Investitionen in deutsche Sportstätten: Der Kampf um die Sportmilliarde

Datum17.10.2025 18:04

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundesregierung hat eine Milliarde Euro für die Sanierung maroder Sportstätten in Deutschland versprochen, doch die bereitgestellten Mittel sind unsicher und möglicherweise unzureichend. Während die Regierungsparteien optimistisch über die „Sportmilliarde“ sprechen, kritisieren Politiker wie Christian Görke von der Linken die Abschwächung der Ankündigung und fordern ein separates Programm zur Sanierung von Schwimmbädern. Die Sportminister konstatieren einen steigenden Bedarf an Mitteln und warnen vor einem Rückgang des Sportangebots, falls keine umfassenden Investitionen erfolgen.

InhaltMindestens eine Milliarde Euro hat die Bundesregierung für die Sanierung von maroden Schwimmbädern und vergammelten Turnhallen versprochen. Doch gesichert ist das Geld nicht. Und wird es überhaupt ausreichen? Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Die sogenannte Sportmilliarde hat in Deutschland eine beeindruckende Karriere hinter sich. Gedacht ist das Geld dafür, den Sanierungsstau bei den Sportstätten der Bundesrepublik zu beheben. Doch je länger über die ›Sportmilliarde‹ gesprochen wird, desto mehr schrumpft sie zusammen. In einem Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen CDU und SPD stand die ›Sportmilliarde‹ zunächst als jährliche Investition, in der endgültigen Version  wurde die Formulierung dann so geändert, dass das Geld plötzlich nur noch für die gesamte Legislaturperiode gedacht war. Ein Rückschlag für die Sportfunktionäre, die dann auch noch kurzzeitig darum zittern mussten, dass der Sport überhaupt Eingang ins Sondervermögen fand . Das gelang – und nach der Haushaltsfestlegung Anfang September versprachen die Regierungsparteien selbstbewusst: "Die Sportmilliarde kommt – schnell und unbürokratisch ." Doch so sicher, wie die Koalition selbstbewusst formuliert, sei das Ganze nicht, kritisieren einige. In einer Antwort auf eine Anfrage der Linkenfraktion antwortete das Finanzministerium des Bundes, dass für die Jahre 2026 bis 2028 Barmittel in Höhe von fünf Millionen Euro sowie Verpflichtungsermächtigungen in Höhe von 328 Millionen eingerichtet wurden. Also insgesamt 333 Millionen Euro. "Die weitere Ausgestaltung der ›Sportmilliarde‹ für die Folgejahre obliegt dem Haushaltsgesetzgeber im Rahmen der Aufstellung der jeweiligen Wirtschaftspläne des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität" heißt es in der Antwort des Finanzministeriums, die dem SPIEGEL vorliegt. Heißt konkret: An der Zusammenstellung der restlichen Summe muss noch gearbeitet werden. Der Linkenabgeordnete Christian Görke sagt dazu: "Die Antwort aus dem Finanzministerium beweist, die Sportmilliarde war gelogen." Es sei eine "eklatante Täuschung", die die Bundesregierung "entlarve". Die Präsidentin des hessischen Landessportbunds , Juliane Kuhlmann, hatte sich jüngst mit harten Worten zu dem Thema geäußert: "Von einer Milliarde Euro kann derzeit keine Rede sein. Diese Ankündigung ist mehr PR als tatsächliche Hilfe für den Sport." Es sind die Bundesländer, in denen die ›Sportmilliarde‹ aus dem Sondervermögen ausgegeben werden soll. Hier stehen die maroden Schwimmbäder und die Turnhallen, in denen es seit Jahren keine funktionierenden Toiletten mehr gibt. Kein Wunder also, dass die Sanierungsfinanzierung auch bei der Sportministerkonferenz in Heidelberg Thema war. In einem Beschluss der Sportminister  steht die Feststellung, "dass im Haushalt die angekündigte Sportmilliarde für die laufende Legislaturperiode bislang nicht abgebildet ist". "Wir sind noch nicht ganz bei der Milliarde", bestätigte Hamburgs Innensenator Andy Grote: "Wir müssen gucken, was jährlich wirklich umgesetzt wird. Das gemeinsame Ziel muss der Aufwuchs der Gelder sein." Sachsens Innenminister Armin Schuster wies darauf hin, dass die eine Milliarde schon drei weniger als gedacht sei. Noch weniger? "Das trauen sie sich nicht." Die Vorsitzende der Sportministerkonferenz, Theresa Schopper, sprach davon, dass es wichtig gewesen sei, "nochmal den Druck zu erhöhen, damit wir nicht nur die erste Tranche von 333 Millionen Euro bekommen, sondern die Investition auch mindestens zu der versprochenen Milliarde aufwächst", sagte sie dem SPIEGEL: "Ich bin da aber ganz zuversichtlich." Fraglich bleibt, ob das bisher geplante (und noch nicht in Gänze gesicherte) Geld für die Sportstätten überhaupt ausreichen wird: In den Beschlüssen der Sportminister wird deutlich, dass der Bedarf an Mitteln für die sportliche Infrastruktur in den nächsten Jahren steigen dürfte. So drängen die Sportminister auf ein separates Programm zur Sanierung von Schwimmbädern. Zudem werde eine reine Sanierung vieler Anlagen kaum reichen, wenn man weiterhin Großereignisse ausrichten wolle, heißt es. Die Anforderungen der nationalen und internationalen Fachverbände würden steigen, damit müsse man sich jetzt befassen. Die Sportkonferenz formulierte dann noch einen eindringlichen Appell für die Wichtigkeit von Investitionen: "Ohne eine elementare Beteiligung des Sports am Sondervermögen des Bundes wird es Ländern und Kommunen alleine nicht möglich sein, die notwendige Ertüchtigung unserer Sportstätten voranzutreiben." Ein spürbarer Rückgang an Sportangeboten sei zu befürchten.