Datum18.10.2025 03:33
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Lufthansa plant, bis zu 100 innerdeutsche Flüge pro Woche zu streichen, bedingt durch hohe Standortkosten und eine sinkende Nachfrage nach Inlandsreisen, vor allem durch weniger Geschäftsreisen. Konzernchef Carsten Spohr äußert, dass Flüge auf Strecken wie München-Münster/Osnabrück defizitär sind. Parallel reduziert Ryanair ihr Angebot in Deutschland um 10% und führt dies auf die unveränderten hohen Zugangskosten zurück. Branchenvertreter warnen vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im europäischen Luftverkehr.
InhaltDie Lufthansa prüft die Streichung zahlreicher innerdeutscher Flüge. Konzernchef Carsten Spohr verweist auf Standortbelastungen. Flughäfen wie Münster/Osnabrück und Dresden müssen zittern. Die Lufthansa-Gruppe erwägt, wegen hoher Steuern und Gebühren ihr innerdeutsches Flugangebot zu kürzen. "Ohne eine Reduzierung der Standortbelastungen werden weitere Streichungen unvermeidbar sein", sagte Konzernchef Carsten Spohr der "Welt am Sonntag" laut einem am Freitag veröffentlichten Vorabbericht. "Es geht um rund hundert innerdeutsche Flüge pro Woche, die im kommenden Sommer nochmals wegfallen könnten." Laut Spohr ist der Flugbetrieb innerhalb Deutschlands aufgrund einer Verdopplung der staatlichen Standortkosten seit 2019 in einigen Bereichen nicht mehr wirtschaftlich. "Verbindungen wie von München nach Münster/Osnabrück oder von München nach Dresden stehen auf dem Prüfstand", sagte der Manager. "Wir fliegen auf diesen Strecken jeden Tag defizitär." Die Zahl der Passagiere auf Inlandsflügen hatte anders als auf Auslandsflügen nach der Coronapandemie nicht mehr das Niveau von zuvor erreicht. Das liegt nach Einschätzung von Branchenverbänden vor allem an der gesunkenen Zahl der Geschäftsreisen, die durch Videokonferenzen ersetzt wurden, sowie Verlagerungen auf die Schiene. Am Mittwoch hatte die irische Fluggesellschaft Ryanair angekündigt, ihr Angebot in Deutschland weiter zusammenzustreichen. Die Airline wird im Winterflugplan in Deutschland rund 10 Prozent weniger Sitzplätze anbieten als zunächst geplant. Wie Marketing-Chef Dara Brady erklärte, werden 800.000 Sitzplätze und 24 Strecken aus dem geplanten Angebot gestrichen. Von den Kürzungen betroffen sind neun Flughäfen: Memmingen, Berlin-Brandenburg, Baden-Baden, Köln/Bonn, Frankfurt-Hahn, Niederrhein, Hamburg, Nürnberg und Bremen. Dortmund, Dresden und Leipzig wird Ryanair weiterhin nicht anfliegen. Die Entscheidung, in Deutschland weniger zu fliegen, sei eine "direkte Folge des anhaltenden Unvermögens der Bundesregierung, die hohen Zugangskosten in Deutschland zu senken", teilte die Airline mit. Unter anderem habe die Bundesregierung die Luftverkehrssteuer nicht gesenkt. "Die exorbitante Luftverkehrssteuer, in Kombination mit den stark gestiegenen Flugsicherungs-, Sicherheits- und Flughafengebühren, hat die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu anderen EU-Ländern erheblich geschwächt", teilte Ryanair mit. Weitere Streichungen für den Flugplan im Sommer 2026 schloss Ryanair ebenfalls nicht aus. Ryanair beklagt sich wie auch andere Fluggesellschaften sowie die Flughafenleitungen seit Jahren über die Kosten für den Luftverkehr in Deutschland. "Ohne ein sofortiges Eingreifen wird Deutschland bis zum Sommer 2026 weiter hinter anderen, wettbewerbsfähigeren europäischen Länder zurückfallen", teilte Ryanair dazu mit.