Datum17.10.2025 17:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Deutsche Bahn stellt ab Dezember den neuen Fernverkehrszug ICE L vor, der barrierefreie stufenlose Einstiege bietet. Trotz moderner Ausstattung und einem großen Familienbereich erreicht er nur 230 km/h, was ihn langsamer macht als andere ICE-Modelle. Die Kritik besagt, dass er eher wie ein aufgehübschter IC wirkt. Der ICE L ist Teil der Strategie zur Modernisierung der Flotte und soll bis 2026 auf verschiedenen Strecken in Deutschland und darüber hinaus eingesetzt werden.
InhaltDer neue Bahn-Fernverkehrszug ICE L verkehrt ab Dezember, mit stufenlosem Einstieg. Allerdings ist er langsamer als andere Modelle und wird von einer Lok angetrieben. Kritiker halten ihn für einen aufgehübschten IC. Die Deutsche Bahn hat ihren neuen Fernverkehrszug ICE L vorgestellt. Der Zug soll ab dem 14. Dezember schrittweise in Betrieb genommen werden. "Wir wollen nicht nur befördern, wir wollen begeistern", sagte Bahn-Chefin Evelyn Palla bei der Präsentation im Berliner Ostbahnhof. Die wichtigste Neuerung des ICE L ist laut Bahn die Barrierefreiheit: Der Zug kommt ohne Treppen an den Türen aus. Das L im Namen steht für "Low Floor". Neu entwickelte Sitze und ein modernes Innendesign sollen für eine wohnliche Atmosphäre sorgen. "Mit dem neuen ICE L setzen wir auf mehr Komfort und Zuverlässigkeit für unsere Fahrgäste", so Palla. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lobte das neue Modell: "Der Kunde muss auf der Schiene wieder König sein. Der ICE L ist ein perfektes Beispiel dafür." Wer modernisiere, verbessere nicht nur die Technik, sondern auch das Reiseerlebnis für Millionen Menschen, betonte Schnieder. Der Zug wird vom spanischen Hersteller Talgo gebaut. Er bietet 562 Sitzplätze, davon 85 in der 1. Klasse. Farbige LED-Reservierungsanzeigen, Steckdosen an jedem Platz und mobilfunkdurchlässige Scheiben sollen den Komfort erhöhen. Mit 46 Plätzen verfügt der ICE L über den größten Familienbereich der gesamten ICE-Flotte. Zusätzlich gibt es neun Plätze im Kleinkindabteil. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde ist der ICE L langsamer als andere Modelle, die bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Wagen des neuen Zuges sind zudem nur etwa halb so lang wie die anderer ICE-Modelle, was laut Bahn ein privateres und leiseres Raumgefühl schaffen soll. Der ICE L ist nicht als reiner Triebzug konzipiert wie die anderen ICE, sondern hat nur an einem Ende einen integrierten Steuerwagen. Für den Antrieb sorgt eine am anderen Zugende angekoppelte Lokomotive. Manche Kritiker sehen in dem Zug deshalb eher einen etwas aufgehübschten IC. In Berlin war zunächst ein Siemens-Modell mit den Waggons verbunden, später soll der Zug mit einer speziell entwickelten Lok von Talgo bespannt werden. Zudem kann der Zug auch im Dieselbetrieb auf nicht elektrifizierten Strecken fahren, etwa nach Sylt. Die Deutsche Bahn hat bis zu 79 Züge des ICE L. Die ersten vier sollen ab Dezember zwischen Köln und Berlin verkehren. Ab Mai 2026 ist der Einsatz auf der Strecke Berlin–Hamburg–Westerland geplant. Weitere Verbindungen, etwa ins Allgäu, folgen ab Juli. Ursprünglich sollte das Modell bereits im Herbst 2024 an den Start gehen. Die Einführung hat sich nach Bahn-Angaben aufgrund von Lieferschwierigkeiten beim Hersteller und Verzögerungen im Test- und Zulassungsverfahren verspätet. Genehmigungen fehlen noch für Fahrten des als Eurocity-Ersatz vorgesehenen Zugs in die Niederlande, nach Österreich und Dänemark. In Deutschland darf die Lok von Talgo noch nicht fahren, weshalb die Bahn den Talgo-Zug von einer Siemens-Lok ziehen lässt. Der ICE L ist Teil der Strategie der Deutschen Bahn, ihre Fernverkehrsflotte zu modernisieren. Ziel ist es, das Durchschnittsalter der ICE-Flotte von derzeit 17 Jahren bis 2030 auf 15 Jahre zu senken.