Wohnungsnot: Deutsche spenden Rekordsumme für Wohnungslose

Datum01.01.2026 12:04

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Spendenbereitschaft der Deutschen für Wohnungslose und überlastete Mieter wächst erheblich. Laut einer GoFundMe-Auswertung wurden 2025 insgesamt 6,8 Millionen Euro gesammelt, im Vorjahr waren es 2,3 Millionen. Mit etwa 5000 Kampagnen zeigt sich eine starke Solidarität der Gemeinschaften. Gleichzeitig steigt die Zahl der Zwangsräumungen und die Wohnungslosigkeit erreicht alarmierende Ausmaße. Die Bundesregierung plant Neubauten, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen, doch es fehlen weiterhin etwa 1,2 Millionen Wohnungen in Westdeutschland.

InhaltDie Wohnungsmärkte sind vielerorts stark angespannt, die Zahl der Zwangsräumungen steigt. Aber auch die Hilfsbereitschaft nimmt zu, wie eine Auswertung zeigt: Die Deutschen haben für Betroffene eine Millionensumme gespendet. Die Deutschen spenden zunehmend Geld für überlastete Mieter oder Wohnungslose. Dies zeigt eine Auswertung der US-Plattform GoFundMe, die dem SPIEGEL vorliegt. Demnach kamen 2025 auf der Spendenplattform rund 6,8 Millionen Euro für Aktionen zum Wohnungsmarkt zusammen. Im Vorjahr lag die Summe noch bei 2,3 Millionen Euro. Die Erhebung erfasste alle Spendenaktionen mit Schlüsselbegriffen wie Wohnen, Miete, Zwangsräumung oder Obdachlosigkeit. Insgesamt zählte das Unternehmen rund 5000 Kampagnen in diesem Bereich, im Vorjahr waren es noch rund 2400 gewesen. "Bei meinem diesjährigen Besuch in Deutschland ist mir bei den Gesprächen immer wieder ein Thema begegnet: die wachsende Sorge über die Lebenshaltungskosten – insbesondere bei Miete und Wohnkosten", sagte GoFundMe-Chef Tim Cadogan dem SPIEGEL. Die Krise sei in Deutschland besonders akut. Der Anstieg der Spendenaufrufe zeige aber auch eine Stärke Deutschlands: "eine ausgeprägte Kultur der Solidarität, in der sich Gemeinschaften mobilisieren, um Bedürftige zu unterstützen und Menschen in Not zu helfen." Über alle Bereiche hinweg kam auf der Spendenplattform in Deutschland bis zum 15. Dezember 2025 eine Summe von 137 Millionen Euro zusammen. Im Jahr 2024 waren es noch 111 Millionen Euro gewesen. In Deutschland gibt es derzeit etwa eine halbe Million wohnungslose Menschen, von denen der größte Teil in staatlichen Unterkünften oder bei Angehörigen und Freunden untergebracht ist. Laut dem Wohnungslosenbericht der Bundesregierung lebten Anfang 2024 47.300 Menschen auf der Straße oder in Behelfsunterkünften. Zwei Jahre zuvor wies die Statistik noch 37.400 aus. Zuletzt stieg auch die Zahl der Zwangsräumungen, wie eine Statistik des Justizministeriums zeigt. Demnach wurden 2024 mehr als 32.000 Wohnungen zwangsgeräumt, gut 2000 mehr als 2023. Die Miet- und Wohnungsbauexpertin der Linken, Caren Lay, hatte die Zahlen Mitte Dezember als "soziale Katastrophe" bezeichnet und gefordert, man müsse "Zwangsräumungen in die Wohnungslosigkeit verbieten". Es brauche mehr sozialen Wohnraum und einen verbesserten Kündigungsschutz für Mieter. Die Bundesregierung hofft, das Problem des Wohnungsmangels durch mehr Neubau in den Griff zu bekommen. Zuletzt erholte sich die Branche etwas, die Baugenehmigungen stiegen an. Aber das wird die Lücke kaum schließen: Allein in Westdeutschland fehlen 1,2 Millionen Wohnungen, schätzt das Forschungs- und Beratungsinstitut Pestel aus Hannover. Die Vereinten Nationen, das Europäische Parlament und die Bundesregierung haben das gemeinsame Ziel, die Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden.