Datum18.10.2025 09:05
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung verzeichnen einen signifikanten Anstieg der Anfragen, vor allem von besorgten Eltern bezüglich einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Deutsche Friedensgesellschaft meldet im September 125.000 Homepage-Aufrufe, ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zu vorherigen Monaten. Hintergrund ist die bevorstehende Debatte über ein neues Wehrdienstgesetz, das ab Januar gelten soll. Verteidigungsminister Pistorius schlägt eine allgemeine Musterung vor, während Union und SPD ein Losverfahren in Betracht ziehen. Ein Kompromiss ist erforderlich.
InhaltBeratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung werden nach eigenen Angaben "geradezu geflutet". Der Zulauf besorgter Eltern steige besonders stark. Nach Angaben von Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung suchen immer mehr Menschen Rat bei ihnen. "Geradezu geflutet" wird nach eigenen Angaben die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen. Im September habe die Homepage 125.000 Aufrufe verzeichnet, im August seien es noch 55.000 gewesen, im Mai gut 24.000, sagte der politische Geschäftsführer Michael Schulze von Glaßer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Etwa ein Viertel der Anfragen stamme inzwischen von Eltern, deren Anteil steige. Auch die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden registriert mehr Anfragen. Auffallend sei, dass sich Eltern "wegen ihrer minderjährigen Söhne und Töchter besorgt zeigen bezüglich einer möglichen Wiedereinführung einer Wehrpflicht", sagte Sprecher Dieter Junker dem RND. Zunehmend meldeten sich demnach auch junge Wehrpflichtige, Reservisten und aktive Soldaten. Hintergrund ist die Debatte um ein neues Wehrdienstgesetz, das zum 1. Januar in Kraft treten soll. Der Wehrdienst soll zunächst auf Freiwilligkeit beruhen. Umstritten ist, welche Mechanismen greifen sollen, wenn sich nicht genügend Freiwillige finden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte eine allgemeine Musterung vorgeschlagen. Fachpolitiker von Union und SPD favorisieren stattdessen ein Losverfahren für Musterung und gegebenenfalls Pflichtdienst. Die Koalition muss nun einen neuen Kompromiss finden.