Datum18.10.2025 09:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRIn einem ehemaligen Edeka-Markt in Bamberg lagern etwa 3000 Überreste von Pest-Toten, ausgegraben aus einem Massengrab aus den Jahren 1632/33. Der Archäologe Julian Decker und sein Team von "In Terra Veritas" stehen vor Platzproblemen bei der Dokumentation der Funde. Langfristig sollen die Überreste in einer Halle der Denkmalschutzbehörde untergebracht werden. Diese Funde bieten wichtige Einblicke in das Leben während der Pestzeit und des Dreißigjährigen Krieges. Der Artikel empfiehlt auch Guido Kleinhubberts Buch über ähnliche historische Relikte.
InhaltKnochenkisten im ehemaligen Supermarkt, Himmlers Enkel und Düstere Geheimnisse: Die Lese-Empfehlungen der Woche aus der Wissenschaftsredaktion des SPIEGEL. Der Anblick von menschlichen Überresten ist Teil meines Jobs. Als zuständiger Redakteur für Archäologie bekomme ich Skelette oder Mumien etwa bei Grabungen, in Grüften, bei Laborbesuchen und in den Depots der Denkmalschutzbehörden zu sehen. Kürzlich wurde ich zudem an einem eher überraschenden Ort mit gut 15 Tonnen Schädeln und anderen Knochen konfrontiert: in einem ehemaligen Edeka-Markt. Dort, wo früher Lebensmittel verkauft wurden, stehen nun etwa 2000 graue Kisten mit den Gebeinen von Kindern und Erwachsenen. Die Überreste wurden Anfang vergangenes Jahr im Nürnberger Zentrum ausgegraben und gehen wahrscheinlich auf eine Pestwelle in den Jahren 1632/33 zurück. Dem Archäologen Julian Decker und seinem Team von der Bamberger Grabungsfirma "In Terra Veritas" bescherte das Massengrab ein Problem, das in der Branche bekannt ist: Platznot. "Wir wussten zunächst überhaupt nicht, wo wir die Knochen und anderen Entdeckungen unterbringen sollten", sagte mir Decker, als ich ihn vor einigen Tagen besuchte. Langfristig sollen die Überreste in einer Halle der zuständigen Denkmalschutzbehörde eingelagert werden, doch die ausführliche Dokumentation muss Deckers Firma erledigen – und dafür auch den nötigen Raum vorhalten. Glücklicherweise fiel dem Chef der leer stehende Supermarkt in seiner Nachbarschaft ein. Der Besuch des ungewöhnlichen Totenlagers beeindruckte mich – vor allem auch mit Blick auf all die Informationen, die die historische Wissenschaft den Überresten in den kommenden Jahren wahrscheinlich wird entlocken können. Die Skelettreste werden helfen, das Leben in der grausamen und entbehrungsreichen Zeit der Pest und des Dreißigjährigen Krieges besser verstehen zu können. Ich weiß, dass auch viele von Ihnen von der Arbeit fasziniert sind, die Archäologinnen und Archäologen leisten. Daher möchte ich Ihnen heute nicht nur den Artikel über die Toten bei Edeka empfehlen, sondern auch mein neues SPIEGEL-Buch "Düstere Geheimnisse". Auch darin geht es um Relikte aus der Pestzeit – und um viele andere mysteriöse Fundstücke und ihre oft erstaunlichen, manchmal unheimlichen Geschichten. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen! Herzlich, Ihr Guido Kleinhubbert Preisabfragezeitpunkt 18.10.2025 09.52 Uhr Keine Gewähr Ein Junge aus dem nordpakistanischen Peshawar zeigt seine blau markierte Fingerkuppe, das Zeichen, dass er gerade gegen Polio geimpft wurde. Seit Mitte Oktober läuft dort eine landesweite Kampagne, im Zuge derer mehr als 45 Millionen Kinder gegen das Virus immunisiert werden sollen. Über 400.000 Helferinnen und Helfer ziehen dafür von Tür zu Tür. Pakistan zählt neben Afghanistan zu den beiden Ländern weltweit, in denen Kinderlähmung noch dauerhaft zirkuliert. Im vorigen Jahr wurden in Pakistan 74 neue Fälle gemeldet. (Feedback & Anregungen? )