USA senken Strafzölle für italienische Pasta (und erhöhen die Verwirrung)

Datum02.01.2026 03:21

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie USA haben die ursprünglich angekündigten Strafzölle auf italienische Pasta deutlich gesenkt, was für Verwirrung sorgt. Während einige Hersteller wie La Molisana einen Zoll von 2,26 Prozent erhalten, wurde bei Garofalo ein Satz von 13,98 Prozent festgelegt. Vorwürfe der US-Regierung über unfairen Preiswettbewerb wurden teilweise entkräftet, und die endgültige Entscheidung über die Zölle wird für den 12. März erwartet. Experten widersprechen den Dumpingvorwürfen und kritisieren, dass die US-Behörden die italienische Buchhaltung nicht verstanden hätten.

InhaltAuch auf dem Nudelteller wollte die Trump-Regierung am liebsten Produkte aus den USA sehen. Dafür drohte sie italienischen Teigwarenherstellern mit heftigen Strafzöllen. Doch jetzt kommt alles anders. Zuletzt war es ruhiger geworden um die Strafzölle, die die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf Produkte aus aller Welt teils scheinbar willkürlich verhängt. Das bedeutet aber nicht, dass die Maßnahmen nicht weiterhin ganze Branchen verunsichern. Im aktuellen Fall geht es um kulinarisches Kulturgut. Die USA haben die geplanten Strafzölle für mehrere italienische Hersteller von Nudelprodukten nach ‌einigem Hin und Her und einer vorläufigen Überprüfung deutlich gesenkt. Dies teilte das italienische Außenministerium am Donnerstag mit. Ursprünglich hatten die USA im Oktober einen zusätzlichen Zoll von 92 Prozent für 13 italienische Pasta-Unternehmen angekündigt – zuzüglich zu den Zöllen von 15 Prozent für die meisten Importe aus ‌der EU (mehr zu dem Kampf um die Nudel lesen Sie hier  ). Nun jedoch wird es verwirrend: Die einzelnen Hersteller werden teils unterschiedlich bezollt. Laut der Mitteilung des italienischen Außenministeriums wurde der Zusatzzoll ⁠für ‍den Pasta-Hersteller La Molisana auf 2,26 Prozent gesenkt. Für das Unternehmen Garofalo hingegen wurde der Satz auf 13,98 Prozent festgelegt. ​Elf weitere Produzenten, die nicht einzeln ‌geprüft wurden, müssen ⁠mit einem Zoll von genau 9,09 Prozent rechnen. Die USA hatten den italienischen Pasta-Herstellern vorgeworfen, ihre Produkte auf dem US-Markt zu unfairen Niedrigpreisen zu verkaufen. Ein ⁠Vertreter des US-Handelsministeriums erklärte nun, eine aktualisierte Analyse habe gezeigt, dass die italienischen Exporteure viele der in ‌einer ersten US-Bewertung geäußerten Bedenken ‍ausgeräumt hätten. Die endgültige Entscheidung über die neuen US-Zölle für Nudelprodukte ‍wird für den 12. März erwartet. Italienische Pasta-Hersteller exportieren jährlich Nudelprodukte im Wert von ‍fast 800 Millionen Dollar in die USA. Nach der ersten Bekanntgabe der Zölle Mitte Dezember hatte es in den USA Sorgen vor einem Engpass gegeben. "Es gibt nicht genug einheimische Hersteller, um die Regale zu füllen", sagte Branchenanalyst Phil Lempert dem Sender CBS. "Sie werden durch den Gang mit den Nudeln gehen und halb leere Regale sehen." Belegt hat das US- Handelsministerium die Dumpingvorwürfe im November 2025 nicht. Die drakonische Strafe wurde damit begründet, dass sich die Prüfkandidaten "unkooperativ" verhalten hätten. Die vorgelegten Dokumente hätten italienische Wörter und undefinierte Abkürzungen enthalten, kritisierten die Behörden. Der Chef von Pasta Garofalo, Massimo Menna, wies den Vorwurf in der "Washington Post" zurück  . Es sei wohl eher so, dass die Regierungsexperten die Unterlagen "nicht verstanden" hätten. Das Ministerium habe junge Analysten an den Fall gesetzt, denen es an Kenntnissen der italienischen Buchhaltungspraktiken fehlte, berichtete das "Wall Street Journal" aus Beteiligtenkreisen. Eine Studie kam derweil zum Ergebnis, dass es gar kein Dumping gab. Das Gegenteil treffe zu, urteilen Chiara Donegani und Oleksandr Shepotylo von der britischen Aston University: Die Amerikaner müssten für das Kilo eierfreie italienische Pasta 1,90 Dollar zahlen, 25 bis 30 Prozent mehr als die europäischen Verbraucher: "Das ist kein Dumping." Ihrer Ansicht steht hinter der Entscheidung schlicht "politisches Theater". Die Trump-Regierung signalisiere, dass in der Handelspolitik nichts und niemand sicher sei.