Datum18.12.2025 14:45
Quellewww.zeit.de
TLDRSalzgitter plant, das Stahlunternehmen HKM in Duisburg unter bestimmten Bedingungen selbst zu übernehmen, nachdem Thyssenkrupp und Vallourec aussteigen wollen. CEO Gunnar Groebler äußerte, dass HKM mit einem Elektrolichtbogenofen eine Zukunft haben könnte, wobei die Belegschaft von derzeit 3.000 auf etwa 1.000 sinken müsste. Voraussetzung für die Übernahme sind die Kostenbeteiligung der bisherigen Eigentümer und Klarheit über Abnahmemengen. Salzgitter möchte zudem Fördermittel in Höhe von 200 Millionen Euro sichern und befindet sich im Austausch mit dem Land NRW.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Stahlindustrie“. Lesen Sie jetzt „Salzgitter bekräftigt Übernahmepläne für Stahlhersteller HKM“. Der Stahlhersteller Salzgitter will weiterhin unter bestimmten Bedingungen das Gemeinschafts-Stahlunternehmen HKM in Duisburg allein weiterführen. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler nannte in einem Interview der "WAZ" erstmals Einzelheiten seiner Pläne für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM), die in Duisburg rund 3.000 Menschen beschäftigen. HKM gehört den Stahlunternehmen Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter und Vallourec (20 Prozent). HKM produziert mit zwei Hochöfen Vorprodukte für die Eigentümer. Thyssenkrupp und Vallourec wollen sich aus dem Unternehmen zurückziehen. "Wir können uns vorstellen, die Hütte in einem kleineren Umfang weiterzuführen", sagte Groebler der "WAZ". Derzeit habe HKM eine jährliche Kapazität von rund 4,2 Millionen Tonnen. "Aus unserer Sicht ist es möglich, die beiden Hochöfen durch einen Elektrolichtbogenofen zu ersetzen, der eine Kapazität von zwei bis 2,5 Millionen Tonnen hätte. Damit bekäme HKM eine Perspektive." Der Betrieb mit einem Elektrolichtbogenofen erfordere eine Belegschaft mit rund 1.000 Beschäftigten, so Groebler weiter. "Uns ist bewusst, dass dies ein harter Einschnitt wäre." Auf die Frage, ob sich die Einschnitte ohne betriebsbedingte Kündigungen organisieren lassen, antwortete der Konzernchef: "Das ist zunächst unser erklärtes Ziel. Wir sind uns unserer Verantwortung für HKM sehr bewusst." Voraussetzung für eine Übernahme aller Anteile sei, dass sich die bisherigen Miteigentümer an den Kosten für eine Verkleinerung beteiligten. "Wir brauchen zudem Klarheit von Thyssenkrupp über die Abnahmemengen für die kommenden zwei, drei Jahre. Dazu fehlen uns verbindliche Antworten." Auch brauche HKM eine positive Rückmeldung zu beantragten Fördermitteln für einen neuen Elektrolichtbogenofen in Höhe von 200 Millionen Euro. Mit dem Land NRW sei man außerdem in einem konstruktiven Austausch, bei dem es auch um eine mögliche Landesbürgschaft für HKM gehe. "Damit wir HKM allein weiterführen können, ist ein negativer Kaufpreis erforderlich", sagte Groebler weiter. "Die Kosten, die durch eine mögliche Schließung entstünden, sind aus unserer Sicht dabei ein wichtiger Referenzwert." Eine genaue Summe nannte der Salzgitter-Chef nicht. In einem Schiedsgerichtsverfahren will Salzgitter derzeit unter anderem feststellen lassen, mit wie viel Geld sich Thyssenkrupp nach dem angekündigten Ausstieg an etwaigen Umbaukosten beteiligen müsste. Groebler sprach in diesem Zusammenhang von einem üblichen Vorgang bei wirtschaftlichen Auseinandersetzungen. Thyssenkrupp-Chef Miguel López hatte bei der Bilanzpressekonferenz vergangene Woche "juristische Vorgehensweisen" als "sicherlich nicht hilfreich" bezeichnet. Gleichzeitig hatte er betont, dass Thyssenkrupp "an konstruktiven Lösungen interessiert" sei. Man finde es "hervorragend, dass Salzgitter den Betrieb fortführen will, und wir sind auch bereit, die dafür notwendigen Voraussetzungen der Kostenbeteiligung entsprechend auch zu tragen und sind uns da unserer Verantwortung bewusst", hatte López gesagt. © dpa-infocom, dpa:251218-930-441356/1