Iran: Erste Tote bei politischen Unruhen

Datum01.01.2026 17:29

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie politischen Unruhen im Iran eskalieren, mit ersten Todesfällen bei Protesten in mehrere Städten, darunter Lordegan und Isfahan. Ausgelöst durch eine schwere Wirtschaftskrise und eine hohe Inflation, begannen die Proteste zunächst gegen den Wertverfall der Landeswährung. Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein, während der israelische Mossad Unterstützung für die Demonstranten zusichert. Die iranische Regierung sucht das Gespräch mit Gewerkschaften zur Verbesserung der Lage. Der Unmut in der Bevölkerung ist seit Jahren aufgrund politischer Repression und internationaler Isolation groß.

InhaltTeheran, Isfahan, Shiraz: Die Unruhen in Iran weiten sich auf immer mehr Städte aus. Medien und Menschenrechtsorganisationen melden erste Tote. Der israelische Mossad verspricht den Protestierenden Unterstützung "vor Ort". Die politischen Unruhen in Iran eskalieren wegen der schlechten Wirtschaftslage immer heftiger. In der Nacht zum Donnerstag sind laut Berichten iranischer Medien und Menschenrechtsgruppen mehrere Menschen bei Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften gestorben. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars schreibt von zwei Todesfällen in Lordegan, einer Stadt im Westen des Landes. Die Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtet, die Sicherheitskräfte hätten dort mehrere Menschen getötet. Laut der Nachrichtenagentur AFP warfen Demonstranten in Lordegan mit Steinen auf das Büro des Provinzgouverneurs, eine Moschee, das Rathaus und Banken. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt. Hengaw berichtete außerdem, dass am Mittwoch in der Provinz Isfahan im Zentrum Irans ein Demonstrant erschossen worden sei. Die Revolutionswächter gaben an, dass ein Mitglied ihrer paramilitärischen Freiwilligeneinheit Basij in der Stadt Kuhdasht getötet worden sei. Sie machten dafür Demonstranten verantwortlich, denen sie vorwarfen, die Proteste auszunutzen. Die Unruhen hatten am Sonntag auf Teherans größten Handymarkt begonnen. Zunächst hatten vorwiegend Händler gegen einen plötzlichen Wertverfall der Landeswährung demonstriert. Doch diese ersten Proteste eskalierten rasch zu landesweiten politischen Aufständen mit scharfen Parolen gegen die Herrschenden. Iran steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. In der Bevölkerung schwelt seit Jahren eine große Unzufriedenheit aufgrund fehlender Perspektiven, politischer Repression und internationaler Isolation. Schon 2019 und 2022 war es deshalb durch unterschiedliche Auslöser zu landesweiten Protesten gekommen. Die aktuellen politischen Unruhen gehen inzwischen in den fünften Tag und haben laut Hengaw  knapp zwei Dutzend Städte erfasst, darunter bekannte Metropolen wie Isfahan und Shiraz. Nicht für alle Städte liegen bisher offizielle Bestätigungen vor. Die Unruhen umfassen neben gewaltsamen Ausschreitungen auch zahlreiche Shutdowns. Händler, Ladenbesitzer und Studenten einer Reihe iranischer Universitäten demonstrieren seit Tagen und schließen große Basare. Die Regierung hat am Mittwoch unter anderem viele Schulen und öffentliche Einrichtungen geschlossen, angeblich wegen des kalten Wetters. Die iranische Wirtschaft hat seit Jahren mit den Folgen der Sanktionen der USA und des Westens gegen das Atomprogramm Teherans zu kämpfen. Regionale Spannungen hatten zudem im Juni zu einem zwölftägigen Luftkrieg mit Israel geführt, der die Finanzen des Landes weiter belastete. Der iranische Rial hat 2025 etwa die Hälfte seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren, die Inflation ist im Dezember auf rund 42 Prozent emporgeschnellt. Teheran hat auf die Proteste mit einem Dialogangebot reagiert. Eine Regierungssprecherin sagte, dass die Behörden das Gespräch mit Vertretern der Gewerkschaften und Händler suchten. Präsident Massud Peseschkian wies die Regierung an, Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern. "Aus islamischer Sicht werden wir in der Hölle landen, wenn wir das Problem der Lebensgrundlagen der Menschen nicht lösen", sagte er bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Veranstaltung. Der israelische Geheimdienst Mossad rief die Iranerinnen und Iraner indes zu weiteren Protesten auf. "Geht zusammen raus auf die Straße", schrieb der Mossad am Mittwoch in einer Botschaft auf Farsi. "Die Zeit ist gekommen. Wir sind mit euch. Nicht nur aus der Entfernung oder mit Worten. Wir sind auch mit euch vor Ort."