Datum01.01.2026 07:33
Quellewww.zeit.de
TLDRZum Jahreswechsel ereigneten sich in Deutschland zahlreiche Vorfälle mit Pyrotechnik, darunter zwei Todesfälle in Bielefeld, wo zwei 18-Jährige durch selbstgebautes Feuerwerk verletzt wurden. In Berlin gab es fast 400 Festnahmen wegen Missbrauchs von Feuerwerkskörpern und Angriffe auf Einsatzkräfte, die während eines Großaufgebots von 4.300 Polizisten gegen Ausschreitungen vorgingen. Insgesamt war die Silvesternacht laut Polizei weniger problematisch als in den Vorjahren, jedoch gab es auch in anderen Städten wie Leipzig und Hamburg Zwischenfälle.
InhaltDie Berliner Polizei hat Hunderttausende Pyroartikel beschlagnahmt und viele Randalierende festgenommen. In Bielefeld starben zwei Männer durch selbst gebautes Feuerwerk. Zum Jahreswechsel ist es in Deutschland zu zahlreichen Angriffen auf Einsatzkräfte gekommen. Mindestens zwei Menschen starben zudem durch Pyrotechnik. In Berlin gab es Hunderte Festnahmen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren landesweit im Großeinsatz. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick: In Bielefeld sind zwei Menschen durch Feuerwerkskörper getötet worden. Die beiden 18-Jährigen hätten an unterschiedlichen Orten selbst gebaute Pyrotechnik gezündet, teilte die Polizei mit. Dabei seien die Männer tödlich im Gesicht verletzt worden. In der Gemeinde Reddelich in der Nähe von Rostock verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. Der Junge kam in der Silvesternacht mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Böller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt. In Berlin nahm die Polizei rund 400 Menschen wegen Missbrauchs von Feuerwerk vorläufig fest. Es gehe in den meisten Fällen um Verstöße gegen Sprengstoffvorschriften, teilte die Polizei mit. Manche Menschen hätten Raketen waagerecht durch die Gegend geschossen und Böller auf andere geworfen, sagte ein Polizeisprecher. 21 Polizisten seien leicht verletzt worden, viele davon durch Knalltraumata von Böllern, die nahe dem Kopf explodiert seien. Die Berliner Polizei war in dieser Silvesternacht mit einem Großaufgebot von 4.300 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, das sind 3.300 mehr als in normalen Nächten. Laut Innensenatorin Spranger arbeiteten zudem 1.600 Feuerwehrleute. Die Böllerei und das Geschehen auf den Straßen seien besonders in Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln und Wedding ziemlich heftig, sagte die Polizei. Menschen hätten mit Feuerwerksraketen und Böllern auf Einsatzkräfte geschossen und geworfen. In Spandau sollen Menschen durch die Explosion einer Kugelbombe verletzt worden sein. Insgesamt habe sich die Nacht positiver und weniger problematisch entwickelt als in den vergangenen Jahren. "Wir haben keine schweren Verletzungen bei Kollegen und auch nicht bei feiernden Menschen. Und wir haben auch nicht so schwere Vorkommnisse und Sachbeschädigungen wie im letzten Jahr", heißt es in einer vorläufigen Bilanz der Polizei. Schon im Vorfeld hatte die Berliner Polizei versucht, illegale Böller und Pyrotechnik aufzuspüren und zu beschlagnahmen. Bis zum Silvesterabend wurden so 220.000 illegale, falsch gelagerte oder unzulässig verkaufte Feuerwerkskörper gefunden, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Ein großer Teil davon gehöre zur Kategorie F4, die nur von Experten mit Ausbildung und Genehmigung verwendet werden dürfe und für Amateure sehr gefährlich sei. Auch in der Nacht sei laut Polizei noch kiloweise illegale Pyrotechnik beschlagnahmt worden. Bei Durchsuchungen von Autos und einer Wohnung im Berliner Stadtgebiet stellte die Polizei nach eigenen Angaben auch Kugelbomben sicher. Vergangenes Jahr hatte es in der Silvesternacht Ausschreitungen und schwerwiegende Vorfälle mit Kugelbomben gegeben. Auch in anderen Teilen Deutschlands befanden sich Polizei und Feuerwehr in Alarmbereitschaft. Die Feuerwehr musste in mehreren Bundesländern wegen Bränden ausrücken. Im hessischen Marburg wurde nach Polizeiangaben bereits am Nachmittag ein Mensch bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus leicht verletzt. Ermittler vermuten, dass Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst haben könnten. In Leipzig kam es in der Silvesternacht zu Zwischenfällen und Bränden. Nicht nur im für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz, sondern auch in der Leipziger Innenstadt gab es Feuer, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Mülleimer brannten. Auch in Hamburg waren die Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zehn Polizeibeamte wurden nach Angaben der Hamburger Polizei verletzt. Um ein mögliches Böllerverbot in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen, nachdem es in den vergangenen Jahren zu Böllerangriffen auf Polizisten und Rettungskräfte gekommen war. Regelmäßig werden Menschen durch Pyrotechnik verletzt oder getötet. In den Niederlanden, wo ab dem neuen Jahr ein Böllerverbot gilt, ist die Nacht mit erlaubten Feuerwerkskörpern eskaliert. In etlichen Städten musste die Polizei dort wegen Gewalt und Unglücken mit Pyrotechnik ausrücken. In der italienischen Hauptstadt Rom kam indes trotz eines Böllerverbots in der Silvesternacht ein Mann bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers ums Leben, den er offenbar selbst gezündet hatte. In Rom gilt vom letzten Tag des Jahres bis zum 7. Januar ein Verbot für Feuerwerk und Silvesterböller.