieder", erklärt Werner. Wer die Genossenschaft verlassen will, bekommt seine Anteile zwar zurück. Das dauert aber oft lange. Aufgrund der langen Kündigungsfristen können laut den Verbraucherzentralen Monate oder sogar Jahre vergehen. Und: Wenn die Genossenschaft insolvent ist, können die Mitglieder zu Schuldnern werden. Im schlimmsten Fall verlieren sie alle bis dahin eingezahlten Anteile. Verbraucherschützer raten Interessenten deshalb, sich abzusichern. Sie sollten die Satzung der Genossenschaft prüfen und schauen, ob diese Mitglied in einem landesweiten Verband ist. Im Jahresabschluss können sie nachsehen, wofür die Mitgliedsbeiträge verwendet wurden. Argwöhnisch sollte man bei Angeboten mit sehr hoher Rendite werden, oder wenn der Vertrieb besonders offensiv wirbt, etwa mit Anrufen aus Callcentern. Viele Wohnungssuchende nehmen die Risiken jedoch in Kauf, die Nachfrage ist groß. Wer Anteile in einer Genossenschaft kaufen will, muss häufig jahrelang warten. Teils nehmen die Verbände gar keine Mitglieder mehr auf. Das liegt zum einen daran, dass in den vergangenen Jahren wegen hoher Baukosten und Kreditzinsen nur wenige neue Wohnungen gebaut wurden. Außerdem seien Genossenschaften "primär ihren Bestandsmitgliedern verpflichtet", sagt Bernhard Faller vom Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung. Wachstum sei nicht immer in deren Interesse. Bei Neumitgliedern würden "vielfach falsche Erwartungen" geweckt. Eine eigene Genossenschaft zu gründen, ist übrigens selten eine gute Idee. "Bei den hohen Baukosten tun sich junge Genossenschaften gerade irrsinnig schwer, das entsprechende Eigenkapital zu mobilisieren", sagt Faller. Hohe Mieten, lange Schlangen bei Besichtigungen: Immer mehr Menschen sehen einen Ausweg im Wohnungstausch. Warum die Rechnung nicht immer aufgeht, lesen Sie hier.