Bayerns Vorstandsboss spricht bei Boateng von Resozialisierung

Datum19.10.2025 11:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRJérôme Boateng plant ein Praktikum beim FC Bayern, um Trainer zu werden. Sportchef Max Eberl unterstützt die Rückkehr als Resozialisierung, während Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen die Lage kompliziert findet. Die Fans protestieren jedoch heftig gegen Boatengs Rückkehr, nachdem er wegen Körperverletzung an seiner Ex-Freundin verurteilt wurde. Trotz der Vorwürfe und seiner umstrittenen Vergangenheit sieht die Vereinsführung das Praktikum nicht als feste Anstellung und äußert sich defensiv zur Situation. Boateng bestreitet alle Vorwürfe.

InhaltJérôme Boateng soll für ein Praktikum zum FC Bayern zurückkehren. Bayerns Sportchef Max Eberl sieht kein Problem, Jan-Christian Dreesen einen komplizierten Fall. Die Fans des Rekordmeisters sind aufgebracht. Die Fans des FC Bayern rebellieren gegen eine geplante Trainerhospitanz von Jérôme Boateng. Die Verantwortlichen des Rekordmeisters haben die Rückkehr des Weltmeisters von 2014 am Samstagabend jedoch verteidigt. "Das Thema ist gerade aus dem Nichts sehr groß", sagte Sportvorstand Max Eberl. Er sieht kein Problem, schließlich gehe es nicht um eine Anstellung oder eine feste Position. "Es geht einfach darum, sich Trainingseinheiten anzuschauen. Um nicht mehr geht es. Wir würden das billigen." Der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen sprach entgegen seinem Kollegen davon, dass es sich um einen komplizierten Fall handele. Aber: "Ich denke, dass jedem Menschen auch eine Resozialisierung zusteht. Im Übrigen sollte man sich das Urteil mal in Gänze anschauen." Die Fans sehen das offensichtlich anders  : Auf Bannern, die sie zu Beginn der zweiten Halbzeit des Topspiels gegen Borussia Dortmund  entrollten, hatten die Fans unter anderem geschrieben: "Wer dem Täter Raum gibt, trägt seine Schuld mit". Oder: "Keine Bühne für Täter". Ein Anlass der Proteste ist offenbar ein Urteil des Landgerichts München I aus dem vergangenen Jahr. Es sprach Boateng schuldig wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung an seiner Ex-Freundin. Als vorbestraft gilt er gesetzlich aber nicht. Die Vorsitzende Richterin hatte bei der Urteilssprechung verkündet, dass von dem Vorwurf des notorischen Frauenschlägers nichts übrig geblieben sei. Für die erwiesenen Anklagepunkte verhängte sie eine Geldstrafe von 200.000 Euro, eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. In einem weiteren, viel beachteten Fall stellte die Staatsanwaltschaft München I in diesem Frühjahr die Ermittlungen ein. Dabei ging es um mutmaßliche Körperverletzung an seiner früheren Freundin Kasia Lenhardt. Die Beziehung hatte für Schlagzeilen gesorgt – vor allem, weil Boateng in einem Interview kurz nach ihrer Trennung und vor ihrem Tod schwere Vorwürfe gegen sie erhoben hatte. Nachdem sich Lenhardt im Jahr 2021 in Berlin das Leben genommen hatte, nahm die Münchner Behörde zuvor eingestellte Ermittlungen wieder auf. Es fanden sich aber den Angaben zufolge keine Beweise, die eine Anklage rechtfertigen würden; auch, weil die Zeugin selbst nicht mehr zur Verfügung stand, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Boateng bestreitet, jemals eine Frau geschlagen zu haben. Die SPIEGEL-Podcastserie "NDA" über die Akte Kasia Lenhardt finden Sie hier . Wegen der öffentlich gewordenen Vorwürfe hatten sich nicht nur Fans des FC Bayern öffentlich gegen Boateng positioniert. Auch das Engagement des Innenverteidigers beim LASK Linz in Österreich, seiner letzten Station als Spieler, hatte Kritik hervorgerufen. Und nun will Boateng also Trainer werden. Bayern-Coach Vincent Kompany hatte seinem ehemaligen Teamkollegen – auf Nachfrage, wie er sagte – die Hospitanz angeboten. "Ich glaube nicht, dass das ein großes Thema ist. Wir haben im Jahr etwa 20 Leute, die mal vorbeischauen. Das wird nicht größer bewertet, als es ist", sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dortmund. Die B-Lizenz hat Boateng, der von 2011 bis 2021 als Spieler bei den Bayern war, bereits absolviert, die A-Lizenz und der Fußballlehrer sollen folgen. Zu Beginn der Woche hatte er berichtet, er habe schon mit Kompany gesprochen. "Wir müssen nur noch den richtigen Zeitpunkt finden", sagte er der "Bild".