Prozess in Berlin: Marvin S. gesteht weitere Vergewaltigungen

Datum17.10.2025 17:40

Quellewww.spiegel.de

TLDRMarvin S. hat im Prozess in Berlin weitere Vergewaltigungen gestanden, darunter vier Taten gegen zwei Frauen zwischen Februar 2020 und März 2021. Er wurde bereits im Juli wegen der Vergewaltigung einer 20-Jährigen verurteilt. Der Angeklagte könnte ein Serientäter sein, und es besteht die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung. Der Prozess erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Opfer zu schützen. Kritische Stimmen wurden laut, da die Polizei anfangs nicht ermittelte, obwohl es Hinweise auf Straftaten gab. Der Prozess wird am 4. November fortgesetzt.

InhaltDer Angeklagte könnte ein Serientäter sein: Marvin S. hatte im Juli eine 20-Jährige vergewaltigt, im Prozess kamen weitere Vorwürfe auf. Diese hat der Mann nun eingeräumt. Im Juli wurde Marvin S. wegen Vergewaltigung einer bewusstlosen Abiturientin verurteilt. Nun wird klar: Es hat weitere Opfer gegeben. Der Mann hat in einem zweiten Prozess weitere Vorwürfe zugegeben. Dem 38-Jährigen werden im aktuellen Prozess  in Berlin vier weitere Taten zulasten von zwei Frauen vorgeworfen. Bei dem Angeklagten handelt es sich möglicherweise um einen Serientäter. Der Mann habe die ihm vorgeworfenen Taten gestanden, heißt es in einer Stellungnahme eines Verteidigers zu Handy-Auswertungen. Der Angeklagte habe bereits vor zehn Tagen vor dem Berliner Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Dem Betriebswirt und ehemaligen Geschäftsführer droht im Falle einer Verurteilung auch anschließende Sicherungsverwahrung. Der Mann war Mitte Juli zu fünfeinhalb Jahren Haft  verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hat er im April 2022 eine alkoholisierte 20-Jährige zum Konsum von verschiedenen Drogen animiert und ihren desolaten Zustand ausgenutzt, um einseitig sexuelle Handlungen vorzunehmen. Den Körper der bewusstlosen Abiturientin habe er mit frauenverachtenden Worten beschmiert und mehrere Videoaufnahmen gefertigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Im aktuellen Prozess werden dem Mann Taten im Zeitraum von Februar 2020 bis März 2021 vorgeworfen. Die beiden Anklagen, um die es nun geht, wurden auf Antrag der Nebenklage-Anwältinnen zum Schutz der betroffenen Frauen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen. Auch die Aussagen der beiden 47- und 29-jährigen Frauen sowie des Angeklagten erfolgten hinter verschlossenen Türen. Die Vorwürfe waren erst während des ersten Prozesses bekannt geworden. Das Gericht sorgte damals dafür, dass ein Handy des Angeklagten durch die Polizei vollständig ausgewertet wurde. Als ihre Mandantinnen bei der Polizei mit Aufnahmen konfrontiert worden seien, seien sie schockiert gewesen, sagte eine Nebenklage-Anwältin am Rande. Sie hätten bis zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, "dass sie zu Opfern geworden waren". Kritik gegen Polizeibeamte  wurde bereits im ersten Prozess laut – inzwischen gibt es den Angaben zufolge interne Ermittlungen gegen Berliner Polizisten. Beamte, die im Fall der Abiturientin von einer Notärztin alarmiert worden waren, sahen trotz Hinweisen auf Straftaten zunächst keinen Anlass, zu ermitteln. Die Familie der damals 20-Jährigen, die minutenlang reanimiert werden musste, erstattete Strafanzeige und beharrte auf Ermittlungen. Der Prozess wird am 4. November fortgesetzt.