Datum17.10.2025 18:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie USA haben die Einigung auf ein internationales Klimaschutzabkommen für die Schifffahrt verhindert, das eine Reduzierung der CO₂-Emissionen vorsah. Trotz breiter Unterstützung von Ländern wie China und der EU, drückten die USA auf eine Verschiebung des Votums und drohten mit Sanktionen. Die geplanten Regeln, die ab 2027 gelten sollten, umschlossen Schiffe über 5000 Tonnen, die 85% der CO₂-Emissionen ausmachen. IMO-Generalsekretär Dominguez äußerte Enttäuschung über die Situation.
InhaltJahrelang wurde verhandelt, ein Durchbruch stand kurz bevor, doch aus einem internationalen Abkommen für mehr Klimaschutz in der Schifffahrt wird nichts. Vor allem, weil sich die USA vehement querstellten und anderen drohten. Schiffe weltweit sollen weniger CO₂ ausstoßen, ein internationales Abkommen dazu wurde zuletzt intensiv verhandelt. Doch nun haben die Mitgliedstaaten der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) dafür gestimmt, ein Votum über das Abkommen zu verschieben. Hintergrund ist massiver Druck, den die USA in den vergangenen Tagen ausgeübt hatten, um das Vorhaben zu verhindern, das als wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz gilt. Die IMO ist eine Sonderorganisation der Uno. Die Mehrheit seiner Mitgliedstaaten hatte sich im April grundsätzlich für ein System der Bepreisung der CO₂-Emissionen von Schiffen ausgesprochen. In dieser Woche sollte der IMO-Umweltausschuss das Abkommen besiegeln. Länder wie China, Brasilien, Großbritannien sowie die EU unterstützen das Vorhaben. Stark vom Klimawandel betroffenen Ländern wie den pazifischen Inseln gingen die vereinbarten Regeln nicht weit genug. Eine Reihe von großen Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate war dagegen. Deshalb war bereits seit Jahren intensiv und teils erbittert verhandelt worden. In der Regel setzt die IMO auf Mehrheitsentscheide und Konsens, die nötige Zweidrittelmehrheit für das CO₂-Preissystem galt als wahrscheinlich. Die USA scheinen diese jedoch entscheidend mit verhindert zu haben: In ihrem Widerstand gegen das Vorhaben gingen sie so weit, Ländern mit Sanktionen wie Visabeschränkungen und Hafengebühren zu drohen, sollten sie sich für die CO₂-Bepreisung einsetzen. Präsident Donald Trump schaltete sich über seinen Onlinedienst Truth Social in die Debatte ein: "Die Vereinigten Staaten werden diese globale grüne neue Betrugssteuer auf die Schifffahrt nicht hinnehmen", erklärte er. Die internationale Schifffahrt stößt erhebliche Mengen Treibhausgase aus, die den Klimawandel weiter anheizen. Derzeit ist sie für etwa drei Prozent der globalen Emissionen von Kohlendioxid (CO₂) verantwortlich – ein Anteil, der etwa dem der Luftfahrt entspricht. Ozeanriesen, die hauptsächlich Schweröl, Marinediesel oder Flüssigerdgas verbrennen, gehören damit zu den großen Umweltsündern der Welt. Die CO₂-Bepreisung soll dafür sorgen, dass Schiffe verstärkt auf weniger klimaschädliche Kraftstoffe umgerüstet werden. Nun wird das Votum aber verschoben. Die Regeln sollten erst ab 2027 greifen und große Schiffe mit mehr als 5000 Tonnen Ladekapazität betreffen. Diese machen nach Angaben der IMO 85 Prozent der gesamten CO₂-Emissionen der internationalen Schifffahrt aus. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez trat am Freitag sichtlich niedergeschlagen vor die Presse: "Ich habe Ihnen im Moment nicht viel zu sagen. Das passiert nicht oft", sagte er.