Datum02.01.2026 05:37
Quellewww.spiegel.de
TLDRAm Freitagmorgen wird über die aktuellen Entwicklungen in Russland, die Feuertragödie in der Schweiz und Ricarda Langs Ängste gesprochen. Russland erhöht die Mehrwertsteuer für Kriegsausgaben, während Präsident Selenskyj von Fortschritten in den Ukraineverhandlungen berichtet. In der Schweiz starben mindestens 40 Menschen bei einem Brand in einer Bar, dessen Ursache noch unklar ist. Ricarda Lang äußert sich offen zu persönlichen Ängsten und lobt CSU-Chef Söder für seine Social-Media-Präsenz, die Nähe schafft.
InhaltRussland erhöht für den Krieg die Steuern. Die Feuertragödie in der Schweiz. Und: Ricarda Lang spricht über ihre Ängste. Das ist die Lage am Freitagmorgen. Heute geht es um die erneuten Steuererhöhungen in Russland für den Krieg in der Ukraine, um die Feuertragödie in der Schweiz – und um die Grüne Ricarda Lang, die offen über ihre Ängste spricht Das neue Jahr beginnt so, wie das alte endete: mit Nachrichten zu den Ukraineverhandlungen. Bereits an diesem Wochenende sollen die Gespräche auf der Ebene von Spitzendiplomaten fortgesetzt werden. Am 6. Januar möchte dann Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einem weiteren Gipfel einladen. Dabei dürfte es auch um die bereits mehrfach diskutierte Idee einer Schutztruppe unter Beteiligung europäischer Soldaten in der Ukraine gehen. Interessant: Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist man nur noch "zehn Prozent" von einem Abkommen zur Beendigung des Krieges mit Russland entfernt (mehr dazu hier). "Das Friedensabkommen ist zu 90 Prozent fertig", sagte Selenskyj in seiner Neujahrsansprache. Wirklich? Russlands Präsident Wladimir Putin für seinen Teil scheint keinerlei Anstalten zu machen, von seinen Kernforderungen in diesem Ringen abzurücken. Stattdessen bereitet er sein Land auf weitere Anstrengungen vor. Zum neuen Jahr steigt die Mehrwertsteuer in Russland von 20 auf 22 Prozent. Die Einkommensteuer wurde bereits zuvor angehoben. Insgesamt gibt Russland laut Schätzungen inzwischen 40 Prozent des Haushalts für Sicherheit und Militär aus. Es ist ein irrsinniger Betrug an den Bürgerinnen und Bürgern des Landes. Denn was haben die Russen für ihr Geld bisher bekommen? Zehntausende tote Soldaten, eine lahmende Wirtschaft und ein ramponiertes Image im Ausland. Kurz gesagt: nichts als Schrott. Über die Brandkatastrophe in einer Bar in dem Skiort Crans-Montana in der Schweiz kommen immer neue Details ans Licht. "Es herrschte absolute Panik, alle schrien", berichteten zwei Augenzeuginnen aus Frankreich in einem Interview mit dem belgischen Fernsehen. "Jemand schlug ein Fenster ein, damit die Leute herauskamen." Nach Angaben der Behörden kamen bei dem Brand in der Bar "Le Constellation" in der Silvesternacht mindestens 40 Menschen ums Leben (mehr dazu hier). Etwa 115 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die genaue Brandursache bleibt weiterhin ungeklärt. Lediglich einen Anschlag schlossen die Ermittler aus. Die Augenzeuginnen aus Frankreich sagten nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Es habe in der Bar Kerzen in Champagnerflaschen gegeben. Eine davon sei zu nah an die Decke gekommen, die dann Feuer gefangen habe. Der Brand habe sich innerhalb von Sekunden ausgebreitet. Die Polizei im Kanton Wallis hat eine Telefonauskunft für Angehörige eingerichtet. Die Medienwebseite der Kantonspolizei brach nach der ersten Mitteilung dort angesichts der zahlreichen Abrufe zusammen. Politik ist ein hartes Geschäft, und auch Politikerinnen und Politiker leiden unter Ängsten. Doch dass jemand offen darüber spricht, ist eher eine Seltenheit. Ricarda Lang, die frühere Grünenvorsitzende, tut dies nun. Sie habe in ihrer Zeit als Parteichefin oft auf gestanzte Formulierungen zurückgegriffen, auch aus Angst, anzuecken, sagt sie in einem sehr lesenswerten SPIEGEL-Gespräch mit meinen Kollegen Markus Feldenkirchen und Marina Kormbaki. "Ich habe über Menschen geredet, als wären sie eine anonyme Masse, und habe dabei geklungen wie ein Roboter", räumt Lang ein. Gleichzeitig spricht Ricarda Lang sehr offen über die Themen Gewicht und Sport. "Sport war für mich lange ein angstbesetztes Thema", erzählt Lang. So gehe es wohl vielen, die in ihrer Jugend korpulent seien. "Ich musste mich regelrecht zwingen, das erste Mal ins Gym zu gehen, nur um da zu checken: Mich starren ja gar nicht alle Leute an, die sind mit sich selbst beschäftigt – und Sport macht mir richtig Freude", so Lang. Überraschend: Ausgerechnet für CSU-Chef Markus Söder (mehr hier ) hat Lang in dem SPIEGEL-Gespräch ein Lob parat. Sie hält dessen Social-Media-Präsenz für vorbildlich. "Er beherrscht die Kunst, Nähe über den Lebensstil herzustellen", so Lang. "Er stellt ja nicht seinen Fleischfetisch zur Schau, weil er dumm ist, sondern weil er erkannt hat: Menschen haben das Gefühl, ihr Lebensstil werde infrage gestellt. Beispielsweise, weil sie Fleisch essen oder Auto fahren." Diesen Menschen gebe Söder das Gefühl, auf ihrer Seite zu sein, meint Lang. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. … ist der neue Bürgermeister der US-Metropole New York, Zohran Mamdani. Nach seinem Wahlsieg im November hat der 34-Jährige seinen neuen Job offiziell aufgenommen. Mamdani legte seinen Amtseid in einer alten U-Bahnstation ab. Kurios: Er musste dafür neun Dollar Gebühr bezahlen, denn die Registrierung des Eids durch einen Mitarbeiter der Stadt ist ein Verwaltungsakt, ähnlich wie die Ausstellung einer Geburtsurkunde. Der Druck, der auf dem Neuen lastet, ist enorm. Die große Frage lautet, ob er sein zentrales Wahlversprechen, für ein sozial gerechteres New York zu sorgen, einlösen kann. Immerhin sind seine Beliebtheitswerte weiter angestiegen. Inzwischen sagen zwei Drittel aller Wähler in der Stadt, Mamdani werde New York guttun. Schön für ihn. Jetzt muss nur noch die Realität mit den Träumen Schritt halten. Gute Vorsätze, aber lecker – Sie wollen 2026 fleischärmer leben? Wir zeigen, wie man neue Routinen schafft, was einfache Alternativen sind. Und was Sie davon bereits alles im Schrank haben . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Roland Nelles, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros