WHO fordert strengere Maßnahmen gegen Alkoholkonsum in Europa

Datum14.10.2025 18:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie WHO fordert dringend Maßnahmen gegen den hohen Alkoholkonsum in Europa, der die Region zur weltweit höchsten macht. Alkohol ist eine zentrale Ursache für ca. 111.300 neue Krebsfälle jährlich in der EU, besonders bei Männern. Der Bericht der WHO empfiehlt unter anderem Alkoholbesteuerung, eingeschränkte Verfügbarkeit und strengere Vermarktungsverbote zur Senkung des Konsums und der Krebsfälle. Trotz der vorliegenden Belege für die Wirksamkeit dieser Maßnahmen erfolgt in Europa bislang zu wenig Gegensteuerung.

InhaltNirgends auf der Welt trinken die Menschen so viel Alkohol wie in der EU. Das hat erhebliche gesundheitliche Folgen. Die Weltgesundheitsorganisation drängt die Politik zum Handeln. Die Europäer haben ein Alkoholproblem. Das geht aus Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, welche die Europäische Union als Region mit dem höchsten Alkoholkonsum der Erde bezeichnet. Krebs gelte dort noch dazu als häufigste Todesursache. Im Vergleichsjahr 2020 hat Alkohol in der EU demnach schätzungsweise 111.300 neue Krebsfälle verursacht, darunter Zehntausende Fälle von Darm-, Brust- und Mundhöhlenkrebs. In fast sieben von zehn Fällen sind Männer davon betroffen. Hinzu kämen Milliardenkosten für die EU-Länder. Um der immensen Anzahl von Krebserkrankungen etwas entgegenzusetzen, wirbt die WHO deshalb für entschiedene politische Maßnahmen gegen Alkohol. "Eine konsequente Alkoholpolitik gehört zu den klügsten Investitionen, die man tätigen kann", teilten das WHO-Regionalbüro Europa und die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) mit. Eine solche Politik rette Leben, spare Geld und zeige zudem schon innerhalb weniger Jahre ihre Wirkung, so die Institutionen. In einem gemeinsamen Bericht werfen die Organisationen nun erstmals einen genaueren Blick auf die Vorbeugung von alkoholbedingten Krebserkrankungen, zu denen die Experten mindestens sieben verschiedene Krebsarten zählen. Die Ergebnisse des Berichts ließen keine Zweifel, hieß es von der in Kopenhagen ansässigen WHO Europa: "Alkoholbesteuerung, eingeschränkte Verfügbarkeit und strenge Vermarktungsverbote verringern den Alkoholkonsum auf Bevölkerungsebene und verringern damit wiederum die Krebsbelastung." Zu den geeigneten Maßnahmen zählten die Experten auch die Anhebung des Mindestalters für den Kauf und den Konsum alkoholischer Getränke sowie staatliche Monopole zur Kontrolle des Alkoholverkaufs. Trotz wachsender Belege für die Effektivität solcher Maßnahmen werde davon in Europa nach wie vor zu wenig Gebrauch gemacht.