Datum01.01.2026 12:22
Quellewww.zeit.de
TLDRBulgarien führt am 1. Januar 2026 den Euro als 21. Mitglied der Eurozone ein, trotz politischer Instabilität und Vorwürfen von Korruption. Nach dem Rücktritt der Regierung im Dezember 2025 und anhaltenden Protesten konnte Bulgarien die Inflation auf unter die erforderliche Grenze senken. Das Land verzeichnet ein starkes Wirtschaftswachstum, bleibt jedoch das ärmste EU-Land. Der Eurobeitritt könnte Bulgarien als strikteren Währungsalliierten für Deutschland positionieren, während es weiterhin von ausländischen Investitionen abhängig ist.
InhaltBulgarien führt am Neujahrstag den Euro ein. Dabei ist das Land so instabil wie lange nicht mehr – und könnte dennoch Deutschlands Alliierter in der Eurozone werden. Zum 1. Januar 2026 hat Bulgarien eine neue Währung: den Euro. Das Land tritt der Eurozone als 21. Mitglied bei. Die europäische Währung wird damit in einem von politischen Turbulenzen erschütterten Land eingeführt – für die EU wie auch für Bulgarien steht deshalb einiges auf dem Spiel. Erst Anfang Dezember musste die Regierung nach wochenlangen Protesten von zumeist jüngeren Leuten zurücktreten. Der Vorwurf der Demonstranten: Der von der Regierung vorgelegte Haushaltsentwurf für das nächste Jahr verschleiere die Korruption im Land. Die Regierung war erst seit Januar 2025 im Amt, jetzt stehen die achten Parlamentswahlen binnen vier Jahren an. Doch trotz der Korruption, trotz der politisch wackligen Lage wächst Bulgariens Wirtschaft erstaunlich stark. Im Jahr 2025 nahm das Bruttoinlandsprodukt um 2,5 Prozent zu, während die Eurozone im Durchschnitt nur auf 0,9 Prozent kam. Allerdings baut das Wachstum auf niedrigem Niveau auf, Bulgarien ist weiterhin das ärmste Land der EU. Auch der Weg zum Eurobeitritt war steinig. Eigentlich plante Bulgarien, den Euro schon 2024 einzuführen, doch da betrug die Inflationsrate noch 5,1 Prozent und war damit über der für den Beitritt erlaubten Grenze. Diese liegt für Beitrittskandidaten bei 1,5 Prozentpunkten über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Staaten. Im Juni 2025 lag die Inflation aber nur noch bei 2,7 Prozent – und so stand der Euro-Einführung nichts mehr im Weg, auch wenn die Rate zuletzt wieder über 5 Prozent stieg. Um es in die Europäische Währungsunion zu schaffen, reduzierte das ehemals sozialistische Land die Staatsverschuldung durch strikte Haushaltsdisziplin stark. 1999 lag die Verschuldung noch bei fast 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2010 erreichte diese Schuldenquote den bisher niedrigsten Wert von 14,06 Prozent. Bulgarien gehört heute zu den Euroländern mit der niedrigsten Quote, derzeit sind es 23,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit dem Eurobeitritt wird Bulgarien einen Vertreter in den Rat der Europäischen Zentralbank entsenden, das Gremium, das über die Geldpolitik entscheidet. Deutschland dürfte in dem Land dann bei Auseinandersetzungen einen Alliierten für eine striktere Geldpolitik finden, weil Bulgarien wegen seiner geringen Schuldenquote nicht aus haushaltspolitischen Gründen auf niedrige Zinsen pochen muss. Der bulgarische Notenbankpräsident Dimitar Radev, der diese Aufgabe höchstwahrscheinlich übernehmen wird, ist bereits seit 2015 im Amt. Umgekehrt ist Deutschland ein wichtiger Handelspartner von Bulgarien. Viele deutsche Firmen haben sich in dem Land niedergelassen, im Jahr 2022 waren 3.600 Unternehmen mit deutscher Beteiligung in Bulgarien ansässig. Für manche dieser Unternehmen ist Bulgarien das Tor in die Balkanregion – und es bietet ihnen dafür gute Bedingungen: Das Land ist Teil des Schengenraums, es gilt also die Freizügigkeit im Personenverkehr. Die Kosten für Personal, Räume und Energie sind niedrig. Bei einer pauschalen Körperschaftsteuer von zehn Prozent bleibt viel Geld für Investitionen übrig. Der Euro macht es für Investoren aus dem Euroraum nun noch etwas leichter, dort Geschäfte zu verfolgen und den Aufschwung des Landes zu finanzieren. Das wird allerdings nur so lange gut gehen, wie die Geldgeber nicht von Korruption und politischen Turbulenzen abgeschreckt werden.