Krankenkassen: Fast die Hälfte der Kassen erhöht 2026 ihre Beiträge

Datum01.01.2026 14:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Jahr 2026 erhöhen 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland ihre Beiträge aufgrund steigender Gesundheitsausgaben. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag steigt um 0,23 Prozentpunkte auf 3,36 Prozent. Reformen der Gesundheitsministerin Warken sind angekündigt, um Kosten langfristig zu bremsen. Im neuen Jahr wird ein Anstieg der Gesamtausgaben auf 370 Milliarden Euro prognostiziert. Versicherte können bei Erhöhungen zu günstigeren Kassen wechseln. Gutverdiener sind durch höhere Beitragsbemessungsgrenzen stärker belastet, profitieren jedoch von Steuerentlastungen.

InhaltWegen steigender Ausgaben im Gesundheitssystem erhöhen 42 der 93 gesetzlichen Krankenkassen ihre Beiträge. Versicherte haben damit weniger Netto vom Brutto. Ministerin Warken hat für dieses Jahr Reformen angekündigt. Millionen Krankenversicherte zahlen mit dem neuen Jahr mehr: 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben zum Jahreswechsel die Beiträge erhöht. Im Schnitt stieg der sogenannte Zusatzbeitrag, den die Kassen selbst erheben können, um 0,23 Prozentpunkte auf 3,36 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens an. Das geht aus täglich aktualisierten Daten des Spitzenverbandes der Krankenkassen (GKV) hervor. Am letzten Tag des alten Jahres lag der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz noch bei 3,13 Prozent, wie ein Abgleich mit den Werten vom Vortag zeigt. Die Bandbreite reicht aktuell von 2,18 bis zu 4,39 Prozent. 48 Kassen nahmen demnach keine Beitragsanhebung vor, zwei Kassen senkten ihre Zusatzbeiträge. Zu einer Kasse liegen keine Daten vor. Wegen der Fusion der Siemens-Betriebskrankenkasse mit der BKK Voralb gibt es seit Jahreswechsel nun 93 statt wie zuvor 94 gesetzliche Kassen. Durch erhöhte Beiträge haben Versicherte etwas weniger Netto vom Brutto, Arbeitgeber mehr Kosten, da sie die Hälfte der Beiträge tragen. Die Regierung hat für das neue Jahr Reformen angekündigt, um den langfristigen Anstieg zu bremsen. Bis März soll eine Expertenkommission Vorschläge vorlegen. Sämtliche Einnahmen und Ausgaben müssten geprüft werden, hatte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt. Die Kassen erhöhen die Beiträge vor allem wegen der immer weiter steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen: 2024 lagen die Gesamtausgaben der Krankenkassen noch bei 312 Milliarden Euro, für 2025 werden rund 347 Milliarden Euro prognostiziert. Und im neuen Jahr wird mit einem Anstieg auf nunmehr 370 Milliarden Euro gerechnet. Der Plan der Bundesregierung war es, die Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung kurzfristig stabil zu halten. Dafür hatte der Bundesrat vor Weihnachten ein Sparpaket verabschiedet, das vorwiegend Kosten in Kliniken bremsen soll. Einige große Kassen hatten trotzdem Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt. Sie halten das Sparpaket für zu klein. Der Zusatzbeitrag kommt zum feststehenden und für alle gültigen Krankenkassenbeitragssatz von 14,6 Prozent hinzu und wurde einst eingeführt, um Wettbewerb zwischen den Kassen zu fördern. Am Ende kann jede Krankenkasse für sich entscheiden, ob und wie stark sie ihn anhebt. Versicherte haben bei einer Erhöhung ein Sonderkündigungsrecht und können zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Die Erhöhungen werden vorher per Brief angekündigt. Die errechneten Durchschnittswerte berücksichtigen nicht, wie viele Versicherte bei jeder Kasse sind und sagen deshalb nur bedingt etwas darüber aus, wie hoch der Zusatzbeitrag im Schnitt für einen typischen Versicherten ist. Bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro würde ein Anstieg des Zusatzbeitrags um 0,23 Prozentpunkte etwa 3,50 Euro weniger netto im Monat bedeuten. Gutverdiener werden im neuen Jahr zudem durch eine turnusgemäße Anhebung der sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen mit höheren Renten- und Krankenkassenbeiträgen stärker belastet als im alten Jahr. Zum Jahreswechsel sind allerdings auch wieder Entlastungen bei der Einkommensteuer (höherer Grundfreibetrag, höhere Kinderfreibeträge) in Kraft getreten, dazu kommt eine Ausweitung der Pendlerpauschale, wodurch an anderer Stelle mehr vom Brutto bleibt. Wie teuer wird Ihre Krankenkasse zum neuen Jahr? Schauen Sie hier nach  , ob auch Sie von erhöhten Beiträgen betroffen sind.