Datum19.10.2025 10:20
Quellewww.spiegel.de
TLDRChina beschuldigt die US-Geheimdienst NSA, Cyberangriffe auf sein nationales Zeitmesssystem durchgeführt zu haben, was potenziell schwerwiegende Folgen für Finanzsysteme und die Stromversorgung gehabt hätte. Laut dem chinesischen Ministerium für Staatssicherheit wurde zwischen 2022 und 2024 auf das Zeitdienst-Zentrum zugegriffen, unter Ausnutzung einer Schwachstelle bei einer Smartphone-Marke. Diese Vorwürfe erhöhen die bereits bestehenden Spannungen zwischen China und den USA, die sich gegenseitig Cyberangriffe vorwerfen.
InhaltNeue Spannungen zwischen China und den USA: Peking spricht von Cyberangriffen, Washington habe damit schwere Folgen für Finanzsysteme und Stromversorgung riskiert. China wirft den USA Cyberangriffe und Spionage vor. Ziel der Attacken sei die nationale Aufsicht der Zeitmessung gewesen, teilte das Ministerium für Staatssicherheit am Sonntag mit. Eine Störung hätte schwerwiegende Folgen für Kommunikationsnetze, Finanzsysteme, die Stromversorgung und die internationale Standardzeit haben können. Der US-Geheimdienst NSA habe über einen längeren Zeitraum Attacken auf das nationale Zeitdienst-Zentrum gestartet, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums auf seinem WeChat-Konto. Demnach wurden Beweise für gestohlene Daten und Zugangsdaten gefunden, die bis 2022 zurückreichen. Diese seien genutzt worden, um die Mobilgeräte der Mitarbeiter und die Netzwerksysteme des Zentrums auszuspionieren. Der US-Geheimdienst habe eine Schwachstelle einer ausländischen Smartphone-Marke ausgenutzt, um auf die Geräte von Mitarbeitern zuzugreifen. Die Marke wurde nicht genannt. Zudem habe der amerikanische Geheimdienst zwischen August 2023 und Juni 2024 versucht, das hochpräzise Zeitmesssystem zu attackieren. Die NSA habe ihre Angriffe häufig in den späten Nacht- und frühen Morgenstunden Pekings gestartet, heißt es in der Erklärung. Sie nutze dabei virtuelle private Server in den USA, Europa und Asien, um den Ursprung der Angriffe zu verschleiern. In der Erklärung auf WeChat bezeichnet das chinesische Staatssicherheitsministerium die USA als das wahre "Hackerimperium" und die größte Quelle der Instabilität im Cyberspace. Eine Stellungnahme der US-Botschaft lag zunächst nicht vor. China und die USA haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend gegenseitig Cyberangriffe vorgeworfen. Beide Seiten betrachten die jeweils andere als ihre größte Bedrohung in diesem Bereich. Im August hatten 22 westliche Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden, darunter auch die NSA und der deutsche Bundesnachrichtendienst in einer gemeinsamen Erklärung von chinesischen Cyberangriffen vor allem auf Telekommunikationsunternehmen und Internetdienstanbieter berichtet. Auch deutsche Firmen sehen sich zunehmend mit Spionage, Sabotage und Datendiebstahl konfrontiert. In einer im September veröffentlichten Studie des Digitalverbandes Bitkom wurde der Schaden für die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr auf 289 Milliarden Euro geschätzt. Geheimdienste, besonders aus Russland und China, werden häufiger als Täter ermittelt oder vermutet, heißt es im Bericht. Die chinesische Botschaft hatte die Ergebnisse der Bitkom-Studie nach ihrer Veröffentlichung zurückgewiesen: "Hackeraktivitäten werden in China weder gefördert, unterstützt noch geduldet", hieß es in der Mitteilung. Tatsächlich sei China "eines der Hauptopfer von Cyberangriffen".