Datum18.10.2025 20:43
Quellewww.spiegel.de
TLDRIsrael hat die Öffnung des Grenzübergangs Rafah für Hilfslieferungen in den Gazastreifen bis zur Rückgabe aller toten Geiseln durch die Hamas verzögert. Premierminister Netanyahu betont, dass eine Wiedereröffnung von der Erfüllung der Verpflichtungen durch die Hamas abhängt. Während die Hamas angekündigt hat, weitere Leichen zu übergeben, bleibt der Zugang zu humanitärer Hilfe eingeschränkt. Gleichzeitig wurden bei einem israelischen Angriff in Gaza mehrere Zivilisten, darunter Kinder, getötet, was die Spannungen weiter anheizt.
InhaltHilfslieferungen für die Bevölkerung im Gazastreifen sind Teil des Waffenruhe-Abkommens. Doch Israel will den wichtigen Grenzübergang Rafah erst öffnen, wenn die Hamas alle toten Geiseln übergeben hat. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu will den wichtigen Grenzübergang Rafah erst dann für Hilfslieferungen in den Gazastreifen öffnen, wenn die Hamas die Leichen aller getöteten Geiseln übergeben hat. "Premierminister Netanyahu hat angeordnet, dass der Rafah-Übergang bis auf Weiteres geschlossen bleibt", erklärte sein Büro am Samstagabend. "Die Wiedereröffnung wird davon abhängen, inwieweit die Hamas ihren Verpflichtungen zur Rückgabe der Geiseln und der Leichen der Verstorbenen nachkommt und die vereinbarten Bedingungen umsetzt. Netanyahu widersprach damit Angaben der Palästinenser, wonach der Grenzübergang Rafah am Montag wieder geöffnet werde. In Ägypten lebende Palästinenser könnten dann in den Gazastreifen zurückkehren, hatte die palästinensische Vertretung in Ägypten am Samstagnachmittag mitgeteilt. Der Übergang ist seit Mai 2024 fast durchgehend geschlossen. Hilfslieferungen für die Bevölkerung im Gazastreifen sind Teil des Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas, das vor gut einer Woche Kraft getreten war. Laut dem von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Waffenruhe-Abkommen mit Israel hätte die Hamas neben den 20 von ihr übergebenen überlebenden Geiseln auch alle 28 toten Geiseln bereits am vergangenen Montag an Israel überstellen müssen. Jedoch übergab die Hamas bis Freitagabend nur zehn tote Geiseln. Wegen der Verzögerung drohte die israelische Regierung der Hamas mit der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen. Die Hamas erklärte am Samstag, sie werde um 22 Uhr Ortszeit zwei weitere Leichen israelischer Geiseln übergeben. Die vereinbarten Hilfslieferungen waren unmittelbar nach der Einigung angelaufen. Lastwagen mit Hilfsgütern kamen dafür über den Grenzübergang Kerem Schalom in den Gazastreifen. Die Uno und das Rote Kreuz forderten aber, alle Übergänge für Hilfslieferungen zu öffnen, der Übergang Rafah ist dabei von zentraler Bedeutung. Der Grenzübergang Rafah liegt zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Die israelische Armee hatte im Mai vergangenen Jahres die Kontrolle über dessen palästinensische Seite übernommen. Seitdem ist der Zugang zu dem Grenzübergang abgesehen von einigen kurzen Ausnahmen gesperrt. Damit bleibt die humanitäre Hilfe für Gaza vorerst eingeschränkt. Zeitgleich berichtet die Hamas von weiteren zivilen Opfern in Gaza. Der Hamas-Zivilschutz im Gazastreifen hat am Samstag den Vorwurf erhoben, dass neun Menschen in der Stadt Gaza durch israelischen Beschuss getötet worden seien. Zusammen mit dem Roten Kreuz habe der Zivilschutz neun Leichen geborgen, nachdem die israelische Armee am Freitag einen Bus mit Geflüchteten in der Stadt beschossen habe, erklärte der Sprecher der Hamas-Behörde, Mahmud Bassal, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Alle Opfer gehörten demnach einer einzigen Familie an. Unter den Todesopfern seien vier Kinder und drei Frauen. Der Angriff habe sich ereignet, als die Familie den Zustand ihres Hauses nach den Bombardierungen in der Stadt Gaza während des Krieges habe inspizieren wollen. Die israelische Armee erklärte ihrerseits, sie habe ein verdächtiges Fahrzeug "identifiziert", das dabei gewesen sei, die Rückzugslinie der israelischen Armee im Gazastreifen zu überqueren. Nach Warnschüssen hätten die Soldaten "das Feuer eröffnet, um die Bedrohung zu beseitigen". Dies entspreche dem zwischen beiden Seiten geschlossenen Waffenstillstandsabkommen.