Datum02.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRThüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk warnt vor dem Fachkräftemangel, besonders in der Gesundheits- und Pflegebranche. Sie fordert einen Kulturwandel und betont die Notwendigkeit gesellschaftlicher Integration für zugewanderte Fachkräfte. Maßnahmen wie die Anerkennung von Berufsabschlüssen und gezielte Anwerbeprogramme sind entscheidend, doch das Wohlfühlen der Einwanderer in Thüringen ist ebenfalls wichtig, um sie langfristig zu halten. Aktuell arbeiten etwa 80.000 Ausländer im Land, dennoch liegt der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter unter dem Bundesdurchschnitt.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Fachkräftemangel“. Lesen Sie jetzt „Schenk warnt: Fachkräfte für Thüringen kein Selbstläufer“. Thüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) mahnt angesichts des Fachkräftemangels in Thüringen insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Pflege zu einem Kulturwandel. Maßnahmen wie Verbesserungen bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen und gezielte Anwerbeprogramme im Ausland könnten auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn die Menschen auch gesellschaftlich integriert werden. "Das ist ja eigentlich auch etwas, was die Bevölkerung mittragen muss, dass man eben auch Einwanderungsland ist, das kann man nicht von oben verordnen", so Schenk. Thüringen stehe im Ausland bei der Gewinnung von Fachkräften in direkter Konkurrenz mit zahlreichen anderen Bundesländern. Man müsse sich bewusst machen "dass diese Idee 'Alle wollen nach Deutschland' und dann sind wie selbstverständlich auch welche in Thüringen, dass das echt eine Illusion ist." Die Bearbeitungszeit bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen bei ärztlichem Personal und pflegerischem Personal habe zuletzt reduziert werden können, so Schenk. Es brauche aber ein Umfeld, in dem sich die Menschen in Thüringen dauerhaft willkommen fühlten. "Man kann die Leute herholen, aber dass die dann bleiben und sich wirklich wohlfühlen, ist auch nicht damit getan, dass die dann einmal angekommen sind, eine Wohnung haben und einmal mit zum Karnevalsverein genommen werden", so Schenk. Seit 2017 wachse die Beschäftigung in Thüringen nur noch, weil mehr Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit arbeiten, sagte Markus Behrens, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-Thüringen, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch liege der Freistaat beim Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Ausländer weit unter dem Bundesdurchschnitt. Aktuell arbeiten demnach 80.000 Ausländer in Thüringen. "Das wird für uns mit Blick auf die demografische Lücke immer wichtiger", so Behrens. Ähnlich äußert sich Lars Oschmann, Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Thüringen. Anwerbeprogramme für Fachkräfte im Ausland - insbesondere im Bereich der Pflege - würden Früchte tragen. Erfolgreich seien sie vor allem dann, wenn die Betroffenen möglichst genau wüssten, was sie in Deutschland etwa im Pflegeberuf erwartet. "Wir sorgen dafür, dass sie dort speziell auch für den deutschen Markt ausgebildet werden und dann hierherkommen." Die Herausforderung sei dann allerdings, die Eingewanderten dauerhaft zu halten. "Wenn wir es in Thüringen nicht schaffen, für Fachkräfte aus dem Ausland hier ein Umfeld zu bieten, dass sie sich hier auch wohlfühlen, sind sie sehr schnell dann dort im Bundesgebiet, wo es ihnen von der Community besser geht. Und das ist eben nicht Thüringen." © dpa-infocom, dpa:260102-930-488767/1