Datum18.10.2025 04:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Unsicherheit über die mögliche Wiedereinführung des Wehrdienstes führt zu einem Anstieg von Anfragen bei Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung. Besorgte Eltern kontaktieren verstärkt Organisationen wie die Deutsche Friedensgesellschaft und die Evangelische Arbeitsgemeinschaft, da die Websiteaufrufe im September stark gestiegen sind. Die Bundesregierung diskutiert derzeit ein neues Wehrdienstgesetz, das ab Januar gelten soll und zunächst auf Freiwilligkeit beruht. Streit gibt es um mögliche Mechanismen für die Musterung bei zu wenigen Freiwilligen.
InhaltWährend die Politik über neue Pläne für den Wehrdienst berät, wächst in Familien die Unsicherheit. Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung berichten von stark steigenden Anfragen, man werde nahezu "überflutet". Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung registrieren nach eigenen Angaben immer mehr Zulauf von besorgten Eltern. "Wir werden gerade nahezu überflutet von Anfragen", sagte der politische Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFGVK), Michael Schulze von Glaßer, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Aufrufzahlen der Website seien im September auf über 125.000 gestiegen – im Vergleich zu 55.000 im August. Der Anteil der anfragenden Eltern wachse. Auch die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) verzeichnet mehr Zulauf, wie ihr Sprecher Dieter Junker dem RND sagte: "Was in diesem Jahr auffällt, ist, dass es eine spürbare und deutliche Zunahme an Beratungsanfragen durch Eltern gibt, die sich wegen ihrer minderjährigen Söhne und Töchter besorgt zeigen bezüglich einer möglichen Wiedereinführung einer Wehrpflicht oder eines neuen Wehrdienstes." Die Bundesregierung ringt derzeit um die Ausgestaltung eines neuen Wehrdienstgesetzes , das zum 1. Januar in Kraft treten soll. Der Wehrdienst soll zunächst auf Freiwilligkeit beruhen. Der Streit der vergangenen Tage drehte sich vorwiegend darum, welche Mechanismen greifen sollen, wenn sich nicht genügend Freiwillige für die Bundeswehr finden und ob künftig alle jungen Männer wieder gemustert werden sollen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat sich im Streit über den Gesetzentwurf für einen neuen Wehrdienst gerechtfertigt. Alles weniger als eine "leidenschaftliche, offene, auch hitzige Debatte" wäre für ihn eine Enttäuschung gewesen, sagte Pistorius. "Dieses Thema verdient eine ehrliche und offene Debatte, weil es das Leben vieler, vieler Menschen betrifft." Fachpolitiker von Union und SPD hatten vorgeschlagen, junge Männer per Losverfahren zur Musterung und, wenn nötig, später auch per Zufallsauswahl für einen Pflichtdienst heranzuziehen, wenn die Freiwilligenzahlen zu gering bleiben. Nun muss die Koalition einen neuen Kompromiss finden.