Datum01.01.2026 15:10
Quellewww.spiegel.de
TLDRBulgarien führt zum Jahreswechsel den Euro als neue Währung ein und wird damit das 21. EU-Land im Euroraum. Präsident Rumen Radev bezeichnet die Euro-Einführung als "letzten Schritt" der EU-Integration. Kritiker befürchten Preissteigerungen im ärmsten EU-Land, während die EZB die Vorteile für Unternehmen und den Handelsverkehr betont. Der Wechselkurs wurde auf 1,96 Lew pro Euro festgelegt. Die Euro-Einführung erfolgt in einer politischen unsicheren Phase, da die bulgarische Regierung zurückgetreten ist.
InhaltZum Jahreswechsel tritt mit Bulgarien ein weiteres Land dem Euroraum bei. In der Hauptstadt Sofia feierten Menschen die neue Währung. Kritiker befürchten, dass die Preise im ärmsten EU-Land steigen. Genau 19 Jahre nach seinem Beitritt zur Europäischen Union hat Bulgarien zum Jahreswechsel als 21. EU-Land den Euro als Währung eingeführt. Um Mitternacht gab das südosteuropäische Land am Donnerstag den Lew auf, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. In der Hauptstadt Sofia wurden Euromünzen auf das Gebäude der Zentralbank projiziert. In einer kurz darauf ausgestrahlten Rede bezeichnete Präsident Rumen Radev die Euro-Einführung als "letzten Schritt" der EU-Integration Bulgariens. "Ich heiße Bulgarien herzlich in der Euro-Familie willkommen", erklärte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. Das nun auch in Bulgarien geltende Zahlungsmittel bezeichnete sie als "starkes Symbol" für "gemeinsame Werte und kollektive Stärke". Auch die EZB feierte die Aufnahme Bulgariens in den Euroraum mit einer Lichtprojektion auf das Hochhaus in Frankfurt. Lagarde als Europas oberste Währungshüterin verspricht den etwa 6,4 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren vor allem zwei Dinge: Wohlstand und Sicherheit. 45 Prozent der Exporte des südosteuropäischen Landes gehen ins Euro-Währungsgebiet. Künftig fallen bei diesen Geschäften für bulgarische Unternehmen keine Umrechnungskosten an. Kleine und mittlere Unternehmen werden nach Angaben der EZB allein deshalb jährlich rund eine Milliarde Lewa einsparen. Zudem profitiere eine kleine Volkswirtschaft wie Bulgarien, in der fast jeder zweite Arbeitsplatz von der Auslandsnachfrage abhänge, in einer von ständigen externen Schocks geprägten Welt besonders von einem größeren Binnenmarkt. Bulgarien ist das erste Land am Schwarzen Meer, in dem die Gemeinschaftswährung gilt. Brüssel hatte nach der Entscheidung im Juli mitgeteilt, dass der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem bulgarischen Lew auf rund 1,96 Lew für einen Euro festgelegt wird. Zuvor war der Lew bereits seit 1999 an den Euro gekoppelt, im Verhältnis 1,95583 für einen Euro. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch gesagt, dass der Beitritt Bulgariens zur Eurozone einen "wichtigen Meilenstein" für die Bulgaren darstelle. "Er wird das Reisen und Leben im Ausland erleichtern, die Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte steigern und den Handel fördern", sagte sie. Bulgarien ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das ärmste Land der EU. Kritiker der Euro-Einführung äußern daher die Sorge, dass mit der Währungsumstellung die Preise steigen werden und der Euro sich als "Teuro" entpuppt. Widerstand gibt es außerdem vonseiten der prorussischen, nationalistischen Oppositionspartei Wasraschdane (Wiedergeburt), die im Europaparlament in derselben Fraktion sitzt wie die AfD. Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied, 2007 trat es der EU bei. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International landete Bulgarien zuletzt auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Nach Massenprotesten gegen Korruption war die bulgarische Regierung Mitte Dezember nach weniger als einem Jahr im Amt zurückgetreten. Die Euro-Einführung fällt daher in eine Zeit ohne reguläre Regierung und ohne Staatsetat für 2026.