Karneval: Wüst kritisiert russisches Verfahren gegen Künstler Tilly

Datum19.12.2025 15:20

Quellewww.zeit.de

TLDRNRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das russische Strafverfahren gegen den deutschen Künstler Jacques Tilly scharf kritisiert und zur Solidarität mit betroffenen Künstlern aufgerufen. Tilly wird wegen seiner Karnevalswagen mit Abbildungen von Wladimir Putin wegen "Verunglimpfung der russischen Armee" angeklagt. Wüst betonte, dass Kunst und Karneval Ausdruck demokratischer Meinungsfreiheit sind und in autoritären Regimen oft unterdrückt werden. Tilly, der das Verfahren als lächerlich empfindet, plant eine Reaktion im bevorstehenden Düsseldorfer Rosenmontagszug.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Karneval“. Lesen Sie jetzt „Wüst kritisiert russisches Verfahren gegen Künstler Tilly“. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat das russische Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer Jacques Tilly scharf kritisiert und zur Solidarität mit betroffenen Künstlern aufgerufen. "Kunst und Karneval sind gelebter Ausdruck unserer demokratischen Meinungsfreiheit", sagte der NRW-Regierungschef der "Rheinischen Post" (Samstag).  "Dass Russland jetzt gegen Jacques Tilly wegen seiner Mottowagen ein Strafverfahren eingeleitet hat, offenbart wieder einmal, dass Despoten und Autokraten Kunst immer dann fürchten, wenn sie sich nicht vereinnahmen lässt", erklärte er. Karneval stehe für Lebensfreude, Vielfalt der Gesellschaft und auch die ausgelassene Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten.  Das Grundrecht der Kunstfreiheit sei kein Gnadenrecht, das gewährt oder verweigert werden könne. Es sei ein wichtiger und immer neu zu sichernder "Schatz einer freien Gesellschaft". "Gerade in Zeiten, in denen autoritäre Regime weltweit versuchen, Kritik zum Schweigen zu bringen, ist unsere Solidarität mit freien Künstlerinnen und Künstlern unverzichtbar", sagte er.  Die russische Justiz hat ein Strafverfahren gegen Tilly wegen seiner Karnevalswagen mit Abbildungen von Kremlchef Wladimir Putin im Karneval eingeleitet. Tilly wird nach Gerichtsangaben Verunglimpfung der russischen Armee vorgeworfen. Die erste Anhörung ist für den 24. Dezember angesetzt.  Tilly nannte das Verfahren lächerlich, denn er habe die russische Armee nie erwähnt, wohl aber umso öfter den Despoten Putin. Er werde als Karnevalist auf das Verfahren reagieren: "Kurz vor Rosenmontag ist das ein ungünstiger Zeitpunkt für Demagogen und Despoten. Da ist uns anscheinend ein kapitaler Hirsch vor die Flinte gelaufen", sagte Tilly, der seit 1984 Karnevalswagen in Düsseldorf entwirft und baut. Sie sorgten schon mehrfach für Aufsehen. Ministerpräsident Wüst ist auf die Reaktion im Düsseldorfer Rosenmontagszug gespannt: "Ich bin mir sicher: Dieses Strafverfahren wird ihm Inspiration sein, auf die wir uns beim nächsten Rosenmontagszug freuen können", sagte er der "Rheinischen Post" weiter. Tilly stehe seit über 30 Jahren für Meinungsstärke und Mut. Er scheue keine Institution, Staatsmacht oder Autorität. © dpa-infocom, dpa:251219-930-447208/1