Bayern München schlägt auch Borussia Dortmund: Im Sprint zur Meisterschaft

Datum18.10.2025 20:46

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer FC Bayern München besiegte Borussia Dortmund mit 2:1 und feierte den siebten Sieg in sieben Spielen, was ihre Tabellenführung in der Bundesliga festigte. Dortmunder Adeyemi vergab eine wichtige Ausgleichschance. Harry Kane erzielte ein Tor, das jedoch von einem umstrittenen Schubser begleitet war. Währenddessen gab es Proteste gegen Jérôme Boateng, der aktuell für ein Trainerpraktikum diskutiert wird. Bayern könnte in dieser Saison nur durch eine Verletzung von Kane ernsthaft gestoppt werden.

Inhalt27:4 Tore, siebter Sieg, so die Bilanz des FC Bayern nach dem Duell gegen Borussia Dortmund. Niemand scheint die Münchner auf dem Weg zur Meisterschaft aufhalten zu können. Doch es droht Unruhe in der Causa Boateng. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Ausrutscher des Spiels: Plötzlich hätte Karim Adeyemi diesen Abend komplett verändern können. Obwohl es in diesem Bundesliga-Topspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund nur 1:0 stand, hatten die Münchner deutlich mehr Torchancen, viel mehr Ballbesitz und die totale Spielkontrolle. Doch dann unterlief Joshua Kimmich ein folgenreicher Fehlpass – ein Querpass zum Gegner direkt vor dem eigenen Strafraum, gegen jede Regel im Fußball-Schulbuch. Für den BVB öffnete sich so in der 65. Minute die Tür zum Ausgleich. Doch bei seinem Abschluss rutschte Adeyemi aus und setzte den Ball über das Tor. Ergebnis: Ein Dortmunder Treffer fiel zwar noch durch Julian Brandt in der 84. Minute, aber nur zum 1:2 und danach hielt die Münchner Abwehr stand. Die Bayern siegten am siebten Spieltag zum siebten Mal in dieser Saison und festigten dadurch ihre klare Tabellenführung. Dortmund ist mit 14 Punkten Tabellenvierter. Den Spielverlauf können Sie hier im SPIEGEL-Liveticker nachlesen. Zur großen Bundesliga-Übersicht mit der Tabelle und allen Spieltagen geht es hier. Traumzahlen: Vier Punkte trennten beide Teams vor dem Anpfiff – ein Hauch von Topspiel lag in der Luft, nicht nur im DFL-Werbesprech. Vor allem auch dank Niko Kovač: Unter seiner Regie gewann der BVB 13 seiner 20 Bundesligapartien, im Schnitt holte er 2,1 Punkte in der Liga – der beste Wert eines Dortmunder Trainers überhaupt. Seit seinem Amtsantritt im Februar hat Dortmund 42 Zähler eingesammelt, nur die Bayern kamen auf mehr (49). Dünner Kader noch mal dünner: Bei 25:3 Toren und einer makellosen Bilanz von sechs Siegen musste trotzdem nicht lange gerätselt werden, wer in diesem Spiel favorisiert war. Die Bayern spielen bisher eine überragende Saison, doch man muss eine Einschränkung machen: Wohl stimmen die Spitzenleistungen nur, solange sich nicht noch jemand im ausgedünnten Kader verletzt. Gegen den BVB meldete sich dann Serge Gnabry mit Adduktorenproblemen ab. Der Offensivspieler ist mit seinen bisherigen sechs Torbeteiligungen so gut wie lange nicht mehr. Aber ist er auch unersetzlich? Ein diskutabler Schubser: Eckball von Joshua Kimmich, Kopfball von Harry Kane – 1:0 nach 22 Minuten. Die Gnabry-Frage war damit beantwortet, denn Kane trifft offenbar einfach immer. In diesem Fall hätte man sich allerdings fragen dürfen, ob der Treffer regulär war. Mit einem leichten Schubser gegen Dortmunds Stürmer Serhou Guirassy verschaffte sich Kane ausreichend Platz für seinen Kopfball. Der VAR sah aber kein Foul und griff gar nicht erst ein. Suche nach der Rolle: Die Angriffe der Bayern waren gegen einen lange überforderten BVB gut anzusehen. Vor allem Michael Olise auf der rechten Seite initiierte etliche Vorstöße und arbeitet stark an seinen Statuspunkten als legitimer Arjen-Robben-Nachfolger. In der 36. Minute hatte der Franzose Pech, als er nach einem Doppelpass nur den linken Außenpfosten traf. Einer schien bei diesem Tempofußball fast fremd: die Millionen-Leihgabe des FC Chelsea, Nicolas Jackson. Der 24-Jährige presste viel und verschaffte anderen Angreifern dadurch Räume, was ihm Fleißpunkte einbrachte. Nur mit dem Ball sah man Jackson kaum. Nicht willkommen: Kurz nach der Halbzeitpause positionierte sich die Münchner Südkurve mit mehreren Plakaten, auf denen stand: "Kein Platz für Charakterschweine." Damit protestierten die Fans gegen Jérôme Boateng, der beim FC Bayern derzeit für ein Trainerpraktikum im Gespräch ist. Der ehemalige Bayern-Verteidiger und Weltmeister von 2014 wurde vom Landgericht München wegen vorsätzlicher Körperverletzung an einer Ex-Freundin schuldig gesprochen, allerdings wurde er dafür nur verwarnt. Boateng räumte die vorgeworfenen Taten – Schläge, Würgen, Beleidigungen – nie vollständig ein, sondern sprach lediglich von Schubsern. Bisher hielten sich die Bayern-Bosse zu der möglichen Hospitanz unter Cheftrainer Vincent Kompany – ein ehemaliger Teamkollege Boatengs beim HSV und Manchester City – bedeckt. Mehr über den Fall lesen Sie hier.  Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Ein Tor erzwungen: Die Dortmunder fielen nach Adeyemis Ausrutscher-Schuss erst wieder durch einen Fehler des eingewechselten Jobe Bellingham auf, der in der 79. Minute den Ball vor dem eigenen leeren Tor einfach nicht geklärt bekam. Sicher wird bei diesem 2:0 der Münchner auch die entschlossene Verfolgung des Balls durch Olise in Erinnerung bleiben, durch die er sich das Tor erkämpfte. Es lohnt sich jedoch, den Angriff ab Beginn zu sehen: Mit einem traumhaften langen Seitenwechsel aus der eigenen Hälfte wurde das Tor überhaupt erst eingeleitet. Verantwortlich dafür war: Harry Kane. Er ist eben weit mehr als nur ein Torjäger. Ausblick: Bis zur nächsten Länderspielpause warten auf den FC Bayern die sieglosen Gladbacher, der sehr solide Aufsteiger 1. FC Köln, das sich neu erfindende Bayer Leverkusen sowie Union Berlin. Es besteht kaum Zweifel daran, dass die Münchner dann noch immer als Tabellenführer in die Pause gehen werden. Schon jetzt führen sie mit fünf Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten RB Leipzig – und das in einer Saison, in der der Kader der Bayern so dünn besetzt ist wie nie zuvor. Wahrscheinlich könnte den FC Bayern in diesem Jahr nur eine ernsthafte Kane-Verletzung stoppen. Aber erstens wünscht man das niemandem und zweitens: Wann war der 32-Jährige in seiner Karriere überhaupt mal ernsthaft länger verletzt? Genau, eigentlich noch nie.