Waffenruhe im Gazakrieg: USA warnen vor Angriff der Hamas auf palästinensische Zivilisten

Datum19.10.2025 02:45

Quellewww.spiegel.de

TLDRDas US-Außenministerium warnt vor einem bevorstehenden Angriff der Hamas auf palästinensische Zivilisten im Gazastreifen, was einen schwerwiegenden Verstoß gegen die derzeitige Waffenruhe darstellen würde. Israel und die Hamas beschuldigen sich gegenseitig, die Waffenruhe zu verletzen, während die Garantiemächte, darunter die USA, auf die Einhaltung des Friedensplans drängen. Die Hamas hat zwar lebende Geiseln freigelassen, bei der Übergabe verstorbener Geiseln gibt es jedoch Verzögerungen. Donald Trump drohte der Hamas mit Konsequenzen, falls sie weiterhin Zivilisten töten sollte.

InhaltDas US-Außenministerium will glaubwürdige Berichte haben, wonach Attacken der Hamas auf die Bevölkerung im Gazastreifen "unmittelbar" bevorstehen. Derweil werfen sich Israel und die Terrororganisation gegenseitig vor, die Waffenruhe zu verletzen. Das US-Außenministerium warnt vor einem "unmittelbar bevorstehenden" geplanten Angriff der islamistischen Hamas auf palästinensische Zivilisten. Die USA hätten die Garantiemächte des Gaza-Friedensplans über "glaubwürdige Berichte" informiert, die auf eine Verletzung der bestehenden Waffenruhe hindeuteten, teilte das Ministerium mit. Ein solcher Angriff würde "einen direkten und schwerwiegenden Verstoß gegen die Waffenruhevereinbarung darstellen" und die Fortschritte im Friedensprozess untergraben. Die Garantiemächte fordern die Hamas laut der Mitteilung auf, "ihren Verpflichtungen aus dem Waffenstillstandsabkommen nachzukommen". Weiter heißt es daran: "Sollte die Hamas diesen Angriff durchführen, werden Maßnahmen ergriffen, um die Bevölkerung von Gaza zu schützen und den Bestand der Waffenruhe zu wahren." Welche Maßnahmen genau gemeint sind, wird in der Mitteilung des Außenministeriums  nicht ausgeführt. Die USA und die übrigen Garantiemächte seien weiterhin entschlossen, sich für die Sicherheit der Zivilbevölkerung, die Aufrechterhaltung der Ruhe vor Ort und die Förderung von Frieden und Wohlstand für die Menschen im Gazastreifen und die gesamte Region einzusetzen. Zu diesen Staaten zählen neben den USA auch Ägypten, Katar und die Türkei. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Nach rund zwei Jahren Krieg im Gazastreifen hatten Israel und die Hamas bei indirekten Gesprächen im ägyptischen Küstenort Scharm al-Scheich vor einer Woche eine Einigung über die erste Phase des jüngst von US-Präsident Donald Trump vorgestellten Friedensplans erzielt. Beide Seiten warfen sich am Samstag allerdings vor, gegen das Abkommen zu verstoßen. Dabei geht es vor allem um die Übergabe der verstorbenen Geiseln sowie um die Lieferung humanitärer Hilfe. Die erste Phase von Trumps Friedensplan sieht unter anderem vor, dass die Hamas alle lebenden und toten Geiseln an Israel übergibt. Die Hamas hatte am vergangenen Montag zwar alle lebenden Geiseln freigelassen (und im Gegenzug wurden fast 2000 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen). Bei der Überführung der verstorbenen Geiseln gibt es allerdings massive Verzögerungen. Laut der Waffenruhevereinbarung muss die Hamas 28 Leichen übergeben. Am Samstagabend händigte die Hamas zwei weitere Leichen an Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) aus. Sollte Israel ihre Identität bestätigen, würden dann noch immer 16 tote Geiseln im Gazastreifen verbleiben. Die Hamas beruft sich darauf, dass es für sie schwierig sei, die Leichen zu finden, weil sie unter den Trümmern bombardierter Gebäude und Tunnel verschüttet seien. Israels Premier Benjamin Netanyahu erklärte am Samstag, der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten bleibe bis auf Weiteres geschlossen (mehr dazu hier). Die Wiedereröffnung hänge davon ab, dass die Hamas die Leichen verstorbener Geiseln übergebe. Netanyahu widersprach damit einer Ankündigung der palästinensischen Botschaft in Ägypten, wonach der für die Zivilbevölkerung wichtige Übergang am Montag wieder geöffnet werden sollte. Die Hamas bezeichnete Netanyahus Entscheidung in einer Erklärung vom späten Samstag als "eklatanten Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen". Die fortgesetzte Schließung des Grenzübergangs Rafah verhindere die Einfuhr von Ausrüstung, die für die Suche nach weiteren Leichen unter den Trümmern benötigt werde. Trump hatte der Hamas am Donnerstag mit dem Tode gedroht, sollte die Terrororganisation weiter Menschen im Gazastreifen töten. In diesem Falle "werden wir keine Wahl haben, als hineinzugehen und sie zu töten", schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. Im Weißen Haus machte er später auf Nachfrage klar, dass keine US-Kräfte in den Gazastreifen einrücken sollen. Es gebe Leute "ganz in der Nähe", die das machen würden – gemeint sein dürfte Israels Armee. Sie bekämen das leicht hin, aber unter Patronat der USA, betonte Trump. Zuvor hatten Berichte über Tötungen im Gazastreifen durch Hamas-Kämpfer international für Empörung gesorgt (mehr dazu hier ). Auslöser des Gazakriegs war das schlimmste Massaker in Israels Geschichte durch Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen. Am 7. Oktober 2023 wurden nahe der Grenze zum Gazastreifen auf israelischer Seite etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 verschleppt. Israel reagierte mit massiven Angriffen aus der Luft und am Boden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden mehr als 67.000 Menschen getötet.