Mitgliedschaft bei Volksbanken: Genossenschaftsbanken wollen bei junger Kundschaft aufholen

Datum01.01.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Genossenschaftsbanken in Deutschland wollen ihre Mitgliedszahlen bei jungen Kunden steigern, um mit Neobanken wie N26 und Trade Republic konkurrieren zu können. Vorstandsvorsitzender Michael Hoeck betont die Notwendigkeit, schneller zu werden und digitale Kompetenzen auszubauen. Während die Mitgliederzahlen insgesamt stabil bleiben, ist die Altersstruktur problematisch, da die Banken Schwierigkeiten haben, jüngere Mitglieder zu gewinnen. Hoeck fordert effektive Beratung zur Geldanlage und warnt vor der Gefahr, dass Ersparnisse durch Inflation an Wert verlieren. Fusionen unter den Instituten nehmen ebenfalls zu.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Mitgliedschaft bei Volksbanken“. Lesen Sie jetzt „Genossenschaftsbanken wollen bei junger Kundschaft aufholen“. Im Wettstreit um jüngere Kundschaft fordert der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes, Michael Hoeck, mehr Tempo von der genossenschaftlichen Bankengruppe. "Dass wir schneller werden müssen, steht außer Frage", sagte Hoeck der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. "Bei jungen Zielgruppen muss natürlich noch mehr passieren. Wir sehen ja, wie Wettbewerber ins Geschäft einsteigen. Der Bankenmarkt in Deutschland wird tendenziell noch enger, da haben wir natürlich Abwehrkämpfe zu führen." Neobanken wie N26, Trade Republic und Revolut mischen seit Jahren den Markt auf und locken mit niedrigen Gebühren und benutzerfreundlichem digitalem Angebot. Der Online-Broker Trade Republic, der rein auf App-Basis agiert und keine Filialen unterhält, steht allerdings immer wieder in der Kritik wegen Mängeln beim Service. N26 hatte wiederholt wegen Mängeln etwa beim Thema Geldwäschebekämpfung die Finanzaufsicht Bafin am Hals. "Wir haben keinen Grund, in Panik zu verfallen", sagte Hoeck, der den Verband seit dem 1. September führt, angesichts wachsender Konkurrenz. "Im Gegenteil: Wir kommen aus einer soliden Marktposition, die wir über die Jahre ausgebaut haben, und wir stellen jetzt Wettbewerber fest, die wir aufmerksam beobachten müssen." Die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken sind bemüht, ihre Kundschaft als Mitglieder enger an sich zu binden. Bei den 264 Instituten im Gebiet des Genoverbandes blieb die Zahl der Mitglieder im laufenden Jahr nach Angaben von Hoeck stabil - entgegen dem bundesweiten Trend rückläufiger Mitgliederzahlen. "Aber die Altersstruktur lässt natürlich schon erkennen, dass wir überdurchschnittlich mehr alte Mitglieder haben und dass wir uns in den jüngeren Kundengruppen schwerer tun." Der Verbandschef, der zuvor lange in führender Funktion in Volksbanken tätig war, bilanziert: "Wir haben unsere digitalen Kompetenzen deutlich ausweiten können, aber wir haben natürlich noch Luft nach oben." Hoecks Credo: "Wir sollten in der Gruppe Mitgliedschaft so gestalten, dass wir in der jungen Zielgruppe relevant bleiben. Und dann gelingt es uns auch, die Mitgliederzahlen stabil zu halten. Bei dem demografischen Druck, der dahinter ist, sind stabile Mitgliederzahlen schon ein Erfolg." Über Zinsaktionen will Hoeck aber nicht zum Erfolg kommen: "Mit Lockangeboten haben wir noch nie einen Blumentopf gewonnen." Was ihn mit beim Thema Geldanlage besorge sei vielmehr, dass "ein Phänomen aus der Niedrigzinsphase" zurückkomme: "Die Menschen verlieren wieder ihre Struktur beim Geldanlegen." Traditionell lassen viele Menschen in Deutschland reichlich Geld auf niedrig oder gar nicht verzinsten Tages- und Girokonten liegen. Jetzt fange "diese Lethargie schon wieder an", bedauerte Hoeck. Es gebe leider "eine deutsche Angst, dass man am Aktienmarkt viel Geld verlieren kann". Hoeck betonte: "Sie können mit Tagesgeld die Inflation nicht schlagen." Abzüglich der Teuerungsrate verlieren Ersparnisse dann an Wert. "Unser Job ist es, die Menschen dahin zu beraten, dass sie die Inflation schlagen können." Beraten wird auch bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken immer häufiger auf digitalen Kanälen. Gerade kleinere Filialen auf dem Land werden geschlossen. Und auch die Zahl der Institute sinkt seit Jahren: "Wir hatten dieses Jahr elf Fusionen, und für nächstes Jahr sind schon wieder zehn angemeldet", schilderte Hoeck. "Ich rechne auch in den nächsten Jahren mit einer zweistelligen Zahl von Fusionen in unserem Verbandsgebiet." © dpa-infocom, dpa:260101-930-485543/1