Altes Brauchtum: Gegen böse Geister - Räuchern in den Raunächten

Datum24.12.2025 03:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Raunächte, zwischen Weihnachten und Dreikönigsfest, gelten als besondere Zeit voller Mythen, in der böse Geister umherstreifen. Schutz bieten alte Bräuche wie das Räuchern, das bereits in vorchristlicher Zeit praktiziert wurde. Naturführerin Siglinde Seipel-Groß erklärt, dass verschiedene Kräuter wie Salbei, Beifuß oder Wacholder spezifische Wirkungen haben. Der Brauch hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und erfordert wenig Aufwand: Heimische Kräuter sind dabei ebenso wirksam wie exotisches Räucherwerk.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Altes Brauchtum“. Lesen Sie jetzt „Gegen böse Geister - Räuchern in den Raunächten“. Wenn die Zeit in den Tagen und Nächten zwischen den Jahren scheinbar innehält, beginnt eine Phase voller Mythen. Die Nächte von Weihnachten bis zum Dreikönigsfest gelten seit Jahrhunderten als besondere Schwellenzeit – als Raunächte, in denen auch das Unheimliche seinen Platz hat, wie Naturführerin Siglinde Seipel-Groß erklärt. In den Raunächten, so erzählten sich früher die Menschen, seien böse Geister, ruhelose Seelen und wilde Gestalten in der Dunkelheit unterwegs, berichtet sie weiter. Ein Mittel, um sich dagegen zu schützen, sei schon in vorchristlicher Zeit das Räuchern gewesen, erklärt die Räucherexpertin bei einer Führung der Marketingagentur Spessart Tourismus, in der es um dieses alte Brauchtum geht. "Die Menschen saßen in dieser Zeit in der Stube zusammen, erzählten sich Märchen und räucherten", berichtetet Seipel-Groß. Entweder seien die Räucherkräuter ins offene Feuer geworfen worden oder auf glühende Kohlenstücke, die sich in Schalen befanden. Auch die Ställe seien ausgeräuchert worden, um das Vieh zu schützen. Je nach Überlieferung beginnen nach ihren Worten die Raunächte an Weihnachten oder zur Wintersonnenwende am 21. Dezember. Nicht nur in den Raunächten, sondern an allen wichtigen Festen im Jahreskreis hätten Kelten und Germanen geräuchert, um ihre Gottheiten milde zu stimmen, sagt Seipel-Groß. Geräuchert wurde beispielsweise mit Beifuß, Salbei, Wacholder, Engelwurz oder Fichtenharz. Jedes Kraut habe dabei laut Überlieferung seine eigene Wirkung. So löse Salbei belastende Gedanken und Gefühle auf, zählt die Naturführerin auf. Beifuß erleichtere in Phasen der Veränderung das Loslassen und den Neubeginn. Wacholder stärke Konzentration und Willenskraft, Engelwurz wirke kräftigend und revitalisierend. Der Duft des Fichtenharzes sei wärmend und schützend und eine wichtige Zutat bei reinigenden Hausräucherungen. In den vergangenen Jahren hat der uralte Brauch nach ihrer Beobachtung an Beliebtheit gewonnen. Räuchern erfordere wenig Aufwand: "Man kann einfach eine etwas größere Schale nehmen, füllt unten ein wenig Sand ein, legt darauf die Räucherkohle und dann das Räucherwerk." Alternativ gebe es auch spezielle Räucherpfannen oder Räucherbündel. Exotisches Räucherwerk wie Weihrauch oder Styrax sei nicht nötig, erklärt Seipel-Groß. Heimische Kräuter sind nach ihrer Auffassung mindestens genauso gut geeignet. © dpa-infocom, dpa:251224-930-463365/1